Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

 Joh. E. Keller 

Abraham der Vater der Gläubigen im Offenbarungs­lichte der heiligen Stadt  

„Abraham hat Gott geglaubt, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er ist ein Freund Gottes genannt worden.” (Jak.2,23)

 Der erste Glaubensschritt

„Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen ward, auszuziehen in ein Land, das er zum Erbteil empfangen sollte.” (Hebr.11,8)

Wir werden im Leben Abrahams besonders für uns Wertvolles herausfinden. Durch Glauben opferte Abel. Durch Glauben ward Henoch entrückt. Durch Glauben baute Noah eine Arche. Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen ward auszuziehen. Wir sehen wohl den Unterschied, der zwischen diesen vier Glaubens­männern besteht. Auf Abels Glauben wird nur im Blick auf das Opfer hingewiesen, das er brachte. Bei Henoch finden wir, daß sein Glaube auf den Abschluß seines irdischen Lebens Bezug hat. Bei Noah ist sein Glauben in Verbindung gebracht mit dem Werk, das sein Leben als Knecht Gottes auszeichnen mußte. Wir finden somit, daß uns diese drei ersten Zeugen etwas ganz Bestimmtes sagen.

Abels Opfer soll die Art und Weise zeigen, wie der unter die Sünde gefallene Mensch seine Rechtfertigung erfährt. Durch Henochs Erfahrung ist das Ziel jedem Kinde Gottes gesetzt, wenn es in die Nachfolge des Herrn tritt, und Noah zeigt uns, wozu Gott ihn erzogen hat und was er, als Knecht seines Gottes, zur Entwicklung des Reiches Gottes und zur Rettung seines Hauses unbedingt ausführen mußte.

Bei Abraham, dem Vater der Gläubigen, finden wir nun wieder etwas anderes.

„Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen ward auszuziehen in ein Land, das er zum Erbteil empfangen sollte, und zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme.” (Hebr.11,8)

Wir sehen, daß bei Abraham gleich auf den Anfang seiner praktischen Stellung zu Gott hingewiesen ist. Wir können in dem vom Apostel Gesagten uns gleich den ganzen Inhalt seines Lebens vor Augen stellen. Gott hält uns in Abraham den Vater der Gläubigen vor Augen und zeigt damit, daß sich im Leben des Kindes Gottes die gleiche Entwicklung vollziehen muß. In Abrahams Leben ist uns nichts verborgen; da gewinnen wir einen klaren Einblick in den Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwi­schen Gut und Böse, zwischen dem menschlichen Wollen und der satanischen List, diesen guten Willen der Menschen zu hintertreiben, wie es Paulus in Römer 7 aus­drückt, daß er das nicht ausführt, wonach sein Herz begehrt.

Wenn wir nun das Zeugnis der Schrift eingehend betrachten, so können wir das für uns ableiten, was wir aus dem Leben dieser Vorbilder benötigen. Das soll der eigentliche Zweck für uns sein. Wir wollen nicht nur geschichtlich

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das Leben dieser Männer an unserm Geiste vorüber ziehen lassen, sondern wir wol­len beachten, daß es für uns gesagt ist, auf die der Ertrag der Zeitalter kommt (1.Kor.10,11).

 „Und der Herr sprach zu Abram: Geh’ aus von deinem Land und von deiner Ver­wandtschaft und von deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen will!” (1.Mos.12,1)

 Wenn Gott so zu einem Manne redet, dann sollten wir dabei stehen bleiben und erforschen, was das innerste Wesen dieses Mannes auszeichnet, dem Gott solche Verheißung gibt, daß sogar alle Geschlechter durch ihn gesegnet werden sollen; denn wir gehören ja auch zu diesen Geschlechtern, denen der Segen Abrahams, als Vater der Gläubigen, zukommen soll.

 „Da ging Abram, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Loth ging mit ihm; Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, da er von Haran auszog.” (1.Mos.12,4)

Nicht umsonst ist hier die Gestalt Lots in Abrahams Leben hineingewoben. Es ist künftighin unmöglich, von Abraham zu reden, ohne auch Lot zu begegnen. Paulus redet in diesem Glaubenskapitel zwar nicht von Lot. Das hat gewiß seine Bedeutung. Aber die Geschichte Abrahams fängt gleich mit Lot an. Das steht gewiß auch nicht umsonst. Wir wissen, was das wahre Wesen des Kindes Gottes ausmacht und sei­nem Weg das Gepräge gibt. Jesus bringt es in den Worten zum Ausdruck:

„Darum ein jeder, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich einem klu­gen Manne vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Als nun der Platz­regen fiel, und die Wasserströme kamen, und die Winde wehten und an dieses Haus stießen, fiel es nicht; denn es war auf den Felsen gegründet. Und ein jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten Manne gleich sein, der sein Haus auf den Sand baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde wehten und an dieses Haus stießen, da fiel es und tat einen großen Fall.” (Matth.7,24-27)

Was ist uns damit gesagt? Wie baut man denn sein Haus auf den Felsen? Das ist unmöglich, wenn man sich erst dann damit befassen will, wenn man das Haus schon gebaut hat. Darum steht auch an anderer Stelle, man soll tief graben.

In den Psalmen lesen wir soviel von inneren Kämpfen und Nöten, aber dann auch von einem dementsprechenden Durchbruch. Einmal sagt David: „Führe du mich auf den Felsen, der mir zu hoch ist!” (Ps.61,3) Und in einem andern Wort sagt er: ”Du hast meine Füße aus der grausamen Grube gezogen.” (Ps.40,3) Der 18.Psalm ist das herr­liche Triumphlied der völligen Errettung. Da sagt David: „Den Herrn, den Hochgelob­ten rief ich an und wurde von meinen Feinden errettet”. Im 118.Psalm lesen wir:

„Sie haben mich umringt wie Bienen, sie brennen wie ein Dornenfeuer; aber im Namen Jehovas zerhaue ich sie. - Du hast mich hart gestoßen, daß ich fallen sollte; aber der Herr half mir. Der Herr ist meine Stärke und mein Lied, und er ward mir zum Heil. Stimmen

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des Jubels und Triumphes (hört man) in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn gewinnt den Sieg! Die Rechte des Herrn hilft auf, die Rechte des Herrn gewinnt den Sieg! Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werk erzählen.” (Vers 12-17)

Wir sehen aus diesen Worten, daß David nicht eher ruhte, bis er zu dem Ziele gelangt war, das er sich gesetzt hatte. Bauen wir auch unser Haus so auf dem sichern Felsengrund auf, daß es den Stürmen der Zeit standzuhalten vermag!

Gar viele Kinder Gottes wissen ganz genau, daß sie ein schwankendes Rohr sind, das von jedem Wind hin und her geworfen wird. Sie sind immer in Furcht und Angst vor irgendwelchen Nöten und wissen, daß ihr ganzer Aufbau nur Schein ist, weil ihnen das massive Fundament fehlt.

Durch Glauben gehorchte Abraham.

Darin bestand sein Fundament. Abraham gehorchte, als er berufen ward auszu­ziehen. Der Herr sprach zu Abram: „Geh' aus von deinem Land und von deiner Ver­wandtschaft und von deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen will!” (1.Mos.12,1) Abraham ging, und Lot ging mit ihm. Wir sehen hier zwei Bilder. Abraham baute auf den Felsengrund. Er wußte sich vom Herrn berufen und war darum auch in Verbindung mit dem Herrn.

Lot dagegen ging mit Abraham. Er war ein Mitläufer, und sein ganzes Leben ist dadurch gekennzeichnet. Er fing in seiner Weise an und blieb auf diesem Weg bis zum Ende seines Lebens. Es ist doch eigenartig, daß dieser Lot auch genau wie Noah in den Tagen des Menschensohnes eine gleich bedeutungsvolle Rolle spielt. Auch er wird zu den Gerechten gezählt und wurde gerettet, aber nicht so wie Noah in der Arche, sondern aus dem sodomitischen Verderben heraus. Abraham baute auf das Wort des Herrn, und Lot machte das auch mit.

Da gilt es für uns zu prüfen. Es nützt uns nichts, daß wir nur davon reden, son­dern es ist unbedingt erforderlich, daß wir auch erkennen, ob wir auf Abrahams Boden oder auf Lots Boden stehen; ob wir den rechten Weg gehen, oder ob es bei uns nur ein Mitmachen ist, so daß auch unser ganzes Leben dadurch bis zum Ende gekennzeichnet ist und bleibt. Gewiß können wir sagen, Lot wurde doch auch geret­tet, und wenn ich nur auch so gerettet werde, wie Lot, so bin ich schon zufrieden.

Wer aber eines Abraham Sinn hat, der erschrickt bei diesem Gedanken, daß es in seinem Leben etwas Unklares geben könnte. Wer allerdings nicht praktisch Hand anlegen will, sondern sich lieber ins Schlepptau nehmen läßt, anstatt mit aller Ent­schiedenheit auf dem Plan zu sein, dem Höchsten, als dem Vollkommensten nach­zujagen, der mag wohl mit allem zufrieden sein,

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wie es eben ist. Der sagt natürlich, wenn ich nur mit knapper Not noch durchkomme, so will ich schon zufrieden sein. Dagegen sagt Petrus, als Unterweisung den Kindern Gottes:

„ … so wendet darum auch allen Fleiß daran und reichet dar in euerem Glauben die Tugend, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbst­beherrschung, in der Selbstbeherrschung aber die Geduld, in der Geduld aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die allgemeine Liebe. Denn wenn solches reichlich bei euch vorhanden ist, wird es euch nicht träge noch unfruchtbar machen für die Erkenntnis unseres Herrn Jesu Christi; wer aber solches nicht hat, der wird blind, kurzsichtig und hat vergessen der Reinigung von seinen vorigen Sünden. Darum, meine Brüder, befleißiget euch desto mehr, euere Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wo ihr solches tut, werdet ihr niemals straucheln; denn also wird euch reichlich darge­reicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesu Christi.” (2.Petr.1,5-11)

Nach diesem Wort sollen sie nicht träge sein, sondern sie werden vielmehr auf hoher Warte stehen, wie ein Abraham, der in einem solchen Verhältnis zu Gott stand, daß wir das Zeugnis hören: „Sollte ich dem Abraham verbergen, was ich tun will!” (1.Mos.18,17) Es wird Kinder Gottes in dieser Stellung unerschütterlich fest machen, zu wissen, daß Gott seinen Willen und seine Gedanken ihnen unbedingt kund tut, so daß sie nicht fehl gehen können.

Wie kam aber Abraham auf diesen Boden, den Lot nicht fand? Wie konnte er das Wort seines Gottes verstehen: „Verlaß Vaterhaus und Verwandtschaft und folge mir in das Land, das ich dir zeigen will!” (1.Mos.12,1) Wie konnte er so gewiß die Stimme seines Gottes erkennen, der ihm diesen Auftrag gab und dem er, wenn er sich auf seine Seite stellen wollte, unbedingt gehorchen mußte?

In dieser Berufung liegt die Entscheidung jedes Menschen für Zeit und Ewigkeit, die er auf das Wort des Herrn hin trifft. Der Herr ist in diese Welt gekommen, um alle zu erleuchten, die in dieser Welt sind; darum gibt es gewiß nicht einen einzigen Men­schen in der ganzen Christenheit, der nicht öfter diese Berufung seines Gottes gleichwie Abraham gehört hat (Joh.1,9).

Es gibt im Blick auf diese Berufung viele Menschen, die genau dieselbe Erfah­rung machen, wie jener Mann, der ein gutgehendes Geschäft hatte. Er fühlte sich eines Tages sehr getrieben in den Dienst des Herrn zu treten. Aber nun kamen ihm allerlei Gedanken über seine Frau, seine Kinder und seine Einnahmen. Er überlegte hin und her, bis er im Gebet zu Gott sagte: „Herr, wenn du mich so segnest, daß ich noch diese bestimmte Summe verdiene, dann will ich mein Geschäft nur noch dieses eine Jahr behalten.” Das Jahr war bald zu Ende. Da eines Tages wurde der Kauf­mann wieder daran erinnert, daß der Herr ihn vor einem Jahr gerufen hatte und daß er nun sein Versprechen

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einlösen sollte. Aber das Geschäft ging sehr gut, und er bat ein zweites Mal: Gib mir noch ein solches gutes Jahr. Und dieses Jahr ging auch vorüber, aber es kam nun kein Ruf mehr. Der Kaufmann durchlebte das folgende Jahr und zur betreffenden Zeit wurde er wieder daran erinnert. Er wartete auch wieder auf das Wort des Herrn, und so gingen die Jahre dahin. Immer brennender wurde die Sehnsucht, nur noch einmal das Wort des Herrn zu hören. Schon ging er gebeugt einher und seine Haare wurden grau. Er klagte nun oft, daß er alles dran geben wollte, wenn er nur noch einmal das Wort des Herrn vernehmen würde. Doch vergeblich, noch jung an Jahren starb der Kaufmann, weil ihn der Gram, daß er der Stimme des Herrn ungehorsam gewesen war, verzehrt hatte.

Dieses Bild soll uns nur zeigen, wie Menschenkinder es ihrem Gott gegenüber machen. Ich weiß aus Erfahrung, daß es viele Menschen gibt, die es ebenso machen, wie dieser Mann. Auch Kinder Gottes befinden sich oft noch in ungeregelten Verhältnissen, worüber sie im Gewissen gestraft werden, aber aus irgendwelchen Gründen wollen sie die Sache nicht nach dem Wort des Herrn ordnen. Und wie viele Menschen gibt es, die oft den Zug des Geistes zur Buße und Umkehr haben. Sie wissen, daß sie ihr Leben ordnen und Kinder Gottes werden sollen, und schieben es doch von einem Mal zum andern auf, und wie viele sterben dahin ohne Frieden, ohne Vergebung ihrer Sünden, ohne die Gewißheit, die Gotteskindschaft in diesem Leben erlangt zu haben, nur weil sie der Stimme ihres Gottes nicht Folge geleistet haben.  

Abraham hat aber die Stimme seines Gottes so gut verstanden, daß er seinem Gott bestimmt folgen konnte

Jedoch in Lots Erfahrungen hören wir keine Gottesstimme. Sollte Gott mit Lot nicht auch geredet und ihn gerufen haben? Wenn Lot auf die Stimme Gottes gehört hätte, so wäre er vielleicht nicht mit Abraham gezogen, denn Gott hätte möglicher­weise einen andern Weg für ihn gehabt. Er wäre dann ebenso bestimmt wie Abra­ham, auf das Wort des Herrn hin seinen Weg gegangen.

Aber wie hört man denn die Stimme des Herrn?

Gewiß redet Gott so, daß der Mensch es verstehen kann. Das finden wir durch die ganze Bibel hindurch. Als Gott beim Wehen des Abendwindes im Garten Eden umherwandelte, da hörte Adam ganz genau die Stimme seines Gottes, als er rief: „Wo bist du?” Er konnte ganz gut seinem Gott sagen: „Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum verbarg ich mich!” Da sprach Gott: „Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist?

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Hast du etwa von dem Baum gegessen, davon ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?” Da sprach der Mensch: „Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß!” Wie klar die Menschen doch Gott verstehen; und wie klar hat auch Kain, der Brudermörder, ihn verstanden! Er sagte: „Meine Schuld ist zu groß zum Tragen!” Er hatte nicht den Bußgeist, sondern meinte: „Soll ich denn meines Bruders Hüter sein?” Wie gut versteht der Mensch seinen Gott! Warum? Weil er immer mit ihm von dem redet, was seine persönliche Erfahrung ist. Gott redet ja mit den Menschen nicht von unbekannten Dingen. Er macht es ihm so verständlich, daß es einen Gott im Himmel gibt, wenn er fragt: „Wo bist du? Hebe deine Augen auf und siehe mich an! Kannst du mich frei ansehen? Was hast du getan?” Diese Sprache seines Gottes versteht der Mensch immer. Aber wenn man nicht ans Licht kommen will, so ergeht die Aufforderung des Propheten an uns:

„Kommt doch, wir wollen zusammen rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sün­den wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie wie Wolle werden. Seid ihr willig und gehorsam, so sollt ihr das Gut des Landes essen; weigert ihr euch aber und seid widerspenstig, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden!” (Jes.1,18-20)

Wohl hört der Mensch auch die Stimme der Schlange, die sagt: „Sollte Gott es wirklich so gemeint haben?” Ist das auch Gottes Absicht mit dir? Ist es denn nötig, daß man seine Sünden bekennt, und soll man sie auch vor Menschen bekennen und ans Licht kommen, könnte man das nicht mit seinem Gott allein abmachen?

Dann sind wir gewöhnlich auch schnell dabei, mit dem Teufel zu beraten. Aber er hat nur das eine im Sinn, uns von dem klar gewiesenen Weg abzuziehen, damit er seine Macht und Herrschaft im Fleisch des Menschen ungestört erhalten kann dadurch, daß er es verhindert, daß wir klar und bestimmt auf Gottes Weg eingehen. Wenn wir uns aber davon beeinflussen lassen, so können wir nie im Leben eine klare Stellung einnehmen. Man wird immer in einer gewissen Dämmerung und Unklarheit dahin leben und kann nie sagen, der Herr hat es gesagt, ich gehöre dem Herrn an. Man sagt wohl, vielleicht meint es der Herr gar nicht so! Ob man das gerade so neh­men kann? Doch so redet man nur darum, weil man keinen klaren Grund und Boden geschaffen und sein Haus nicht auf den Felsen gebaut hat.

Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen ward auszuziehen. Achten wir darauf, daß es nicht heißt durch Glauben wurde Abraham berufen, sondern es heißt: „Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen ward auszuziehen in ein Land, das er zum Erbteil empfangen sollte.”

Die Berufung setzt den Glauben nicht voraus, aber den Gehorsam. Ehe

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der Mensch aber einen solchen Gehorsamsschritt tun kann, muß er eine klare Stel­lung zur Berufung seines Gottes einnehmen. Wie oft fehlt es gerade da und wie bedeutungsvoll ist darum das Wort des Herrn: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.” (Matth.20,16) Das ist ein furchtbar ernstes Wort. Stellen wir uns einmal vor, als Berufene in die Nachfolge eingetreten zu sein, um dann, wie Lots Weib, auf halbem Wege stehen zu bleiben und vom Verderbensgericht ereilt werden! Und doch war sie auch aus Sodom mit ausgegangen. Sie war sich eben ihrer Berufung nicht klar genug bewußt. Sie hatte zur Berufung keine entschiedene Stellung eingenom­men. Ein Kind Gottes, das sich von Gott berufen weiß und das einmal erkannt hat, daß es um Leben oder Tod, um ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis geht, ob es dem Ruf folgt oder nicht, das stellt sich auch ganz auf seines Gottes Seite. Wer diese klare Stellung einnimmt, der mag dann Nöte und Schwierigkeiten, Versuchungen und Anfechtungen durchzukosten haben, aber die Stellung, die er zum Wort von Grund auf eingenommen hat, wird ihn in die Lage versetzen, durchzuhalten. Wenn man aber mit den Worten seines Gottes spielt, indem man mit seinen Sünden gleichgültig umgeht oder gar glaubt, daß man Gott einen Dienst erweise, daß man überhaupt zu ihm kommt, dann wird man sich immer in einer zweifelhaften Stellung befinden.

Wenn man es aber von vornherein ernst genommen hat, dann dringt man in allen Versuchungen immer wieder durch. Das Wort Gottes ist dann lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens; und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, es ist vielmehr alles bloß und offen vor seinen Augen, und mit ihm haben wir es zu tun (Hebr.4,12-13).

Vor diesem Wort wissen wir uns dann immer offenbar und vor ihm können wir nichts verborgen halten. Wenn man aber eine oberflächliche, gleichgültige Stellung eingenommen hat, indem man heute einen Entschluß faßt, nur um ihn morgen wieder zu verwerfen, so wird man zu seinem Gott immer eine unklare Stellung einnehmen, weil man keinen Grund unter seinen Füßen hat, sondern hin und her schwankt.

Noahs Arche hatte gewiß auch geschaukelt und ist gerüttelt und geschüttelt wor­den in der Zeit, wo es Tag und Nacht geregnet hat, zum Vorbild des kommenden Gerichtes. Aber was gab Noah die unerschütterliche Beständigkeit in der Arche? Er wußte, daß er die Arche genau nach dem Wort seines Gottes gebaut hatte, und darum konnte er sich ruhig darin schütteln lassen. Aber wie wird es mit denen sein, denen das Wort Gottes kein Fels ist,

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weil sie es nie zu einem solchen in ihrem Leben gemacht, sondern es immer wie eine Schaukel betrachtet haben, indem sie glaubten, mit Gott machen zu können, was sie wollten?!

Das ist der Grund, auf dem man Gottes Wort verstehen lernt und die Stimme sei­nes Gottes klar und bestimmt vernimmt und seinen Willen erkennt. Dann führt Gott auch von Klarheit zu Klarheit und von Erkenntnis zu Erkenntnis. Er zeigt uns dann, daß wir unter die Sünde verkauft sind, als solche, in denen die Sünde wohnt. Wir sehen wohl, daß wir uns im inwendigen Menschen für Gott entschieden haben und sind doch mit Sündenketten auf dem Boden des Fleisches unter Zwang und Eisen festgehalten, so daß wir das tun müssen, was die Sünde in unsern Gliedern auswirkt. Es gibt aber keine einzige Sünde im menschlichen Leben, die nicht durch Gottes Wort bloßgelegt wird. Doch in dem Maße, wie wir darauf eingehen, und wenn es durch Zeiten geht wie bei David, daß wir es verschweigen wollen, so daß Gottes Hand Tag und Nacht schwer auf uns liegt, kommen wir dann zu einer klaren Ent­scheidung. Wenn wir mit der Sünde, die Gott beleuchtet, ans Licht kommen und nicht ruhen, bis er uns das ganze Verderben bis auf den Grund aufgedeckt hat, dann kann uns Gott auch den Weg des Heils „in Christo” zeigen, wie er den alten Menschen am Fluchholz gerichtet und durch den Tod abgetan hat, so daß er vergangen ist und aus dem Grabe ein neuer Mensch hervorgegangen ist, um zu seiner Rechten zu sitzen und da die ewige Rettung darzustellen, das vollkommene Heil.

Dem Engel zu Laodicea, der in der Verblendung lebte reich zu sein und nichts mehr zu bedürfen, wurde vom Herrn gesagt:

„Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest; und weiße Kleider, damit du dich bekleidest, und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehest.” (Offb.3,18)

Diese Augensalbe will Gott geben, von der Johannes redet (1.Joh.2,20.27). Durch dieselbe bekommen wir ein bestimmtes Unterscheidungsvermögen, daß wir alles seinem Wesen nach erfassen können; einerseits unser Verlorensein und anderer­seits unsere vollkommene Rettung in Christo Jesu. Dann wird einem alles so klar, was man früher nur verschwommen und unklar gesehen hat, und je mehr man darauf schaut, um so mehr dringt man in das Wesen der Sache ein und kann die Gemächer seines Hauses durchwandeln und das Werk, das er in seinem Sohne vollbracht hat, erfassen. Je unentschiedener wir aber dem Wort Gottes gegenüber stehen, um so verwischter wird uns Gottes Werk, so daß uns Gott zuletzt nur noch ein verschwom­menes Nebelgebilde ist. Bei einem unklaren Blick kann man aber der Stimme des

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Herrn nicht gehorchen. Da hat der Satan immer seine Hand im Spiel.

Abraham gehorchte aufs Wort, und Lot ging mit. Im Glauben gehorchte Abraham, weil sein Gott ihn gerufen und er eine klare Stellung zu dem Ruf seines Gottes ein­genommen hatte. Wie köstlich ist es zu wissen, daß es nie zu spät ist, sich eine klare Stellung zu schaffen. Mögen wir recht erkennen, wie wir stehen, und welches unsere Gesinnung und unsere Stellung ist, ob nach dem Vorbild Abrahams oder nach dem­selben von Lot!

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