Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

Joh. E. Keller 

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Psalm 91: I.Teil  

Die Wahrheit ist Schirm und Schild

„Ich bin der Weg und die Wahrheit!“

„Dein Wort ist Wahrheit.“ (Joh.14,6; 17,17)

 

 Inhaltsverzeichnis                                                                                         Seitenzahl

Der Schirm des Höchsten und der Schatten des Allmächtigen ist die Wahrheit          2

Der große Feind der Wahrheitsträger                                                                               4

Die verheißene Errettung der treuen Gläubigen                                                              5

Deckung vor dem Feind                                                                                                     7

 

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Der Schirm des Höchsten und der Schatten des Allmächtigen

ist die Wahrheit

„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und wohnt unter dem Schatten des Allmächtigen, der spricht zum Herrn: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue!“ (Ps.91,1-2)

Mit diesen Worten hat schon der Psalmist auf die Wahrheit hingewiesen, wie Gott die Menschen erwählt hat in Jesus Christus vor Grundlegung der Welt, damit sie an die in ihm vollbrachte, alle und alles umfassende Erlösung durch die Wirkung des Heiligen Geistes kindlich glauben sollen.

Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen ist der Unterschied im Verhalten der Kin­der Gottes zu dieser durch Jesus vollbrachten Erlösung gezeigt (Matth.25,1-13).

Der Unterschied zwischen den klugen und törichten Jungfrauen, das heißt zwi­schen den klugen und törichten Kindern Gottes, kommt in ihrem Verhalten zum Aus­druck, das sie zu der Erlösung haben, die Jesus vollbracht hat, und zum Wieder­kommen des Herrn. Im Verhalten zu diesen Heilswahrheiten sind die einen Kinder Gottes klug und die andern töricht. Die klugen Kinder Gottes kennen die ganze Erlö­sung, die Jesus vollbracht hat, aus dem Zeugnis der Apostel, das sie der Gemeinde vermittelt haben. Sie wissen, daß sie in Jesus sind.

Es gibt Teile der Wahrheit, und es gibt eine ganze Wahrheit. Teile der Wahrheit hat jedes Kind Gottes, besitzen auch

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die Törichten. Aber die ganze Wahrheit haben nur die klugen Kinder Gottes. Wenn wir aber bei der Wiederkunft des Herrn bereit sein wollen, so genügt es nicht, nur Teile von der Wahrheit zu verstehen und zu glauben. Wir sind ganz erlöst. Die Wahr­heit ist die ganze Erlösung! Wer nur Teile der Wahrheit kennt, der kennt auch nur Teile der Erlösung, und ist nicht bereit, wenn Jesus kommt. Wir müssen uns aber völlig erlöst wissen, wenn Jesus kommt. Nur die ganze Erlösung macht uns bereit, dem Bräutigam entgegenzugehen! Jesus hat die ganze Erlösung für uns vollbracht, darum müssen wir auch die ganze Erlösung erkennen und ihm Glauben annehmen.

Was ist nun die ganze Erlösung oder die ganze Wahrheit? Die Vergebung der Sünden zu erlangen, ist als Anfangserfahrung im Glaubensleben sehr wichtig, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Viele Gläubige kennen wohl die Ordnung der Verge­bung ihrer Sünden, aber sie fallen dann doch immer wieder in die gleichen Sünden. Sie tun zwar auch wieder Buße und bekennen ihre Sünden; das ist recht und gut, und der treue Herr vergibt ihnen auch immer wieder. Doch sie bleiben dann bei ihren Sünden, die ihnen gewöhnlich große Nöte bereiten, stehen, statt bei Jesus und gewinnen dadurch keinen tieferen Einblick in die ganze Erlösung, die Jesus voll­bracht hat.

Jesus hat nicht nur die Tatsünden weggenommen, er hat auch den Menschen­leib, in dem die Sünden begangen werden, am Kreuze durch sich selbst abgetan, damit der Sünder, der Buße getan hat, auch erkennt, daß er in Jesus am Kreuze der Sünde gestorben ist (Röm.6,10). Wer gestorben ist, der ist von der Sünde losgespro­chen (Röm.6,7). Er ist aber nicht nur gestorben und begraben, sondern auch in Jesu Auferstehung ins Himmlische versetzt (Eph.2,6). Das ist die ganze Erlösung und die ganze Wahrheit. In dieser Wahrheit müssen die Kinder  Gottes beständig leben. Das immer glauben heißt: unter dem Schirm des Höchsten sitzen und unter dem Schatten des Allmächtigen wohnen.

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Der große Feind der Wahrheitsträger

 „Ja, er wird dich erretten von der Schlinge des Voglers und von der verderblichen Pest; er wird dich mit seinem Fittig decken, und du wirst dich unter seinen Flügeln bergen; seine Treue ist Schirm und Schild.“ (Ps.91.3-4)

Wenn Jesus wiederkommt, werden die Zeiten und Erfahrungen gerade so sein, wie sie in diesem Psalm geschildert sind. Der Vogler wird den treuen Kindern Gottes Schlingen legen. Die Schlingen des Voglers sind die listigen Anläufe des Teufels (Eph.6,11). Der Teufel stellt in dieser Zeit den Gläubigen ganz besonders nach und will sie verderben. Er will es verhindern, daß treue Kinder Gottes für die Wiederkunft des Herrn zubereitet werden. In dieser Zeit steht der Drache vor dem Weibe, um den Knaben, der geboren werden soll, zu verschlingen (Offb.12,4). Unter diesem Weibe müssen wir Gläubige erkennen, die auf den Boden der in Christo vollbrachten gan­zen Erlösung stehen, also kluge Jungfrauen sind. Wenn die Geburt des männlichen Sohnes erfolgt ist, verfolgt der Drache das Weib, das den Knaben geboren hat (Offb.12,13). Er legt den Gläubigen, die daran beteiligt sind, Schlingen, um sie zu fan­gen und ins Verderben zu stürzen. Die Schlingen des Teufels sind viele.

Wenn Kinder Gottes mit der Wahrheit leichtfertig umgehen, wenn sie darüber scherzen oder damit spielen, so versündigen sie sich an Jesus Christus, der die Wahrheit ist. Der Teufel kommt dann und nimmt die Wahrheit von ihren Herzen weg, und wenn der Herr wiederkommt, stehen sie nicht in der ganzen Wahrheit. Satan will sie aber auf diese Weis betrügen. Er will ihnen Schaden tun. Anstatt der Wahrheit sollen sie ihm glauben, aber er ist der Vater der Lüge (Joh.8,44). Er sagt nicht die Wahrheit. Mit seinen Lügen tötet er die Seelen der Menschen. Darum ist er auch ein Mörder genannt (Joh.8,44).

Kann Satan die klugen Jungfrauen nicht mehr mit List verführen und von Jesus trennen, so versucht er es mit Gewalt. Gott läßt dies zu an dem bösen Tag des Herrn, am Tage des Gerichts. In dieser Zeit wird dem Drachen im Himmel die Macht genommen, aber auf Erden wird ihm noch viel Macht gelassen, bis die ganze Zeit des Gerichts vorüber ist. Darum will er die klugen Jungfrauen durch allerlei Krankheit verderben, damit ihre Leiber nicht verwandelt werden. Die Krankheiten, die Satan verursacht, nennt David in diesem Psalm verderbliche Pest, Schrecken der Nacht, Pfeile, die bei Tage fliegen, Pestilenz, die im Finstern schleicht, Seuche, die des Mittags verderbt. Mit alledem kommt Satan, um die klugen Jungfrauen zu verderben und die Leibesverwandlung zu verhindern. Doch es soll ihm trotz seiner großen Macht nicht gelingen.

Die klugen Kinder Gottes sind unter dem Schirm des Höchsten und wohnen unter dem Schatten des Allmächtigen. Wie schön ist das! Sie glauben an die ganze Wahr­heit der für sie in Christo vollbrachten Rettung und Erlösung; dieser Glaube macht sie stark, allen satanischen Anfechtungen zu widerstehen. Gott ist ihre Zuflucht und ihre Burg, ihr Gott, auf dem sie trauen. Sie setzen in der größten Not ihr volles Vertrauen und ihre ganze Hoffnung allein auf Gott den Herrn, weil er sie in Christo Jesu ganz gerettet hat.

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Die verheißene Errettung der treuen Gläubigen

Wird das nicht herrlich sein, wenn man immer glauben kann:

Er wird mich erretten aus allen Anfechtungen!

Wir müssen die Werke Satans, die er in dieser letzten Zeit noch ausrichten kann, aus der Schrift erkennen, damit sie uns nicht überraschen, wenn sie plötzlich über die Welt kommen, besonders aber über die Gläubigen. Satan sucht wohl die klugen Jungfrauen durch Pest und Seuchen zu verderben, doch wird es ihm nicht gelingen; denn Gottes Wort sagt:

„ … er wird dich erretten von der Schlinge des Voglers und von der verder­benden Pest.“ (Vers 3)

Es ist köstlich, wenn treue Kinder Gottes so glauben. Was immer kommen mag, was Gott alles zuläßt: sie wissen,

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daß alle Dinge denen, die Gott lieben zum Besten mitwirken (Röm.8,28). Alles, was Gott zuläßt, muß zur Erziehung und Glaubensübung seiner Heiligen gereichen. Gott weiß, was sie noch alles nötig haben, bis sie bereit sind, ihn von Angesicht zu Ange­sicht in seiner Herrlichkeit schauen zu können. Eines ist gewiß, sie alle, die leben und übrigbleiben, bis der Herr kommt, müssen Überwinder sein. Auch den letzten Feind, den Tod, müssen sie im Glauben überwunden haben, sonst können sie nicht verwandelt werden.

So können wir es begreifen, daß schwere Gericht wie Krieg, Hunger und Pest in dieser schweren Zeit von Gott zugelassen werden. Alles aber nur zu dem Zweck, daß die klugen und treuen Kinder Gottes sich in allen Dingen als Überwinder erweisen können.

„Er wird mich erretten“,

sagt Gottes Wort. Er wird seine Gläubigen durch alles hindurch wunderbar bewahren und erretten. Wenn Jesus die Kinder Gottes in großer Not, ja, in der größten Not der Endzeit, vor dem Feind errettet, dann heißt es:

„Er wird dich mit seinem Fittich decken.“

Jesus will nicht nur vom Feind erretten, er will die Seinen auch vor dem Feind bewah­ren, damit er ihnen auch in Zukunft nicht schaden kann. Darum will er sie zudecken mit seinen Fittichen. Aber, wenn er dies tun soll, müssen seine Gläubigen auch willig sein, den Weg, den er sie führen will, zu gehen. Sie müssen mit Jesus völlig eins sein. Er geht in allem voran, und sie müssen ihm vertrauen und in allen Dingen sich unter seinen Flügeln bergen wollen. Wenn sie noch ihre eigenen Wege gehen, nach ihrem Willen handeln, dann bleiben sie nicht unter seinen Flügeln.

Unter seinen Flügeln kann sich das Kind Gottes nur dann bergen, wenn es in Jesus bleibt. Nur im ganzen Gehorsam zur Wahrheit der Erlösung kann Jesus das Kind Gottes decken, und nur in diesem Gehorsam kann es sich unter seinen Flügeln bergen. Anders ist das gar nicht möglich. Die Kinder Gottes müssen dann innig mit ihm verbunden sein, wenn sie in der letzten Zeit auch seinen ganzen Schutz ge­nießen wollen. Diesen brauchen sie gegen Seuchen und Pest am Tage und bei Nacht. Wenn sie diesen Schutz nicht haben, werden sie gewiß vom Teufel überwäl­tigt werden.

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Deckung vor dem Feind

 „Seine Wahrheit (=Treue) ist Schirm und Schild.“ (Ps.91,4)

Was ist der Fittich des Herrn, und was sind seine Flügel? Die Flügel des Herrn sind die Wahrheit der ganzen Erlösung, die er vollbracht hat. Mir dieser Wahrheit deckt er die treuen Gläubigen völlig zu, wie eine Henne ihre Küchlein, wenn sie sich unter dieser Wahrheit bergen wollen.

Die Wahrheit ist das, was die klugen Kinder Gottes durch ihren Glauben haben, was aber den Törichten fehlt. Die törichten Kinder Gottes haben von Jesus zwar die Vergebung ihrer Sünden, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Es ist nur ein Teil davon, nämlich das, was die Kindlein, die Anfänger unter den Gläubigen, haben. Wenn jemand sich bekehrt, seine Sünden von Herzen bereut und bekennt und Jesus sein Herz schenkt, dann hat er die Vergebung seiner Sünden. Das ist der Anfang des Glaubenslebens. Die ganze Wahrheit aber bedeutet mehr. Johannes sagt, daß die Jünglinge den Bösewicht überwunden haben, weil das Wort Gottes in ihnen ist (1.Joh.2,13-14). Die Wahrheit ist ihnen Schirm und Schild, diese Wahrheit, die Flügel Jesu Christi sind ihnen zum Bergungsort geworden.

Am klarsten lehrt der Apostel Paulus über die Wahrheit (vgl.Röm.3,23-25; 6,5. 7; 2.Kor.5,14; Eph.2,4-10; Kol.2,11-12).

Nach seiner Unterweisung sind die Kinder Gottes in Jesus mitgestorben, mitbe­graben und mit ins Himmlische versetzt erklärt. Sie sind mit ihm verwachsen zur Ähnlichkeit seines Todes und seiner Auferstehung. Die Wahrheit muß in unserem Herzen Gestalt gewinnen, sie muß in uns leben. Die Kinder Gottes müssen sich unter allen Umständen durch die Aufopferung des Leibes Jesu Christi so gerechtfertigt wissen, daß sie nicht mehr versuchen, sich durch Handlungen in ihrem täglichen Wandel gerecht machen zu wollen, oder auch als könnten sie etwas zu ihrer Gerech­tigkeit beitragen. In dieser Gefahr stehen sie fast immer. Die Kinder Gottes wollen immer noch etwas tun, wodurch sie dann glauben, vor Gott um ihrer Handlungen und um ihres alltäglichen Verhaltens willen gerecht zu sein und vor Gott bestehen zu können. Dies ist aber falsch, unbiblisch und führt immer mehr in das eigene Schaffen und vom Herrn und von der Erlösung weg, die er in der Aufopferung seines Leibes und durch die Auferstehung von den Toten vollbracht hat. Man wird auch leicht ver­zagt und mutlos, wenn man sich sehr anstrengt und dabei erkennen muß, daß man das Ziel, nicht mehr zu sündigen, doch nicht erreichen kann. Das ist aber nur die eigene Bemühung, und deckt die Kinder Gottes nicht als Schirm und Schild, sondern läßt sie vielmehr völlig unbedeckt, wenn Satans Pfeile: Seuche, Pestilenz, Hunger und Kriege sie überfallen. Wenn sie aber nichts Eigenes tun wollen und sich nicht mehr auf das verlassen, was sie in ihrem praktischen Leben darstellen, sondern ein­zig ihre Gerechtigkeit in dem erkennen und anerkennen, was Jesus auf Grund der Aufopferung seines Leibes in dem von den Toten auferweckten Leib der Herrlichkeit darstellt, dann kann ihnen Satan auf keine Weise mehr schaden.

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