Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

Joh. E. Keller 

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Das Sendschreiben an die Gemeinde zu Laodicea 

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Das Geheimnis vom Kommen des Herrn in der Gemeinde zu Laodicea 

 

I. Die Offenbarung des Herrn für den Engel der Gemeinde zu Laodicea 

 

1. Die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn findet in der Stellung des Engels der Gemeinde zu Laodicea ihr letztes Hindernis

In unseren Betrachtungen über das „Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter“ als das „Geheimnis vom Kommen des Herrn“ kommen wir nun zum sieben­ten und letzten Sendschreiben, nämlich zum Sendschreiben an die Gemeinde zu Laodicea. Wir haben zwar aus den vorausgehenden Ausführungen erkannt, daß die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn in der Gemeinde zu Philadelphia ihren Abschluß finden wird. Zur rechten Erkenntnis und Beurteilung des Geheimnisses müssen wir aber auch noch auf die mit der Gemeinde zu Philadelphia parallellaufende Gemeinde zu Laodicea achten. Für die Vollendung dieses Geheim­nisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter hat die Gemeinde zu Laodicea noch ihre besondere Bedeutung; und deshalb mußte der Apostel Johannes die sie­bente und letzte Botschaft, die er von dem Menschensohn bekommen hat, dem Engel der Gemeinde zu Laodicea übermitteln. Der Bericht darüber lautet:

„Und dem Engel der Gemeinde zu Laodicea schreibe.“ (Offb.3,14)

Die Tatsache, daß Johannes die siebente Botschaft an den Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea richten mußte, läßt darauf schließen, daß auch bei dieser Gemeinde die persönliche Stellung dieses siebenten Gemeindeengels

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für die Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn noch eine bestimmte Bedeutung hat. Seine Stellung dient aber nicht mehr dem Zweck der Förderung, d.h. der Aufwärtsbewegung zur Vollendung dieses Geheimnisses, das durch die gute Stellung des sechsten Gemeindeengels in Erfüllung geht. Die Stellung dieses letzten Gemeindevorstehers ist nur noch ein Hindernis für die Vollendung des Geheimnisses der sieben Engel und der sieben Gemeinden. Das wird in den Ausführungen über die Art der Offenbarung des Menschensohnes und über die Stellung des Engels der Gemeinde zu Laodicea näher erklärt werden.

Die Namensbezeichnung „Laodicea“ heißt zu deutsch „Völkergericht“. Wie bei den ersten sechs Gemeinden muß auch diese Namensbezeichnung als eine Offenbarung des göttlichen Willens für das Geheimnis vom Kommen des Herrn betrachtet werden. Die Bezeichnung „Völkergericht“ offenbart den geistigen Boden, auf dem sich der Engel der Gemeinde zu Laodicea zu einem Hindernis für die Vollendung des Geheim­nisses vom Kommen des Herrn in der Gemeinde zu Philadelphia ausgestaltet.

Der Hinweis des Menschensohnes auf das Völkergericht erklärt, was sich in Ver­bindung mit der Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn, die in der Gemeinde zu Philadelphia erfolgt, auf dem Boden der Gemeinde auswirken muß. Es muß eine Andeutung des Gerichtes sein, das sich abschließend an dem Teil der christlichen Gemeinde auswirkt, der die Liebe zur Wahrheit nicht annimmt, wie sie zur Vollendung des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter in der Gemeinde zu Philadelphia vom Herrn dargereicht wird, sondern Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit hat. Diese Bezeichnung „Völkergericht“ ist deshalb auch ein Hinweis darauf, warum die Gemeinde zu Laodicea der Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn nicht nur nicht dienen kann, sondern sogar das allergrößte Hin­dernis dafür ist. Die folgenden Ausführungen über die Stellung des siebenten Gemeindeengels werden dies klar erkennen lassen.

Der Sinn der Bezeichnung „Völkergericht“ für die Gemeinde zu Laodicea wird in recht klarer Weise im Gleichnis des Herrn dargestellt. Im Anschluß an das Himmel­reichsgleichnis von dem Kaufmann, der schöne Perlen suchte und der dann eine köst­liche Perle fand, lehrte Jesus in seinem siebenten Gleichnis vom Himmelreich:

„Wiederum ist das Himmelreich gleich einem Netz, das ins Meer geworfen ward und Fische von allerlei Gattung zusammenbrachte. Als es nun voll geworden, zogen sie es an das Gestade, setzten sich und sammelten die guten in Gefäße, die faulen aber warfen

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sie weg. Also wird es am Ende der Weltzeit sein. Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden und sie in den Feuerofen werfen. Daselbst wird das Heulen und Zähneknirschen sein.“ (Matth.13,47-50)

Auf die tiefere Bedeutung, die dieses Gleichnis in Verbindung mit dem Send­schreiben an die Gemeinde zu Laodicea hat, weisen wir später in den weiteren Aus­führungen noch besonders hin. Die Zitierung dieses Gleichnisses an diesem Platz soll nur der Bestätigung des Sinnes der Bezeichnung „Völkergericht“ dienen.

 

2. Der Herr offenbart sich dem Engel der Gemeinde zu Laodicea vom Boden des Allerheiligsten aus

 

a) Die Offenbarung des  Herrn für den Engel der Gemeinde zu Laodicea ist eine neue Offenbarung über das Geheimnis vom Kommen des Herrn

Der Bericht des Menschensohnes an den Engel der Gemeinde zu Laodicea beginnt mit den Worten:

„Das sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes.“ (Offb.3,14)

In diesen Worten ist für den Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea die erste Offenba­rung des Herrn enthalten. Die Offenbarung des Herrn als der „Amen“, als der „treue und wahrhaftige Zeuge“ und als „der Anfang der Schöpfung Gottes“ ist eine neue Art der Offenbarung des Herrn, und zwar deshalb, weil sie in der Erscheinung des Men­schensohnes, wie sie Johannes geschaut hat, nicht enthalten ist. Dieser Umstand läßt auf die Wichtigkeit des siebenten Sendschreibens schließen. Daß sich der Herr für den Engel der siebenten Gemeinde auf solche Weise offenbart, ist in der Stellung begründet, die dieser Lehrer der Gemeinde zu Laodicea zum Heils- und Erlösungsrat­schluß Gottes und zu dem Geheimnis vom Kommen des Herrn einnimmt.

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b) Die Bedeutung der Offenbarung des Herrn  als der „Amen“ 

Um die Bedeutung der Offenbarung des Herrn für den Engel der Gemeinde zu Laodicea recht verstehen zu können, achten wir als erstes darauf, was es bedeutet, daß er sich diesem letzten Gemeindevorsteher als der „Amen“ offenbart.

Es ist an dieser Stelle das einzige Mal, daß Jesus Christus in der Heiligen Schrift als der „Amen“ bezeichnet ist, bzw. er sich selbst so nennt. Das einzige Wort Gottes, das dem Sinn dieser Bezeichnung „der Amen“ am nächsten kommt, ist von Paulus im zweiten Brief an die Korinther geschrieben, es lautet:

„So viele Gottesverheißungen es gibt, in ihm ist das Ja und durch ihn das Amen, Gott zur Verherrlichung durch uns!“ (2.Kor.1,20)

Der Sinn dieser Worte ist nach dem Zusammenhang, in dem sie stehen, der folgende: Das „Ja“, das in Christo Jesu ist, weist auf die unwandelbare Wahrheit hin, die als die Gottesgerechtigkeit in ihm zustande gekommen und im Allerheiligsten vollendet dar­gestellt ist. Das „Amen“, das in ihm und durch ihn ist und durch welches Gott verherr­licht wird, weist darauf hin, daß in ihm alle Verheißungen Gottes auf dem Boden des Allerheiligsten erfüllt sind. Über das hinaus, wie Gott seinen Willen und Heilsratschluß als seine Gerechtigkeit in seinem Sohne Jesu Christo als die Wahrheit des Allerheilig­sten offenbart hat, gibt es nichts Neues mehr. Das sagen auch die Worte Jesu am Kreuz:

„Es ist vollbracht!“ (Joh.19,30)

Wie immer Gott seinen Willen von Anfang der Menschheit an kundgetan, und was immer er für Verheißungen gegeben hat, - in der Person seines Sohnes hat in der Ordnung des Allerheiligsten alles seine Erfüllung gefunden. Er ist der letzte Adam (1.Kor.15,45). In ihm und durch ihn ist die von Gott um der Sünde willen verfluchte ada­mitische Schöpfungsordnung aufgehoben worden und in der Auferstehung seines Lei­bes von den Toten eine neue Schöpfung, eine neue Kreatur zustande gekommen. Auf diese Weise stellt Jesus den erfüllten Heils- und Erlösungsratschluß Gottes im Aller­heiligsten dar.

Die Darstellung von Paulus, daß in Jesu alle Gottesverheißungen Ja und Amen sind, ist eine Erklärung dafür, was es bedeutet, daß Jesus sich im letzten Sendschrei­ben als der „Amen“ bezeichnet. Daß sich der Herr

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gerade dieser Gemeinde gegenüber als der „Amen“ bezeichnet, weist in erster Linie darauf hin, daß er diesem Engel damit sagen will, daß mit der Gemeinde, der er vor­steht, die Entwicklungszeit der Gemeinde als die Ordnung der sieben Gemeinden in der erlangten Stellung des Allerheiligsten abgeschlossen ist. Folglich bedeutet das „Amen“ auch, daß mit der siebenten Gemeinde die Ausgestaltung des Geheimnisses der sieben Engel und der sieben Gemeinden als das Geheimnis vom Kommen des Herrn abgeschlossen ist. Als „Amen“ bezeichnet sich der Herr diesem letzten Gemeindevorsteher gegenüber deshalb, weil die Entwicklung und Ausgestaltung die­ses Geheimnisses in der Aufwärtsbewegung, ohne das Hindernis in der siebenten Gemeinde, schon in dem beendet ist, wie er sich in der Gemeinde zu Philadelphia in der Ordnung des Allerheiligsten offenbart hat und wie der Lehrer dieser Gemeinde zu dieser Offenbarung des Allerheiligsten seine Stellung einnimmt. Über das hinaus, wie sich Jesus in der sechsten Gemeinde als der „Heilige und Wahrhaftige“ vom Boden des Allerheiligsten aus mit dem Schlüssel Davids offenbart, gibt es auf dem Boden der sieben Gemeinden keine vollkommenere Offenbarung des Herrn mehr. Denn diese Offenbarung ist, wie wir in der Betrachtung des sechsten Sendschreibens kennenge­lernt haben, die Offenbarung der Vollkommenheit auf dem Boden des Allerheiligsten. Es ist die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes, die als die Fülle der Gottheit in Chri­sto leibhaftig wohnt und in der auch die Kinder Gottes erfüllt sind (Kol.2,9). Darüber hinaus braucht die Gemeinde vom Herrn nichts Höheres mehr zu erwarten; und zu dem, was der Engel der Gemeinde zu Philadelphia in dieser vollendeten Gerechtig­keitsfülle für Gott und die Gemeinde zu Philadelphia darstellt, braucht vom Engel der Gemeinde zu Laodicea auch nichts mehr hinzugetan zu werden.

Als der „Amen“ ist der Herr das Ende seiner Offenbarung nicht für den Engel der Gemeinde zu Philadelphia, sondern für den Engel der Gemeinde zu Laodicea. Zu die­ser letztgenannten „Amen“-Offenbarung kommt keine neue mehr hinzu. Es gibt keine Fortsetzung mehr, wie es bis dahin für die Engel der ersten sechs Gemeinden der Fall war. Das Amen schließt ab; es stellt nichts Neues in Aussicht; es enthält keine Hoff­nung mehr. Wenn der „Amen“ auf den Plan tritt, dann ist das Ende für das Zustande­kommen des Allerheiligsten da. Darum bedeutet das, wenn sich der Herr als der „Amen“ offenbart, daß schon vorher die Ordnung für das Bereitsein bei der Wieder­kunft des Herrn und die Wahrheit des Allerheiligsten erkannt und die rechte Stellung dazu eingenommen

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worden ist. Es ist die bereits erkannte Vollendung der Heilsordnung des Allerheilig­sten, die einzig nur für die Erfüllung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn in Betracht kommt.

Daß sich der Herr in dieser siebenten und letzten Gemeinde als der „Amen“ bezeichnet, hat noch einen anderen Sinn. Mit dem Ende der Gemeindeentwicklung, d.i. mit dem Abschluß der Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn, ist auch die Zeit des abschließenden Gerichtes gekommen, das der Herr über die bringt, die sich in der Gemeinde gegen die Ausgestaltung der Wahrheit des Allerhei­ligsten stellen. Als der „Amen“ gebietet der Herr zu der Zeit, wenn die Gemeinde zu Laodicea vorhanden ist, der weiteren Ausgestaltung des Bösen, das gegen das Aller­heiligste gerichtet ist, in der Gemeinde Halt. Das Böse als Lüge erreicht in der Stel­lung des Vorstehers der Gemeinde zu Laodicea seine vollendete Ausgestaltung. Auf diese Tatsache wird in den folgenden Erklärungen noch ausführlicher hingewiesen. Wenn die Ausgestaltung des Bösen das in der Stellung des siebenten Gemeindeen­gels gezeigte Ausmaß erreicht hat, dann folgt nur noch das abschließende Gericht als die Zeit der Ernte. Darüber hat Jesus geweissagt:

„Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bün­del, daß man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!“ (Matth.13,30)

Wenn diese Erntezeit nach dem Ratschluß Gottes gekommen ist, dann gibt es für das Böse, das das Zustandekommen des Allerheiligsten verhindern will, in der Gemeinde keine Entwicklungszeit mehr. Dann hält der Herr der Ernte Gericht. Er tut das in der Weise, daß die Schnitter, das sind die Engel als die Diener des Herrn, zuerst die Bösen, die das Zustandekommen des Allerheiligsten vereiteln wollen, in Bündel bin­den und sie dem Feuergericht übergeben. Darauf weist der Herr auch in seinem sie­benten und letzten Himmelreichsgleichnis hin, in dem er erklärt, wie am Ende der Gemeindezeit ein Netz ausgeworfen wird und die Bösen, das sind die ungerechten Kinder Gottes, die das Allerheiligste nicht darstellen, von den Gerechten, die das Allerheiligste darstellen, geschieden werden, indem die Bösen in den Feuerofen des zweiten Todes geworfen werden, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird (Matth.13,47-50). Auch in diesem Sinn ist der Herr für den Engel der Gemeinde zu Lao­dicea der „Amen“, was

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besonders daran erkannt werden kann, daß er ihm sagt, daß er ihn aus seinem Munde ausspeit.

Wenn sich der Herr dem letzten der sieben Gemeindeengel in dem nun genannten Sinn offenbart, dann muß diese Offenbarung auch der Stellung entsprechen, die die­ser Lehrer zu ihm hat. Die Stellung dieses Engels bezeugt der Herr mit den Worten:

„Weil du lau bist und weder kalt noch warm …“

„Du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß und bedarf nichts!“ (Offb.3,16-17)

Das Zeugnis, das der Herr über die Stellung dieses Gemeindeengels ablegt, hat den Sinn, daß dieser Vorsteher in seiner Stellung  - die er irrtümlich meint als treue Stel­lung zu dem Allerheiligsten zu haben -  glaubt, selbst der „Amen“ zu sein und das „Amen“ darzustellen. Das heißt mit andern Worten: Dieser Engel meint, daß er in sei­ner Lehre über das Wort Gottes und in seiner Stellung zum Wort Gottes endlich der Mann Gottes in der Gemeinde sei, der die Bereitschaftsstellung für die Wiederkunft des Herrn habe. Er glaubt, der beste und darum auch der einzige Knecht Gottes zu sein, an dem der Herr sein Wohlgefallen hat. Darum ist er auch der Ansicht, daß er die Leibesrettung bei der Wiederkunft des Herrn erfahren würde und er so die endli­che Erfüllung und Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn im Allerhei­ligsten darstellt.

 

c) Die Bedeutung der Offenbarung des Herrn als der „treue und wahrhaftige Zeuge“

An zweiter Stelle offenbart sich der Herr dem Engel der Gemeinde zu Laodicea als der „treue und wahrhaftige Zeuge“. Diese Art der Offenbarung des Herrn entspricht dem Sinn nach dem, was er als der „Amen“ bedeutet. Der „treue und wahrhaftige Zeuge“ ist der Herr in dem, was er als der „Amen“ für den Engel der siebenten Gemeinde darstellt. Wenn sich der Herr an diesem Platz so offenbart, dann muß das wieder der Stellung entsprechen, die der Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea zu ihm, als dem Träger des Allerheiligsten, einnimmt. Mit dem Selbstzeugnis, das dieser Vorsteher über seine Stellung ablegt:

„Ich bin reich und habe Überfluß und bedarf nichts!“ (Offb.3,17),

will der Lehrer der siebenten Gemeinde sagen, daß er der treue und wahrhaftige Zeuge für die Wahrheit des Evangeliums von der Gerechtigkeit Gottes in der Ordnung des Allerheiligsten und in der Gemeinde

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sei. Doch ist es nicht so. Der treue und wahrhaftige Zeuge ist nur der Herr, und zwar in dem, was er zu dieser Zeit auch als der „Amen“ darstellt. Er ist es darin, daß er sich dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia als der Heilige und Wahrhaftige offenbart, der den Schlüssel Davids hat. Indem er diesem Gemeindevorsteher mit diesem Davids-Schlüssel die Wahrheitstür der Gottesgerechtigkeit öffnet, ist das im wahren Sinne des Wortes der treue und wahrhaftige Zeugendienst für das Zustandekommen des Allerheiligsten. Und weil der Vorsteher der Gemeinde zu Philadelphia das Zeugnis des Heiligen und Wahrhaftigen bewahrt, darum ist er von Jesu als der „treue und kluge Knecht“ bezeichnet, den er über sein Gesinde, die Gemeinde, setzt, damit er ihr die Speise der Gerechtigkeit Gottes gebe, um dadurch in die Bereitschaftsstellung für die Wiederkunft des Herrn und in die rechte Stellung zum Allerheiligsten zu gelangen. Diesen treuen Knecht setzt dann der Herr über alle seine Heilsgüter, daß er sie treu verwalte und der Vermittler derselben für das Zustandekommen des Allerheiligsten in der Gemeinde werde. In diesem Lichte gesehen, ist dann der Herr durch die Person des Engels der Gemeinde zu Philadelphia der treue und wahrhaftige Zeuge, den die etlichen aus der Synagoge des Satans als den anerkennen müssen, den der Herr geliebt hat. In der Vollendung der ganzen Fülle der Gerechtigkeit Gottes ist der Herr der treue und wahrhaftige Zeuge für die dem David verheißene Kronenstellung im ewigen Reiche Gottes und für die Tempelstellung, den der Herr in seiner Gemeinde zustande bringen will, um bei seiner Wiederkunft den Tempel, das sind die Heiligen, die das Allerheiligste darstellen, mit seiner Herrlichkeit zu erfüllen. Das bedeutet, daß der Herr in der Hohenpriesterstellung seines vollendeten Herrlichkeitsleibes allein der treue und wahrhaftige Zeuge für die Rettung des Leibes im Sieg des Lebens über den letzten Feind, den Tod, ist. Als Hoherpriester zur Rechten Gottes ist Jesus dadurch der treue und wahrhaftige Zeuge, daß er das Werk, das er für alle Menschen, in erster Linie aber für seine Gemeinde, vollbracht hat, dem satanischen Verklagen gegenüber Tag und Nacht vor Gott darstellt. Das, was er zur Rechten Gottes in seiner Vollkom­menheit, d.i. in der Fülle unauflöslichen Lebens darstellt, ist das alleinige wahre Zeug­nis von dem Allerheiligsten für Gott, für die Menschen und für die Engel. In dieser Zeugenstellung ist der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks als Vorbild von dem Hohenpriester im Allerheiligsten unwandelbar. Es kommt darin seine große Treue zum Ausdruck, die er so lange beweist, wie der Verkläger die Brüder auf dem Boden des Heiligen, das ist die Hütte vor dem Vorhang, Tag und Nacht vor Gott verklagt, bis er im Himmel besiegt, gestürzt

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und auf die Erde geworfen wird (Offb.12,9-10). Dieser treue und wahrhaftige Zeuge kann darum der Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea in der vorderen Hütte, dem Hei­ligen, in der Gemeinde und für sie nicht sein, obwohl er es gern sein möchte.

Der Herr beweist sich aber nicht nur in seiner Hohenpriesterstellung als treuer und wahrhaftiger Zeuge für das Allerheiligste, sondern auch dadurch, daß er sich nach seiner Verheißung als der Geist der Wahrheit in seinen Jüngern offenbart. Er läßt sie nicht als Waisen zurück, sondern kommt in der Gestalt des Geistes der Wahrheit wie­der zu ihnen und wird bei ihnen und in ihnen sein in Ewigkeit (Joh.14,15-18). Diese Ver­heißung hat sich an den ersten Jüngern Jesu erfüllt. Der Geist der Wahrheit hat sie in alle Wahrheit geleitet, indem er von dem nahm und ihnen gegeben hat, was Jesus in seinem unauflöslichen Leben in seinem Herrlichkeitsleib als die Ordnung des Allerhei­ligsten darstellt. Darüber hat Jesus seinen Jüngern gesagt:

„Wann aber der Beistand kommen wird, welchen ich euch senden werde von meinem Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir.“ (Joh.15,26)

„Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen; wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbe wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt, daß er von dem Meinen nehmen und euch verkündigen werde.“ (Joh.16,12-15)

Weil Jesus sich seinen Jüngern auf diese Weise als treuer und wahrhaftiger Zeuge für die Ordnung des Allerheiligsten geoffenbart hat, darum können auch sie nun treue und wahrhaftige Zeugen dessen sein, was er selbst darstellt, nämlich das Allerheilig­ste. Das sagen die Worte:

„Auch ihr sollt zeugen (von mir), weil ihr von Anfang bei mir gewesen seid.“ (Joh.15,27)

„Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch kommt und werdet mir Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“ (Apg.1,8)

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„ … einer von diesen muß Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden.“ (Apg.1,22)

Durch den treuen Zeugendienst, den Jesus als Geist der Wahrheit von Anfang der Gemeindezeit in der Gemeinde ausgerichtet hat, wurde den Aposteln die ganze Fülle der Gottesgerechtigkeit als die Ordnung des Allerheiligsten verkündigt, wie sie in der Kraft unauflöslichen Lebens in dem aus den Toten auferstandenen Leib Jesu Christi zur Rechten Gottes dargestellt ist. Dadurch wurde in der Gemeinde und für die Gemeinde der Grund gelegt, von dem Jesus Christus selber der Eckstein ist, in wel­chem der ganze Bau zusammengefügt wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in welchem die Kinder Gottes miterbaut werden zu einer Behausung Gottes im Geiste (Eph.2,19-22). An diesem Zeugendienst des Treuen und Wahrhaftigen, wie ihn die Gemeinde brauchte, um zum heiligen Tempel im Herrn, d.i. zur Behausung Gottes im Geiste auf dem Boden des Allerheiligsten heranzuwachsen, fehlt nichts. Darum waren die Apostel dann auch in der Lage, infolge dieser empfangenen Zeugenausrüstung auch so treue Zeugen für die Gemeinde zu sein, daß sie in der Gemeinde den Grund legen konnten, auf dem die Erbauung des Allerheiligsten erfolgen kann. Deshalb hat Paulus den Ältesten von Ephesus sagen können:

„Ich habe nichts zurückbehalten, daß ich euch nicht den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt hätte.“ (Apg.20,27)

Paulus konnte der Gemeinde nur deshalb den ganzen Ratschluß Gottes verkündigen, weil ihm Jesus seinen treuen Zeugendienst als der Geist der Wahrheit erwiesen hatte. Auf der Grundlage dieses Zeugendienstes konnte die Gemeinde die Bereitschaft für die Wiederkunft des Herrn und die Stellung im Allerheiligsten erlangen. Dazu war kein ergänzender Zeugendienst mehr nötig. Paulus erklärt darüber:

„Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt.“ (1.Kor.3,10)

„Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1.Kor.3,11)

Doch von der Zeit an, als die Gemeinde der von Jesu und den Aposteln gelegten Grundlage des Allerheiligsten gegenüber nicht mehr ganz gehorsam war, muß der Herr seinen Zeugendienst wieder auf eine andere Art und Weise ausrichten. Er tut dies auf dem Boden der sieben Engel der sieben Gemeinden und der sieben Gemein­den, von denen die

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sieben Sendschreiben berichten. Als Haupt der Gemeinde hat er die sieben Lehrer der sieben Gemeinden in seiner rechten Hand und wandelt unter den sieben goldenen Leuchtern. In der Zeit dieser sieben Gemeinden ist der Herr der treue und wahrhaftige Zeuge durch die sieben Geister Gottes, die er hat und die ihm als seine Diener zur Verfügung stehen. Dieser Zeugendienst ist eine Ergänzung des Zeugendienstes, den er als Hoherpriester zur Rechten Gottes für Gott ausrichtet und als Geist der Wahrheit am Anfang der Gemeindezeit für die Gemeinde zu dem Zweck ausgerichtet hat, damit das Allerheiligste zustande kommen sollte.

Als treuer und wahrhaftiger Zeuge macht der Herr in der Zeit der sieben Gemein­den offenbar, was von Seiten der sieben Gemeindeengel und der sieben Gemeinden eine treue Stellung zu dem Allerheiligsten und was eine unvollkommene und falsche Stellung zu ihm im Allerheiligsten ist. Sein Zeugnis, das er über die Stellung der ein­zelnen Gemeindeengel und Gemeinden nach der Seite des Heiligen und des Allerhei­ligsten ablegt, ist das rechte. Er legt kein falsches Zeugnis ab, sondern beurteilt die Stellung der Gemeindeengel ihrem wahren Wesen nach. Deshalb stimmt auch das Zeugnis, das der Herr über die Stellung des Engels der Gemeinde zu Laodicea ablegt, wenn er ihm sagt, daß er weder kalt noch warm ist und sich eine Stellung in der Voll­kommenheit des Allerheiligsten anmaßt, die er nicht hat, sondern elend, jämmerlich, arm, blind und bloß ist. Aber auch über die Stellung des Engels der Gemeinde zu Philadelphia legt der Herr ein rechtes Zeugnis ab, wenn er ihm sagt, daß er eine kleine Kraft hat, sein Wort bewahrt, seinen Namen nicht verleugnet, das Wort seiner Geduld bewahrt und er ihn deshalb geliebt hat. In diesem Lichte beurteilt, will der Herr dem Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea sagen, daß er als der Herr der rechte Zeuge ist zwischen der Stellung des sechsten und siebenten Gemeindeengels auf dem Boden des Heiligen und des Allerheiligsten. Dagegen ist der Lehrer der sieben­ten Gemeinde ein untreuer und falscher Zeuge, und zwar deshalb, weil er seine eigene Stellung zum Allerheiligsten ganz falsch einschätzt und beurteilt; er täuscht und betrügt sich selbst. Er maßt sich die Stellung zum Allerheiligsten an, in der nach dem Zeugnis des Heiligen und Wahrhaftigen das Geheimnis vom Kommen des Herrn durch den Vorsteher der Gemeinde zu Philadelphia erfüllt wird. Weil er das tut und zur gleichen Zeit lebt, in der der Engel der sechsten Gemeinde lebt, muß er die Stellung dieses treuen Vorstehers als falsche Stellung zum Allerheiligsten bezeichnen und beurteilen. Es steht dem Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea aber nicht zu, seine eigene Stellung und die Stellung des Engels der Gemeinde zu Philadelphia zu beur­teilen. Denn sein Urteil muß darum

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falsch sein, weil er nicht im rechten Verhältnis zum Herrn als zu dem ist, der der Hei­lige und Wahrhaftige im Allerheiligsten ist. Dieser letzte Gemeindeengel steht unter der Leitung eines falschen Geistes. Er hat darum eine andere Stellung als die Engel der ersten sechs Gemeinden. In seinem Selbstzeugnis ist er der einzige Engel, der sich auf den Boden des Allerheiligsten stellt. Weil aber sein Zeugnis falsch ist, des­halb kann es nur von einem falschen Geist, aus dem Geist des Irrtums stammen. Die Engel der ersten fünf Gemeinden waren von der Zeit an, als der Engel der Gemeinde zu Ephesus seine erste Liebe verlassen hatte, auch nicht mehr auf dem Boden des Allerheiligsten, sondern nur noch auf dem Boden des Heiligen. Aber sie haben in die­ser Stellung doch nicht so bewiesen wie der Engel der siebenten Gemeinde, daß sie einen falschen Geist, einen Irrgeist hatten. Sie haben nicht, wie das der Engel der letzten Gemeinde tut, das Heilige mit dem Allerheiligsten im Selbstzeugnis vertauscht. Weil der Lehrer der siebenten Gemeinde ein solches Zeugnis ablegt, beweist er dadurch, daß er der einzige von den sieben Engeln, die der Herr in seiner Hand hat, ist, der es klar bezeugt, daß er den Geist des Irrtums hat. In diesem Geist des Irrtums verwechselt er das Heilige mit dem Allerheiligsten. Obwohl er nur auf dem Boden des Heiligen und des Vorhofs ist, gibt er doch aus, in der rechten Stellung zum Allerheilig­sten zu stehen und in der Gemeinde der Lehrer von der Ordnung des Allerheiligsten zu sein. Auf diese falsche Stellung will ihn der Herr aufmerksam machen, indem er sich ihm als der treue und wahrhaftige Zeuge von dem Boden des Allerheiligsten aus offenbart. Als solcher muß er dem Engel seine falsche Stellung, die er zum Allerhei­ligsten hat, vor Augen halten. Unter dieser falschen Geistesleitung kann das Urteil, das dieser Mann über seine persönliche Stellung zum Allerheiligsten ablegt, nur ein Fehlurteil, ein Lügenurteil sein. Satan muß sich in ihm als ein Engel des Lichtes ver­kleiden, und dadurch wird er ein falscher Diener der Gerechtigkeit. Darum maßt sich dieser Gemeindevorsteher an, in dem, was er in seiner Person darstellt, ein treuer und wahrhaftiger Zeuge, der Träger der Wahrheit der Gottesgerechtigkeit für das Allerhei­ligste zu sein. Das alles erklärt, warum der Herr sich diesem letzten Gemeindevorste­her als der „treue und wahrhaftige Zeuge“ offenbart.  

d) Die Bedeutung der Offenbarung des Herrn als der „Anfang der Schöpfung Gottes“

Der Herr offenbart sich dem Engel der Gemeinde zu Laodicea nicht nur als der „Amen“ und als der „treue und wahrhaftige Zeuge“, sondern

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auch noch als der „Anfang der Schöpfung Gottes“. So wie bei den beiden ersten Offenbarungsarten muß auch diese letzte Offenbarung der Stellung entsprechen, die dieser siebente Gemeindevorsteher zum Herrn und zur Gemeinde hat.

Um verstehen zu können, warum sich der Herr für diesen letzten Gemeindeengel in dieser Weise offenbart, achten wir zuerst darauf, was der Herr als der „Anfang der Schöpfung Gottes“ bedeutet. Der Apostel Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht Eins entstanden, was entstanden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Fin­sternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.“ (Joh.1,1-5)

Und der Apostel Paulus schreibt:

„In ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften, oder Für­stentümer, oder Gewalten; alles ist durch ihn und zu ihm geschaffen; und er ist vor allem, und alles besteht in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, er, der da ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der erste sei. Denn es gefiel (Gott), daß in ihm alle Fülle wohnen sollte, und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst, damit daß er zum Frieden brächte durch das Blut seines Kreuzes, - durch sich selbst, sowohl was auf Erden, als auch was im Himmel ist.“ (Kol.1,16-20)

In diesen Worten ist darauf hingewiesen, was Jesus Christus als der Anfang der Schöpfung Gottes darstellt. Der Herr ist das aus dem Schoße des Vaters hervorge­gangene Wort Gottes. In diesem Wort ist die ganze Schöpfung Gottes begründet, das, was im Himmel ist, - das ist die Engelwelt als das Unsichtbare -  und das, was auf Erden ist, - das ist die Menschenschöpfung als das Sichtbare. Darum wurde durch dieses Schöpferwort auch alles erschaffen, die unsichtbare Engelwelt als der Himmel und die sichtbare Menschheitsschöpfung als die Erde. Weil dieses Schöpferwort bei Gott war und von ihm gesagt ist, daß es Gott war, darum trägt es auch das Wesen Gottes, das ewige Leben als die Herrlichkeit Gottes. Das wird damit bestätigt, daß geschrieben steht:

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„In ihm war Leben.“ (Joh.1,4)

„Verherrliche mich, du, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ (Joh.17,5)

„Ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind.“ (Joh.17,22)

„Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet vor Grundlegung der Welt!“ (Joh.17,24)

„Er, der sich in Gottes Gestalt befand, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein.“ (Phil.2,6)

Der Träger dieser Herrlichkeit Gottes und des ewigen Lebens war Jesus Christus als das Schöpferwort schon vor Grundlegung der Welt. Darum bezeugt Johannes der Täufer von ihm:

„Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war früher als ich.“ (Joh.1,15)

„Das ist derjenige, welcher nach mir kommt, der doch vor mir gewesen ist, dem ich nicht wert bin, den Schuhriemen aufzulösen.“ (Joh.1,27)

„Das ist der, von welchem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist; denn er war früher als ich. Und ich kannte ihn nicht.“ (Joh.1,30-31.33)

Dieses Wort kam ins Fleisch und wohnte unter den Menschen (Joh.1,14). Es hat sich selbst entäußert und nahm die Gestalt eines Knechtes an, indem es in Menschenge­stalt geboren und von Ansehen wie ein Mensch erfunden wurde, sich selbst ernied­rigte (Phil.2,7-8). Weil das Schöpferwort das Licht ist und als solches das Leben der Menschen und das Wort Fleisch wurde, darum ist dadurch das wahrhaftige Licht, das jeden Menschen erleuchten sollte, in die Welt gekommen. Es war in der Welt, die Welt ist durch dieses Wort geworden. Aber die Welt erkannte es nicht. Es kam in der Gestalt des Sohnes Gottes in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen es nicht auf (Joh.1,7-11). Durch diese Fleischwerdung des Wortes hat der eingeborene Sohn Got­tes, der in dem Schoß des Vaters war, Kunde von Gott gebracht (Joh.1,18).

„Denn niemand hat den Vater gesehen; nur der von Gott ist, der hat den Vater gesehen.“ (Joh.6,46)

Durch das Kommen des Wortes ins Fleisch der Menschen als Sohn Gottes, sein Ster­ben am Kreuz, ist er für die Menschen zur Sünde geworden (2.Kor.5,21)

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und durch die Auferweckung seines Leibes aus den Toten stellt er für sie die Gerech­tigkeit Gottes dar (Röm.4,25).

In diesem Lichte gesehen, ist Jesus Christus in erster Linie dadurch der „Anfang der Schöpfung Gottes“, weil er als das Schöpferwort und als Träger der Herrlichkeit Gottes durch den Vorgang göttlicher Zeugung aus dem Schoße des Vaters hervorge­gangen ist und in ihm und durch ihn alles erschaffen worden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, das, was im Himmel und was auf Erden ist. Während der Zeit seines Erdenwandels bis zur Auferstehung aus den Toten hat sich Jesus der Herrlichkeit Gottes entäußert. In dieser Zeit war er nicht der Träger der Herrlichkeit Gottes, als des ewigen Lebens, sondern der Träger der Knechtsgestalt der Menschen, die der Sterb­lichkeit und Verweslichkeit unterworfen ist. Doch schon während seines Erdenwandels betete er zu seinem himmlischen Vater:

„Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit auch der Sohn dich verherrliche!“ (Joh.17,1)

„Ich habe dich verherrlicht auf Erden, das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte. Und nun verherrliche mich, du, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ (Joh.17,4-5)

Dazu berichtet der Apostel ergänzend:

„Er hat in den Tagen seines Fleisches Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht dem, der ihn vom Tode erretten konnte, und ist auch erhört worden wegen seiner Gottesfurcht.“ (Hebr.5,7)

Diese Zeugnisse erklären, daß Jesus als Menschensohn wieder nach der Herrlichkeit Gottes, als dem ewigen Leben, verlangte, wie er die Herrlichkeit in seiner Gott-Gleichheit vor seiner Menschwerdung darstellte. Er verlangte also wieder nach dem Zustand bzw. nach der Stellung, die er als der „Anfang der Schöpfung Gottes“ vor sei­nem Kommen ins Fleisch der Menschen bei Gott hatte. Jesus ist von seinem himmli­schen Vater dadurch erhört worden, daß Gott seinen gestorbenen Leib, ehe er die Verwesung gesehen hat, aus den Toten auferweckte und zu seiner Rechten erhöht hat. Durch diese Erfahrung ist Jesus der „Anfang“, der „Erstgeborene aus den Toten“, der „Erstgeborene unter vielen Brüdern“ und der „Erstgeborene aller Kreatur“. In die­ser Stellung als Erstgeborener aus den Toten ist der Sohn Gottes das Haupt des Lei­bes, der Gemeinde. Das wiederum bedeutet, daß er vor allem ist und in allem der Erste.

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Paulus erklärt, daß Jesus als der Erstgeborene aus den Toten das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur (Röm.8,29; Kol.1,15.18).

Diese Zeugnisse zeigen klar, was Jesus als „Anfang der Schöpfung Gottes“ dar­stellt. So wie er als das aus dem Schoße des Vaters hervorgegangene Schöpferwort das Ebenbild Gottes im Zustand der Herrlichkeit, das ewige Leben und den „Anfang“ der Schöpfung gegenüber darstellt, die Gott durch das Wort geschaffen hat, stellt Jesus den gleichen Anfang auch dadurch wieder dar, daß Gott seinen Leib unsterblich und unverweslich aus den Toten auferweckt hat. In dieser erlangten Herrlichkeit ist Jesus das Haupt, d.h. der Anfang der neuen Kreatur, der neuen Schöpfung. Dieser Anfang als Schöpfung Gottes unterscheidet sich von der sichtbaren, vergänglichen Menschheitsschöpfung dadurch, daß er das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens, der alles trägt mit dem Worte seiner Kraft (Hebr.1,3). In diesem Anfang der Schöpfung Gottes kommt die völ­lige Lebensverbindung und -gemeinschaft mit dem lebendigen Gott zur Darstellung. Es ist der Zustand, von dem Paulus in Röm.6 schreibt:

„Wir wissen, daß Christus, von den Toten erweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn; denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, auf einmal; was er aber lebt, das lebet er Gott.“ (Röm.6,9-10)

Darum ist es nach Kol.1,13 auch der Zustand, daß der Leib Jesu als Menschen­sohn errettet ist aus der Gewalt der Finsternis, d.i. aus der Gewalt des Einflusses des Herrschers über die Erde, des gefallenen Engelfürsten, des Teufels; und er ist ver­setzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Diese Sohnesstellung als die Wesensart des ewigen Lebens, stellt die sichtbare Menschheitsschöpfung nicht dar, sie stellt nur die Ordnung des Todes, der Verwesung und der Auflösung, des Scheinlebens dar. In dieser natürlichen, vergänglichen Schöpfung kommt nicht die Lebensverbindung und -gemeinschaft mit Gott zur Darstellung; sie ist das Abbild der von Gott und seiner Wahrheit abgefallenen Engelschöpfung, die sich von dem Schöpferwort lossagte.

Haben wir in diesem Sinn die Bedeutung des Herrn als Anfang der Schöpfung erkannt, dann ist es um des besseren Zusammenhanges willen wichtig, auch kennen­zulernen, wie er diesen Anfangszustand erlangt hat. Als das durch göttliche Zeugung aus dem Schoße des Vaters hervorgegangene Wort blieb dieses Wort im Vater, das heißt, es anerkannte

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allezeit dieses Verhältnis, in dem es als das vom Vater gezeugte Wort zum Vater stand. Das Wort machte sich nicht selbständig in dem Sinn, daß es erklärte, aus sich selbst hervorgegangen zu sein und in sich selbst zu bestehen, ohne seinen Vater, wie das der von Gott über die Engelschöpfung gesetzte Engelfürst, der Teufel, tat. Jesus lehrt von seinem Abfall:

„(Er) ist nicht bestanden in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.“(Joh.8,44)

Diese vorhin erwähnte Abhängigkeitsstellung hat Jesus auch zu der Zeit eingenom­men, als er von seinem Vater in das Fleisch gezeugt war und als Menschensohn auf der Erde wandelte. Er hat seines Vaters Gebote gehalten und ist in seiner Liebe geblieben (Joh.15,10), er ist im Vater geblieben, und der Vater blieb in ihm (Joh.10,30.38; 14,20; 17,21-23). Jesus konnte bezeugen:

„Der mich gesandt hat, ist mit mir; er läßt mich nicht allein, denn ich tue allezeit, was ihm gefällt.“ (Joh.8,29)

An anderer Stelle bezeugt der Herr, daß er nicht in die Welt gekommen sei, um seinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der ihn gesandt hat (Joh.4,34; 5,30; 6,38). Er hat den Vater verherrlicht auf Erden, das Werk vollendet, das er ihm aufgetragen hatte, daß er es tun sollte (Joh.17,4). Darum steht auch geschrieben, daß er keine Sünde getan hat, und niemand konnte ihn einer Sünde zeihen (Joh.8,46; Hebr.4,15; 1.Petr.2,22). Obwohl Jesus Mensch war und er dadurch  - gleich allen Menschen -  ein wenig niedriger geschaffen war als die Engel (Hebr.2,6-7), ließ er sich in dieser Zeit nicht von dem Engelfürsten, dem Teufel, und auch von keinem anderen Geschöpf beeinflussen und bestimmen, dem Verhältnis gegenüber, das zwischen ihm und sei­nem Vater bestand, ungehorsam zu sein, etwa auf die Weise, daß er von sich selbst geredet hätte, von seinem Eigenen. Er nahm einen solch Leben zerstörenden Giftein­fluß vom Geschöpf nicht auf, sondern unterstellte sich in Treue und Beharrlichkeit nur dem wirkenden Einfluß seines himmlischen Vaters, der ihn gesandt hatte, seinen Wil­len zu tun, ein Licht der Welt zu sein, um sie von der Finsternis zu überführen und davon zu befreien (Joh.8,12). Darum ist Jesus auch in dieser Einstellung zu Gott, dem Vater, und dem Einfluß des Geschöpfes gegenüber der „Anfang der Schöpfung Got­tes“, d.h. das erste Geschöpf, das in dem Verhältnis blieb, wie es zwischen Gott und dem Wort, das im Schoße des Vaters gezeugt wurde, besteht.

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Jesus unterscheidet sich von den Menschen darin, daß er

„nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Joh.1,13)

Gott zeugte sein Wort im Mutterleib der Jungfrau Maria. Und Jesus war dann das Hei­lige, das von Gottes Geist gezeugt war (Luk.1,35). Als der Menschensohn ist Jesus dann auch in dem Verhältnis zu Gott, seinem Vater, geblieben, wie dieses Verhältnis auch am Anfang zwischen Gott, dem Vater, und dem Wort bestand. Jesus war und blieb im wahren Sinne des Wortes gottesfürchtig. Darum ist er auch erhört worden, als er in den Tagen seines Fleisches Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen darbrachte dem, der ihn vom Tode erretten konnte (Hebr.5,7). Gott, sein Vater, hat ihn darum

„hoch erhöhet und ihm den Namen geschenket, der über alle Namen ist, auf daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Kniee derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.“(Phil.2,9-11)

Er ist um seiner Gottesfurcht willen zur Vollendung des Allerheiligsten gelangt und ist der Urheber ewigen Heils für alle die geworden, die ihm gehorchen, erklärt von Gott ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks (Hebr.5,9-10; 6,20; 7,15-17).

Als dieser „Anfang der Schöpfung Gottes“ ist der Herr der „treue und wahrhaftige Zeuge“ bis ans Ende der Gemeindeentwicklung. Als treuer und wahrhaftiger Zeuge legt er nur darüber Zeugnis ab, was er als der „Anfang der Schöpfung Gottes“ dar­stellt.

Im Lichte dieser Ausführungen kann es nun auch verstanden werden, warum sich der Herr dem Engel der Gemeinde zu Laodicea als der „Anfang der Schöpfung Got­tes“ offenbart. Daß sich der Herr dieser Offenbarungsart bedient, kann nur darin begründet sein, weil dieser letzte Gemeindevorsteher glaubt, in seiner persönlichen Stellung diesen Anfang der Schöpfung Gottes in der Ordnung des Allerheiligsten dar­zustellen. Das kommt in seinem Selbstzeugnis zum Ausdruck:

„Ich bin reich und habe Überfluß und bedarf nichts!“ (Offb.3,17)

Die ausführliche Erklärung dieser Stellung folgt in den nächsten Abschnitten.

Aus diesen Ausführungen kann erkannt werden, daß die Offenbarung des Herrn für den Engel der Gemeinde zu Laodicea vom Boden

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des Allerheiligsten aus erfolgt. Denn als der Amen, als der treue und wahrhaftige Zeuge und als der Anfang der Schöpfung Gottes stellt der Menschensohn die Ord­nung der Hütte hinter dem zweiten Vorhang dar, das Allerheiligste. Daß sich der Men­schensohn in der letzten Gemeinde auf diese Weise offenbart, entspricht dem, weil er seinen Ratschluß in dem Geheimnis der sieben Engel und der sieben Leuchter zum Abschluß bringen will. Er will dadurch dem siebenten Engel nahelegen, daß das, wie er sich für den Vorsteher der Gemeinde zu Philadelphia offenbart hat, durch nichts und niemand mehr aufgehalten und verändert werden kann. Die Ordnung des Aller­heiligsten muß nun zur vollen Offenbarung und Darstellung kommen. Kein Einfluß kann das mehr verhindern. Darum sollte der Lehrer der Gemeinde zu Laodicea aus dieser Art der Offenbarung des Menschensohnes die Unwandelbarkeit des göttlichen Ratschlusses erkennen und im Lichte dieser Offenbarung auch seine Stellung prüfen, die er zum Herrn, zu dem Geheimnis seines Kommens und zu der Gemeinde hat, der er vorsteht.

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II. Die Stellung des Engels der Gemeinde zu Laodicea zu Jesu und zur Gemeinde  

1. Die Werke des Engels der Gemeinde zu Laodicea

Der zweite Teil in diesem siebenten Sendschreiben ist ein Bericht des Menschen­sohnes über die Stellung des Engels dieser letzten Gemeinde, die er einerseits zum Herrn und andererseits zur Gemeinde hat, der er vorsteht. Dieser Bericht lautet:

„Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach daß du kalt oder warm wärest! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß und bedarf nichts! Und weißt nicht, daß du elend bist und jämmerlich, arm, blind und bloß! Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest; und weiße Kleider, damit du dich bekleidest, und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehest“. (Offb.3,15-18)

Wie bei den ersten sechs Gemeinden läßt dieser Bericht klar erkennen, wie gut der Menschensohn auch über die Stellung dieses letzten Gemeindevorstehers unter­richtet ist. Er wandelt eben bis zuletzt unter den sieben goldenen Leuchtern und hält die sieben Sterne in seiner Hand, bis sein Ratschluß in den sieben Gemeinden ganz erfüllt ist.

„Ich weiß deine Werke“,

lautet das erste Zeugnis des Herrn über die Stellung dieses Engels. Das, was dann der Menschensohn im weiteren über die Werke des Engels sagt, zeigt, daß seine Werke anderer Art sind als die Werke des Engels der Gemeinde zu Philadelphia. Während die Werke des sechsten Engels nur aus guten, dem Herrn wohlgefälligen Werken bestehen, hat der siebente Engel dagegen nur böse Werke aufzuweisen. Denn das Urteil des Menschensohnes besteht nur in einem Tadel über seine Werke. Die bösen Werke sieht der Herr in dem, daß er diesen Engel darauf hinweisen muß, daß er in seiner Stellung zu ihm und zur Gemeinde weder kalt noch warm ist, sondern lau, und daß er ausgibt, reich zu sein, Überfluß zu

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haben und in seiner Stellung zum Allerheiligsten nichts mehr zu bedürfen. Böse sind diese Werke deshalb, weil der Engel sich diese Stellung zum Allerheiligsten nach dem Bericht des Herrn nur anmaßt, er also lügt. Darum liegt das Böse seiner Werke auch darin, daß er nach dem Urteil des Herrn nicht weiß, daß er elend ist, jämmerlich, arm, blind und bloß. Der Engel bildet sich ein, in seinem Reichsein, Überflußhaben und Sattsein die guten Werke des Allerheiligsten zu haben, obwohl er vom Herrn noch kein im Feuer geläutertes Gold gekauft hat, um wirklich reich zu sein; er hat vom Herrn auch noch keine weißen Kleider gekauft zur Bedeckung seiner Blöße und auch noch keine Augensalbe, um sehend zu sein und erleuchtete Herzensaugen zu haben. Die hier vom Herrn gezeigte Einstellung und Geistesbetätigung des Vorstehers der Gemeinde zu Laodicea sind seine bösen Werke, die der Menschensohn kennt und auf die er ihn aufmerksam macht. Diese bösen Werke beweisen, daß der Engel der letz­ten Gemeinde nicht im rechten Verhältnis zum Herrn auf dem Boden des Allerheilig­sten und zur Gemeinde ist, der er vorsteht. In den Werken dieses Engels kommt darum die Stellung, die der Herr zur Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn im Allerheiligsten benötigt und erwartet, nicht zum Ausdruck. Diese Werke stel­len vielmehr ein letztes und gewaltiges Hindernis für die Erfüllung des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter dar. Darum stehen diese Werke des sie­benten Gemeindeengels im krassen Gegensatz zu den Werken des Vorstehers der Gemeinde zu Philadelphia. Das wird uns die weitere Betrachtung der vom Menschen­sohn aufgeführten Werke des letzten Engels klar bestätigen.  

2. Das Lausein des Engels der Gemeinde zu Laodicea  

a) Falsche Ansicht und Darstellung über das Lausein

Der Menschensohn erklärt die Werke des Engels der Gemeinde zu Laodicea  - die wir als böse Werke kennengelernt haben -  damit, daß er ihm mitteilt:

„Du (bist) weder kalt noch warm. Ach, daß du kalt oder warm wärest! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus mei­nem Munde.“

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Diese Erklärung über das Lausein ist in der Christenheit zu einem allgemein gebräuchlichen Wort Gottes geworden. Es ist in der Gemeinde das bekannteste Wort, mit dem man die Stellung der Gläubigen erklären will, die dem Worte Gottes gegen­über nicht den rechten Eifer beweisen. Die Gläubigen machen es mit diesem Worte genau so wie mit dem Zeugnis vom Verlassen der ersten Liebe durch den Engel der Gemeinde zu Ephesus. Allgemein erklärt man, daß dieses Verlassen der ersten Liebe darin bestehe, daß der erste Gemeindevorsteher in seiner Liebe nicht in dem anfäng­lichen Liebesfeuer geblieben sei. Wir haben in der Auslegung des ersten Sendschrei­bens darauf hingewiesen, wie unbiblisch diese Auffassung über das Verlassen der ersten Liebe ist. Das trifft auch für die Auslegung der Lauheit des letzten Gemeinde­vorstehers zu. Übersichtlich dargestellt, erklärt man die Stellung des Lauseins des Engels der Gemeinde zu Laodicea in der folgenden Weise:

-     Im Lausein sieht man die Stellung, wenn man nicht mehr so eifrig ist im Lesen und Hören des Wortes Gottes, im Beten, im Üben der Liebe,

-     den Kampf mit der Sünde nicht mehr so entschieden kämpft, wie man es vielleicht zu einer früheren Zeit getan hat,

-     in seinem Christentum gleichgültig und oberflächlich geworden ist,

-     geteilten Herzens ist, indem man der Welt zugekehrt ist, aber auch dem Worte Gottes, man also auf beiden Seiten hinkt,

-     sich nicht mehr so eifrig in der Reichsgottesarbeit betätigt wie zu andern Zeiten,

-     man satt und zufrieden geworden ist in seiner Frömmigkeit.

Diese und ähnliche Auffassungen sind in der Gemeinde über das Lausein vorhan­den. Doch das ist nicht der Sinn im Zeugnis des Menschensohnes an den Engel der Gemeinde zu Laodicea. Die falsche Deutung der Worte des Menschensohnes hat ihre Ursache auch darin, weil man nicht sieht, daß der Herr das nur von der Stellung eines einzelnen Mannes in der Gemeinde sagt und es nicht einer Mehrzahl von Gläubigen gilt. Sobald das gesehen wird, bekommt dieses Zeugnis eine ganz andere Bedeutung. Schon bei der Betrachtung der ersten sechs Sendschreiben haben wir die klare Ord­nung festgestellt, daß es sich bei den Botschaften, die an die einzelnen Gemeinden gerichtet sind, in jedem Fall um ganz persönliche Mitteilungen handelt, die nicht ver­allgemeinert werden dürfen. Wenn man diese persönlichen Berichte verallgemeinert, dann hebt man dadurch die wahre Bedeutung und den Sinn der Sendschreiben auf.

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Eine weitere Ursache für die falsche Deutung der Lauheit muß in dem Umstand erkannt werden, daß man in den sieben Sendschreiben nicht die Ordnung der Ent­wicklung der Wahrheit der Gottesgerechtigkeit und auch die Entwicklung der Lüge als der Ungerechtigkeit sieht, die durch die beständig zunehmende Wirkung des Sauer­teigeinflusses in der Gemeinde bedingt ist. So haben wir bei der Betrachtung des Sendschreibens an die Gemeinde zu Philadelphia kennengelernt, daß in dieser sech­sten Gemeindezeit und durch diesen Gemeindezustand bzw. durch die Stellung des Engels dieser Gemeinde die Wahrheit der Gottesgerechtigkeit für das Allerheiligste so weit ausgestaltet ist, daß das Geheimnis vom Kommen des Herrn durch diesen Engel und seine Gemeinde in Erfüllung geht. Durch den Engel der Gemeinde zu Laodicea kommt gerade das Gegenteil zur Darstellung, nämlich die volle Ausreifung der Lüge der Ungerechtigkeit als das Böse, das dem Allerheiligsten entgegenwirkt. Einen höher entwickelteren Zustand des Bösen, als er in der Stellung des Lehrers der letzten Gemeinde zur Darstellung kommt, gibt es auf dem Boden der christlichen Gemeinde nicht mehr. Und dieser höchste Grad in der Ausgestaltung der Lüge und der Unge­rechtigkeit findet in dem lauen Zustand dieses letzten Engels dem Allerheiligsten gegenüber Ausdruck. Erst wenn das recht gesehen wird, wird auch das Lausein die­ses Lehrers nicht mehr so oberflächlich gedeutet und verallgemeinert, sondern der tiefere Sinn, den das Lausein darstellt, anerkannt und recht gewürdigt.

Wenn dieser letzte Vorsteher von seiner Stellung das Zeugnis ablegt, daß er reich sei, Überfluß habe und er darum nichts mehr bedürfe, so kann man doch nicht annehmen, daß dieser Mann in seiner Betätigung im Wort Gottes lässig, träge, gleich­gültig, oberflächlich und faul sei. In einer solchen Stellung könnte er sich unmöglich solchen Reichtum, solche Fülle und solchen Überfluß erwerben, daß er der Meinung ist, er bedürfe gar nichts mehr, um der Lehrer der Ordnung des Allerheiligsten in der Gemeinde zu sein. Es handelt sich bei diesem Reichtum ja nicht um irdische Schätze, sondern um geistigen Besitz. Dieser Mann lebt in der Überzeugung, daß er alle Schätze der Erlösungswahrheit, der Gottesgerechtigkeit, der Heilswahrheiten von Jesu Christo besitze, daß er davon ein überfließendes Maß habe, so daß er der Gemeinde die einzig richtige Unterweisung über die Ordnung, wie das Allerheiligste zustande komme, übermitteln könne. Ein Mann, der im Selbstbewußtsein seiner Ver­antwortung vor Gott und Menschen eine solche Stellung einnimmt und ein solches Zeugnis von sich ablegt, der hat gewiß keine solche Stellung in der Lauheit, daß man Oberflächlichkeit und Halbheit darunter

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verstehen müßte. Denn wer sein Glaubensleben träge zubringt, der kommt zu einer solchen Auffassung und Beurteilung von sich selbst, zu einem solchen Gnadenreich­tum, wie der Engel der Gemeinde zu Laodicea ausgibt, ihn zu haben, gewiß nicht. Ein solcher Mann lebt sein Leben nicht im Verborgenen, er steht als einer der sieben Engel der sieben Gemeinden, die der Herr in seiner rechten Hand hat, in der Front der Reichsgottesarbeit und ist somit an der Entwicklung der Gemeinde in der Zeit des Endes aktiv beteiligt. Die Stellung dieses Gemeindeengels ist also gerade das Gegenteil von dem, wie man gewöhnlich das Lausein nach dieser Stelle deutet. Er weist bestimmt auf seine Art großen Ernst, Eifer, Aufopferung und Hingabe auf. Denn es hat während der Zeit der Gemeindeentwicklung noch keinen Mann gegeben, der von sich selbst zu sagen wagte, daß er an Heilsschätzen von der Ordnung der Voll­kommenheit des Allerheiligsten so reich sei, daß er davon Überfluß habe und nichts mehr bedürfe. Durch die Jahrhunderte hindurch hat jeder Gläubige seinen Mangel, sein Zukurzkommen, sein Fehlen und Verfehlen mehr oder weniger eingestehen müs­sen. Darum will es schon etwas sagen, wenn am Ende der Gemeindeentwicklung ein Lehrer in der Gemeinde aufsteht und ein solches Selbstzeugnis von sich ablegt, daß er reich sei, Überfluß habe und nichts mehr bedürfe.

b) Die Bedeutung von kalt und warm im geistigen Sinn

Die vorstehenden Ausführungen lassen erkennen, daß das Lausein nach dem Bericht des Menschensohnes eine andere Bedeutung haben muß, als es bisher in der Gemeinde gedeutet wurde. Um die biblische Bedeutung vom Lausein verstehen zu können, ist es notwendig, zuerst darauf zu achten, was nach dem Urteil des Herrn „kalt“ und „warm“ bedeuten. Aus dem Natürlichen ist es uns bekannt, daß die beiden Gebiete „kalt“ und „warm“ Gegensätze darstellen. Das trifft auch im Geistigen zu. Nun muß es klar sein, daß die beiden Bezeichnungen die innere Stellung des Vorstehers der Gemeinde zu Laodicea erklären sollen, wie er sie nach dem Rat des Herrn haben sollte.

„Kalt“ ist die Bezeichnung für die Lüge und für die Finsternis, den Unglauben, wie ihn die Welt darstellt, die Gott nicht anerkennt. Kalt ist alles das, was mit dem Leben, das in Gott ist und das in Jesu Christo offenbart ist, keinerlei Verbindung und Gemeinschaft hat, sondern nur mit der Finsternis, dem Tod.

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„Warm“ ist die Bezeichnung für die Wahrheit, das Licht der Gottesgerechtigkeit in Christo Jesu. Warm ist alles, was mit dem Leben, das Gott ist und das in Christo Jesu geoffenbart ist, so in Verbindung und Gemeinschaft ist, daß von diesem Boden aus die im Allerheiligsten zustande kommende Vollkommenheit erreicht werden kann. Demnach fällt das Werk der Rettung und Erlösung, die Gott in seinem Sohne für alle Menschen vollbracht hat, unter die Bezeichnung „warm“. Warm ist ebenso die Gna­den- und Glaubensrechtfertigung und die Rettung des Leibes als Sieg des Lebens über den letzten Feind, den Tod und die Verwesung. Und warm ist auch der Glau­bensgehorsam, den die Kinder Gottes diesem Werk Gottes gegenüber üben. Die Liebe zur Wahrheit der Gottesgerechtigkeit, die die Kinder Gottes in ihrer Liebe zu Gott und ihrem Retter Jesu Christo beweisen, ist gleichfalls unter „warm“ zu verste­hen. Es ist alles die Ordnung, nach der das Allerheiligste zustande kommen muß.

Wenn der Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea kalt wäre, dann bestünde bei ihm immer noch die Möglichkeit, daß er warm werden könnte; sein Zustand wäre dann noch nicht hoffnungslos, sondern hoffnungsvoll. Darum weist ihn der Herr darauf hin, daß es für ihn besser wäre, kalt zu sein, anstatt lau. Wenn er kalt wäre, dann hätte er auch keine so große Verantwortung vor Gott. Denn Sodom und Gomorra wird es am Tage des Gerichtes einmal besser ergehen als den untreuen Kindern Gottes.

Und wenn dieser Mann warm wäre, d.h. wenn er die Liebe zur Wahrheit hätte, dann könnte er von diesem Boden aus auch immer noch wachsen und zunehmen bis zur Vollkommenheit, die das Allerheiligste darstellt. Die Stellung des Warmseins könnte sich dann bis zur höchsten Möglichkeit steigern. Im warmen Zustand wäre er in der Gott wohlgefälligen Stellung, er hätte dann die rechte Verbindung mit dem Leben aus Gott, mit dem Licht und mit der Gottesgerechtigkeit. Der Herr brauchte die­sen Mann dann nicht auszuspeien aus seinem Munde. Er würde das auch nicht tun, wenn er kalt wäre.

 

c) Das Lausein des Engels der Gemeinde zu Laodicea wird vom Teufel und Widersacher gewirkt

Aus den vorstehenden Ausführungen kann nun erkannt werden, von welch großer Bedeutung es ist, daß die Stellung dieses letzten Gemeindevorstehers

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„lau“ ist und weder kalt noch warm. Weil der Menschensohn ihn um dieser lauen Stellung willen aus seinem Munde ausspeien muß, läßt das erkennen, wie sehr miß­fällig dem Herrn diese Stellung ist und wie er deshalb darüber urteilt. Ein Vergleich dieser Stellung des siebenten Engels mit der Stellung der ersten sechs Gemeindevor­steher zeigt, daß keiner von ihnen eine solche Gott mißfällige Stellung gehabt hat wie dieser Lehrer der siebenten Gemeinde.

Das kann nur so erklärt werden, daß in der Stellung dieses Engels als Abschluß der Gemeindeentwicklung das in der Gemeinde vorhandene Böse seine volle Ausrei­fung und Ausgestaltung findet. In dem lauen Zustand dieses Mannes kommt es zur vollen Auswirkung und Darstellung, daß sich Satan in der Gemeinde in einen Engel des Lichtes verkleidet und auch seine Diener sich verkleiden in Diener der Gerechtig­keit und sich als Wölfe in Schafskleider hüllen (2.Kor.11,13-15). Dieses Gebaren Satans am Ende der siebenfachen Gemeindeentwicklungszeit kann gut verstanden werden, wenn beachtet wird, daß es sich in dieser Zeit darum handelt, daß das Geheimnis vom Kommen des Herrn durch den Engel der Gemeinde zu Philadelphia vollendet wird und auch in der Gemeinde zu Philadelphia der Tempel zur vollen Ausgestaltung kommt. Dieser Verwirklichung des göttlichen Willens und Ratschlusses arbeitet der Teufel und Widersacher durch den Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea mit aller Ent­schiedenheit und Hartnäckigkeit entgegen. Durch seinen Einfluß will der Teufel die Vollendung des Heilsratschlusses Gottes, das Zustandekommen des Allerheiligsten in der Gemeinde zu Philadelphia, verhindern und seinen Sieg endgültig davontragen. Das, was ihm in den ersten fünf Gemeindezeiten nicht gelungen ist, will er in der sechsten Gemeinde von seiten der siebenten Gemeindeordnung aus erreichen, besonders aber durch den Lehrer dieser Gemeinde. Darum wirkt er in ihm den Zustand, den der Menschensohn als „lau“ bezeichnet.

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