Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

Joh. E. Keller

Bibliothek Weg zur Wahrheit

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Buch

Das Kommen des Herrn in der Erscheinung des Menschensohnes  

Singet dem Herrn ein neues Lied! Denn Er ist im Kommen, die Erde zu richten! Er wird den Erd­kreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker in Geradheit. (Ps.98,1.8-9) 

 

Die Offenbarung Jesu Christi 

 

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Übersicht über die Einteilung der Offenbarung Jesu Christi

 

A. Gliederung der Offenbarung in drei Hauptteile

Schreibe nun,

was du gesehen hast und

was ist und

was geschehen soll darnach. (Offb.1,19)

Mit diesen Worten ist das letzte Buch der Heiligen Schrift deutlich in drei Haupt­teile zerlegt, deren Grenzen wir genau beachten müssen, um den Inhalt und die Ein­teilung der Offenbarung klar zu überblicken.

Im ersten Hauptteil sollte der Apostel Johannes schreiben, was er gesehen hatte. Hierzu wurde er vom Herrn selbst, der ihm auf der Insel Patmos erschienen war, auf­gefordert. Auf diese Erscheinung des Herrn bezieht sich also dieser Schreibauftrag zuerst. Was Johannes gesehen, war die Erscheinung des Herrn, wie er sie im ersten Kapitel beschrieben hat (Offb.1,12-16).

Der zweite Teil behandelt etwas Gegenwärtiges, was ist (Offb.1,19). Gegenwärtig waren für Johannes die Vorgänge in der Gemeinde, weshalb auch im zweiten und dritten Kapitel Sendschreiben an die sieben Gemeinden folgen. Der Inhalt dieser bei­den Kapitel unterscheidet sich so deutlich von dem übrigen Wortlaut der Offenbarung, daß wir nicht fehlgehen können, in den sieben Sendschreiben den zweiten Hauptteil der Offenbarung zu sehen.

Der dritte Hauptteil enthält das, was geschehen soll darnach (Offb.1,19). Er beginnt ganz offensichtlich mit dem vierten Kapitel; denn die Worte aus dem Schreibauftrag sind am Anfang dieses Kapitels fast buchstäblich wiederholt. Es heißt dort:

Darnach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel; und die erste Stimme, die ich gehört hatte wie eine Posaune mit mir reden, die sprach: Steige hier herauf, und ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll! (Offb.4,1)

Dieser dritte Hauptabschnitt umfaßt darum alle übrigen Kapitel bis zum Schluß der Offenbarung.

Dem Johannes wird im vierten und fünften Kapitel ein Thron gezeigt. Dieser Thron und der, welcher darauf sitzt, und das Lamm, welches

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in der Mitte des Thrones ist, die vierundzwanzig Throne und die Ältesten darauf und die vier lebendigen Wesen bilden den Mittelpunkt der weiteren Schilderungen.

Weiter zu beachten ist noch das Buch in der Rechten dessen, der auf dem Throne sitzt; es ist innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt.

Vom sechsten Kapitel ab wird der Inhalt des versiegelten Buches offenbar.

Nur zum Schluß der Offenbarung, im letzten Kapitel von Vers 8 ab, folgt noch ein kurzes Schlußwort.

Das versiegelte Buch in der Hand dessen, der auf dem Throne sitzt, hat in sich selbst wieder eine besondere Einteilung, deren Behandlung weiter hinten folgt. Wir befassen uns zunächst nur mit der im Schreibauftrag festgelegten Einteilung des gan­zen Buches der Offenbarung, wonach drei genau voneinander abgegrenzte Abschnitte bestehen. Dennoch darf nicht übersehen werden, daß diese drei Hauptab­schnitte wiederum ein Ganzes bilden.

Die Überschrift des Buches lautet:

Offenbarung Jesu Christi …“ (Offb.1,1)

Diese Überschrift bezeichnet deutlich den Inhalt des gesamten Buches. Auch die Worte:

Siehe, er kommt mit den Wolken, und es wird ihn jedes Auge sehen, auch die ihn durchstochen haben, und es werden wehklagen über ihn alle Geschlechter der Erde! Ja, Amen.

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb.1,7-8),

umfassen den ganzen Inhalt des Buches.

Ebenfalls finden wir in dem Auftrag des Herrn:

Schreibe nun, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll dar­nach: Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast zu meiner Rechten und der sieben Leuchter (Offb.1,19-20),

eine einheitliche Angabe des Inhalts für alle drei Hauptteile der Offenbarung. In allen drei Hauptteilen muß also, wie die Überschrift sagt, die Offenbarung Jesu Christi behandelt sein. Die Offenbarung Jesu Christi ist das Kommen des Herrn und dieses ist, wie aus dem Schreibauftrag hervorgeht, in dem Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter dargestellt.

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B. Der erste Hauptteil

Die Offenbarung Jesu Christi, das Kommen des Herrn, oder das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter, sinnbildlich dargestellt durch die Erscheinung des Herrn auf der Insel Patmos

Wie wir gesehen haben, umfaßt der erste Hauptteil das erste Kapitel der Offenba­rung. Nach einer kurzen Einleitung (Offb.1,1-3), einem Grußwort an die sieben Gemein­den (Offb.1,4-6) und der Inhaltsangabe des Buches beschreibt Johannes das, was er gesehen hat, die Erscheinung des Herrn auf Patmos (Offb.1,9-16). Darauf folgt dann noch des Herrn Trostwort und Schreibauftrag an Johannes (Offb.1,17-20).

Alles, worüber Johannes schreiben muß, nennt der Herr das Geheimnis der sie­ben Sterne und der sieben Leuchter (Offb.1,19-20). Johannes soll zuerst schreiben, was er gesehen hat. Weil nun in diesem ganzen der Offenbarung Jesu Christi der Auf­schluß über das Kommen des Herrn liegen muß, so muß auch schon in der Erschei­nung des Herrn, wie sie Johannes auf Patmos geschaut hat, die Art seines Kommens angedeutet sein. Wir müssen also auch daraus, wie Johannes den Herrn gesehen hat, Klarheit über sein Kommen zu erlangen suchen. Johannes beschreibt die Erscheinung des Herrn wie folgt:

als ich mich wandte, sah ich sieben goldene Leuchter; und inmitten der Leuchter einen, gleich einem Menschensohn, angetan mit einem langen Gewande und umgürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme; und seine Füße wie Erz, wenn es im Ofen glüht, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser; und er hatte in seiner rechten Hand sie­ben Sterne, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft. (Offb.1,12-16)

Das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter ist in dieser Erschei­nung dargestellt. Darum müssen wir diesem Gedanken, daß der Herr sich inmitten von sieben goldenen Leuchtern offenbart und dabei sieben Sterne in seiner Hand hat, die größte Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir das nicht tun, dann halten wir uns nicht an die vom Herrn selbst gegebenen Linien und werden die Offenbarung nie ver­stehen können. Sie wird uns dann immer ein rätselhaftes, mit sieben Siegeln ver­schlossenes Buch bleiben.

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Der Gedanke dieses Geheimnisses durchzieht die ganze Offenbarung. Mit die­sem Geheimnis hängt auch zusammen, daß Johannes alles, was er sah, in ein Buch schreiben und es an sieben Gemeinden in Asien senden mußte (Offb.1,11). Diese Gemeinden sind genau benannt. Ihre Namen sind: Ephesus, Smyrna, Pergamus, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicea (Offb.1,11; 2,1.8.12.18; 3,1.7.14). Es sind Namen von Orten in Kleinasien, die im Wirkungskreis des Apostels lagen, etwa in ei­nem Halbkreis um Patmos herum, einer kleinen unfruchtbaren Felseninsel im Ägäi­schen Meer, südwestlich von Samos gelegen, auf der Johannes zu der Zeit gerade weilte (Offb.1,9). Da nun die sieben asiatischen Gemeinden mit den sieben Leuchtern in Verbindung stehen (Offb.1,12-13.20; 2,1.5) und die sieben Engel, das sind die Vorste­her oder Lehrer dieser Gemeinden, mit den sieben Sternen in der Hand des Herrn (Offb.1,16.20; 2,1; 3,1), so erkennen wir daraus deutlich, daß diese asiatischen Ortsge­meinden ein Bild für die ganze Gemeinde darstellen, wie auch der siebenarmige Leuchter der Stiftshütte schon die ganze Gemeinde versinnbildlicht (Hebr.9,1-10). Besonders werden wir aber davon überzeugt werden, wenn wir bedenken, daß mit diesen sieben Gemeinden auch die sieben Geister Gottes in Verbindung stehen, die das Wirken des heiligen Geistes in der ganzen gläubigen Gemeinde darstellen (Offb.1,4; 2,7.11.17.29; 3,1.6.13.22; 4,5; 5,6). Was also in diesem Buch geschrieben steht, das den sieben Gemeinden in Asien gesandt wurde, das muß für die ganze Gemeinde und für die ganze Gemeindezeit, besonders aber für die Zeit des Endes von Bedeu­tung sein. Warum nun gerade diese sieben örtlichen Gemeinden erwählt sind, Sinnbil­der für die Gemeinde des Herrn zu sein, das hängt neben der allgemeinen Vorherbe­stimmung Gottes natürlich auch mit den Zuständen zusammen, die in den benannten Gemeinden zu jener Zeit herrschten, und ganz sicher haben auch ihre Namen eine sinnbildliche Bedeutung, denn der Sinn der Namen entspricht genau dem Inhalt der betreffenden Sendschreiben. Was über die einzelnen Gemeinden und ihre Vorsteher gesagt ist, das kann darum unmöglich nur den benannten damaligen Ortsgemeinden gelten, sondern muß weit darüber hinaus für die ganze Gemeindezeit Bedeutung haben. Der Herr benutzt nur die sieben asiatischen Ortsgemeinden und ihre Vorsteher als Sinnbilder, um uns auf diese Weise sein Kommen klarzumachen. Sein Kommen besteht eben darin, daß er sich inmitten der sieben Leuchter offenbart; und die sieben Sterne in seiner Hand haben im Blick auf sein Kommen auch ihre besondere Bedeu­tung.

In der Art, wie der Herr seinem Knechte Johannes auf der Insel Patmos erschie­nen ist, müssen wir darum eine sinnbildliche Darstellung seines Kommens sehen. Wenn wir das sehen können, dann haben wir einen wunderbaren Wegweiser durch die ganze Offenbarung hindurch, der es uns ermöglicht, den Inhalt dieses Buches der Heiligen Schrift zu verstehen.

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C. Der zweite Hauptteil 

Die Offenbarung Jesu Christi, das Kommen des
Herrn, oder das Geheimnis der sieben Sterne
und der sieben Leuchter, dargestellt in sieben
Sendschreiben an sieben Gemeinden

Der zweite Hauptteil umfaßt das zweite und dritte Kapitel der Offenbarung. Er setzt sich aus sieben Sendschreiben zusammen, die an die Engel oder Vorsteher der sieben Gemeinden gerichtet sind. Der Auftrag des Herrn, den Johannes an diese Gemeinden auszurichten hatte, ist nicht so aufzufassen, daß die Sendschreiben den betreffenden Gemeinden einzeln zugestellt werden sollten, sondern alles, was Johan­nes sah, sollte er in ein Buch schreiben und es an die sieben Gemeinden senden (Offb.1,11). Daraus sehen wir, daß die Sendschreiben einen Teil des Buches bilden, das im ganzen die Offenbarung Jesu Christi, also das Kommen des Herrn, behandelt. Damit ist aber klar bewiesen, daß der Inhalt der Sendschreiben nicht nur auf die damaligen Ortsgemeinden angewandt werden darf. Wenn die Sendschreiben einen Teil des Buches bilden, dann muß in diesen Sendschreiben in erster Linie die Offen­barung Jesu Christi behandelt sein. Gilt die Überschrift Offenbarung Jesu Christi (Offb.1,1), sowie die Inhaltsangabe (Offb.1,7-8) für die ganze Offenbarung, dann sind auch die Sendschreiben eingeschlossen. Am deutlichsten aber zeigt uns, wie wir gesehen haben, der Schreibauftrag, daß auch in diesem zweiten Hauptteil das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter behandelt ist. In den Send­schreiben ist ja das gegenwärtige Geschehen behandelt, das was ist, das sind die Vorgänge in der Gemeinde (Offb.1,19). Wir müssen also hauptsächlich darauf achten, welche Verbindung diese Vorgänge mit dem Kommen des Herrn haben.

Der Gedanke des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter, wie er schon in der Erscheinung des Herrn auf der Insel Patmos sinnbildlich dargestellt ist, findet in den Sendschreiben auch ganz deutlich seine Fortsetzung. Man vergleiche hierzu nur einmal die Beschreibung der Erscheinung des Herrn (Offb.1,5-6.12-16.17-18) mit dem, wie sich der Herr selbst in den einzelnen Sendschreiben bezeichnet (Offb.2,1.8.12.18; 3,1.7.14). Im Schlußvers des ersten Kapitels bezeugt es der Herr selbst:

die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuch­ter sind sieben Gemeinden. (Offb.1,20)

In den Sendschreiben wird uns nun gezeigt, wie sich der Herr inmitten der sieben Gemeinden offenbart, welche Bedeutung die sieben

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Engel im Blick auf sein Kommen haben und weshalb die sieben Engel die sieben Sterne in der Hand des Herrn genannt sind. Jedes Sendschreiben schildert darum immer die Stellung eines der sieben Engel. Zwar werden in den Sendschreiben auch die Zustände der Gemeinden behandelt, doch geschieht das nur in Verbindung mit der Stellung, welche die sieben Engel haben. Besonders auffallend ist in diesen Schilde­rungen, daß nur einer von den sieben Engeln die Stellung hat, die vom Herrn voll anerkannt wird und deshalb als einzige, im Blick auf sein Kommen, als Bereitschafts­stellung in Betracht kommen kann. Das ist die Stellung des Engels der Gemeinde zu Philadelphia (Offb.3,7-8). Zwar hat der Herr auch an der Stellung des Engels der Gemeinde zu Smyrna nichts zu tadeln, doch führt die Stellung dieses Engels nicht zu dem vollen Sieg, sondern nur zum Sieg über den zweiten Tod, der durch die Erst­lingsauferstehung erlangt wird (Offb.2,11; 20,6.14), während der ganze Sieg mit dem Erlangen aller Verheißungen gekrönt wird, die in den Sendschreiben dem Überwinder gegeben sind. Alle Verheißungen sind in Christo Jesu eingeschlossen, den Gott von den Toten auferweckt hat, und wenn Jesus sich selbst, als Morgenstern, dem gibt, der überwindet, so schließt das alle Verheißungen ein, auch den Sieg über den natürli­chen (ersten) Tod (Offb.2,7; 1.Mos.3,22-24) und damit auch die Macht über die Heiden, sie zu weiden mit eisernem Stabe (Offb.2,26-28; 12,5; 22,16). Einer von den sieben Engeln ist es nun, der diese Überwinderstellung erlangt, und zwar der Engel der Gemeinde zu Philadelphia. Damit ist uns gezeigt, wie sich der Herr inmitten der sie­ben Gemeinden offenbart und welche Bedeutung die sieben Engel im Blick auf sein Kommen haben. Nur einem von den sieben Engeln und einer Gemeinde von den sie­ben kann der Herr sich ganz offenbaren, und darin besteht das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter. Weil nun aber in diesem Geheimnis der Aufschluß über das Kommen des Herrn liegt, so müssen wir diesen Gedanken auch weiterhin bei der Betrachtung des dritten Hauptteiles fest im Auge behalten.



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D. Der dritte Hauptteil  

Die Offenbarung Jesu Christi, das Kommen des
Herrn, oder die Vollendung des Geheimnisses
der sieben Sterne und der sieben Leuchter
 
 

1. Der Thron und die Vorgänge um den Thron  

a) Die Beschreibung des Thrones

Der dritte Hauptteil beginnt mit den Worten:

Darnach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel; und die erste Stimme, die ich gehört hatte wie eine Posaune mit mir reden, die sprach: Steige hier herauf, und ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll! Und also­bald war ich im Geist; und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Throne saß Einer. Und der darauf saß, war anzusehen gleich dem Stein Jaspis und Sardis …“ (Offb.4,1-3)

Johannes wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß ihm nun gezeigt wird, was nach diesem geschehen soll. Nach dem Schreibauftrag muß auch in dem, was geschehen soll darnach, das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter behandelt sein (Offb.1,19-20). Darum müssen wir auch in dem Thron und in den Vorgängen, die sich um diesen Thron vollziehen, dieses Geheimnis Gottes dar­gestellt sehen. Der Thron ist die Vollendung des göttlichen Geheimnisses. Er bedeutet die aufgerichtete Königsherrschaft Gottes, denn mit der Aufrichtung dieser Königs­herrschaft ist das Geheimnis Gottes vollendet, wie Gott seinen Knechten, den Pro­pheten, die frohe Botschaft verkündigt hat (Offb.2,26-28; 7,15; 10,1.5-7; 11,15; 12,5.10; 14,14; 16,17; 17,14; 19,6.11-16; 22,16). Dieser Thron muß also deshalb die kommende Königs­herrschaft bedeuten.

Im vierten Kapitel beschreibt Johannes diesen Thron. Die Einzelheiten dieser Beschreibung: der Eine, der auf dem Throne sitzt, der Regenbogen, der um den Thron ist, die vierundzwanzig Throne und die Ältesten darauf, die Blitze, die Donner und die Stimmen, die von dem Throne ausgehen, und die sieben Feuerfackeln, die vor dem Throne brennen, auch das gläserne Meer und die vier lebendigen Wesen, das alles muß deshalb mit der Vollendung des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter, also mit der Aufrichtung der Königsherrschaft Gottes, in Verbindung stehen. Die eigenartige Umschreibung des Einen, der auf dem Throne sitzt, wird nur erklärt werden können, wenn wir in dem Thron

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und in den Vorgängen, die sich um diesen Thron vollziehen, die Fortsetzung des Grundgedankens der ersten beiden Hauptteile der Offenbarung sehen (Offb.4,2). Der Regenbogen ist ein sicheres Zeichen dafür, daß mit der Aufrichtung des ewigen Rei­ches den schweren, anhaltenden Gerichten Gottes ein Ende gesetzt ist, wie schon zu Noahs Zeiten der Bogen in den Wolken diese Bedeutung hatte (Offb.4,3; 10,1; 1.Mos. 9,8-17). Auch die vierundzwanzig Throne und die Ältesten sind ein deutlicher Hinweis auf die Zeit, in der nach Dan.7,18.22 u. 27 die Heiligen des Höchsten die Königsherr­schaft empfangen sollen, um sie immerfort bis in alle Ewigkeit zu behalten; denn schon der Prophet Daniel, der über diese Zeit Gesichte geschaut hat, schreibt in Kap.7,9-10 von den Thronen, die zur bestimmten Zeit aufgestellt werden. Aus seiner Schilderung erkennen wir auch, daß es sich beim Aufstellen dieser Throne um den Beginn des Gerichtes handelt, welches dem Kommen der ewigen Königsherrschaft Gottes vorausgehen muß (Offb.4,4; Dan.7,9-18). Warum gerade vierundzwanzig Throne vorhanden sind, das dürfte mit der Zahl zwölf zusammenhängen, die zweimal darin enthalten ist und an die zwölf Stämme des Volkes Gottes und an die zwölf Apostel erinnert. Die Blitze, die Donner und die Stimmen, die von dem Throne ausgehen, wei­sen deutlich auf das Abschlußgericht hin, welches wiederum der aufgerichteten Königsherrschaft Gottes vorausgeht (Offb.4,5; 8,5; 11,19; 16,18). Die sieben Feuerfackeln sind ein Hinweis auf das Wirken der sieben Geister in der Gemeinde, durch welche die Königsherrschaft Gottes zustande kommt (Offb.1,4; 2,7.11.17.29; 3,1.6.13.22; 4,5; 5,6; vgl. hierzu auch 11,3-6; Sach.3,9; 4,1-10). Das gläserne Meer erinnert an die Märtyrer, die mit ihrem Blut auch zur Aufrichtung des Reiches Gottes beigetragen haben und die auch noch in der letzten Zeit mit ihrem Lebenseinsatz dazu beitragen müssen (Offb.4,6; 6,11; 15,2-4). Darum heißt es von ihnen:

Selig sind die Toten, die im Herrn sterben, von nun an! Ja, spricht der Geist, denn sie sollen ruhen von ihrer Mühsal; ihre Werke aber folgen ihnen nach. (Offb.14,13)

sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren die tausend Jahre. (Offb.20,6)

Auch die vier lebendigen Wesen müssen mit der Aufrichtung des ewigen Reiches Gottes in Verbindung stehen. Weil ihre Gestalt und ihr Aussehen mit Tieren verglichen ist und die Tiere in der Prophetensprache Weltreiche bedeuten (Offb.4,6-7; 17,7-13; Dan.7,17), so beweist uns das eine bestehende Verbindung zwischen den lebendigen Wesen und den Weltreichen. Darauf weist auch die Zahl vier hin, gleich den vier Welt­reichen: Assur-Babel (Dan.2,32.36-38; 7,4), Medo-Persien (Dan.2,32.39; 7,5; 8,1-14.20), Griechenland-Macedonien (Dan.2,32.39; 7,6; 8,5-14.21) und Rom (Dan.2,33.40-43; 7,7-8.19-27; Offb.11,7; 13,1-10; 17,8-13). Die vier lebendigen Wesen haben Macht, den vier Reitern, von denen im sechsten Kapitel die Rede ist, zu befehlen, und diese müssen dann das Gericht ausführen (Offb.6,1-8). Es ist uns nun aber auch in der Offenbarung gezeigt, daß das Gericht durch die vier Winde der Erde bewirkt wird (Offb.7,1-3), und diese Winde gestalten wiederum die Weltreiche, wenn sie auf das große Völkermeer losbre­chen.

Das ist uns ganz deutlich von dem Propheten Daniel gesagt (Dan.7,2). Darum kön­nen die vier Gerichtsreiter Offb.6,1-8 nur die Geistfürsten der vier Weltreiche sein. Wenn nun die lebendigen göttlichen Wesen um den Thron diesen vier Geistfürsten befehlen dürfen und nach Gottes Willen befehlen müssen, so sehen wir daraus, daß die Geistfürsten der Weltreiche nicht willkürlich ihre Macht entfalten dürfen. Sie haben eine Gegenmacht von Gottes Seite aus, und das sind die vier lebendigen Wesen um den Thron. Ein jedes von ihnen hatte sechs Flügel, ringsherum und inwendig voller Augen. Sie haben bei Tag und Nacht keine Ruhe und sagen:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott der Allmächtige, der da war, und der da ist und der da kommt! (Offb.4,8)

Die vierundzwanzig Ältesten fallen nieder vor dem, der auf dem Throne sitzt und beten an den, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Sie werfen ihre Kronen vor dem Throne nieder und sprechen:

Würdig bist du, unser Herr und Gott, zu nehmen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen! (Offb.4,11)  

b) Der Löwe als Überwinder

In der Rechten dessen, der auf dem Throne saß, sah Johannes nun das versie­gelte Buch (Offb.5,1). Es ist ein Buch, das, wenn man es verschlingt, im Munde süß ist wie Honig, aber Leibschmerzen verursacht (Offb.10,2.8-10). Es enthält nämlich die süße Botschaft von der Aufrichtung der göttlichen Königsherrschaft, aber es offenbart auch die schweren Gerichte, die das Gemeindezeitalter abschließen, und die Geburtswe­hen, die den Durchbruch des ewigen Reiches Gottes begleiten. Ehe aber das alles geschehen kann, was in dem versiegelten Buche geschrieben steht, müssen seine sieben Siegel geöffnet werden. Deshalb sieht nun Johannes einen starken Engel, der mit lauter Stimme verkündet:

Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen? (Offb.5,2)

Dieser Vorgang darf nicht so angesehen werden, als hätte er sich schon zu der Zeit zugetragen, als Johannes die Offenbarung empfing, daß also das versiegelte Buch schon damals geöffnet worden wäre. Johannes sah diesen Vorgang, wie auch die andern Vorgänge, nur als Prophet. Das Öffnen der Siegel erfolgt erst zu einer bestimmten Zeit. Das geht ganz deutlich daraus hervor, daß dem Johannes gesagt wird:

ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll. (Offb.4,1)

Damit ist für das Öffnen des versiegelten Buches eine bestimmte Zeit gesetzt. Erst muß nämlich das geschehen sein, was in den Sendschreiben geschildert ist, und erst dann kann sich erfüllen, was geschehen soll darnach. (Offb.1,19; 4,1)

Vor allen Dingen darf man nicht den Grundgedanken der Offenbarung aus dem Auge verlieren, wenn man diesen Vorgang richtig werten

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will. Handelt es sich doch auch bei dem dritten Hauptteil der Offenbarung um das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter (Offb.1,19-20). Weil zum Öffnen des Buches nicht nur die Erlösung nötig ist, die das Lamm darstellt, sondern auch die Überwinderstellung in der Gemeinde, deshalb wird die bedeutungsvolle Frage aufge­worfen:

Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen? (Offb.5,2)

Nur so können wir verstehen, warum Johannes weinte, daß niemand würdig erfunden ward, das Buch zu öffnen (Offb.5,4); denn ihm wurde klar, daß bis dahin in der Gemeinde noch niemand in dieser Stellung war. Mußte ihm hierbei nicht auch die Unzulänglichkeit seiner eigenen Stellung vor Augen gestanden haben? - Aber einer von den Ältesten sprach zu ihm:

Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamme Juda ist, die Wurzel Davids, das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen! (Offb.5,5)

Als Löwe aus dem Stamme Juda und als Wurzel Davids ist Jesus der wieder­kommende Herr (Offb.22,16), dessen überwindende Löwenkraft aber in der Schwach­heit des Menschen zur Vollendung kommt (2.Kor.12,9). Deshalb ist mit diesem Wort darauf hingewiesen, daß es einmal zu dem ganzen Sieg kommen wird. Dieses Wort ist dann in Erfüllung gegangen, wenn einer von den sieben Engeln die Stellung erlangt hat, durch welche die in Christo vollbrachte Erlösung voll anerkannt wird. Diese Stel­lung hat der Engel der Gemeinde zu Philadelphia, dem der Herr deshalb sagen kann:

Du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. (vgl.Offb.3,8)  

c) Das Lamm, die Ursache des Sieges

Die Ursache dieses Sieges ist das Lamm. Darum steht es im Mittelpunkt, in der Mitte des Thrones, in der Mitte der vier lebendigen Wesen und in der Mitte der Älte­sten (Offb.5,6). Das Lamm nimmt nun das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Throne sitzt (Offb.5,7). Von welcher Bedeutung dieser Vorgang ist, dürfte uns daraus klar werden, daß bei dem Nehmen des Buches die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamme niederfallen (Offb.5,8). Auch daß in diesem Zusammenhang die Harfen der Ältesten und die Gebete der Heiligen erwähnt sind, muß seine Bedeutung haben und ebenso auch das neue Lied, das die Ältesten sin­gen:

Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stäm­men und Zungen und Völkern und Nationen; und hast sie unserm Gott gemacht zum Königreich und Priestern, und sie werden herrschen auf Erden. (Offb.5,9-10)

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Dieser Vorgang zeigt ganz deutlich, daß nun die Zeit gekommen ist, daß das Lamm seine volle Anerkennung findet. Bevor aber in der Gemeinde nicht die volle Bedeutung der Erlösung erkannt ist und durch treues Bewahren des Wortes oder der Werke des Herrn, sowie durch beharrliches Bleiben in dieser Stellung die Anerken­nung des Lammes Ausdruck findet, öffnet das Lamm das Buch nicht, und das Ge-heimnis Gottes kann nicht vollendet werden. So bald aber diese Stellung von einem einzigen Kind Gottes eingenommen wird und es in dieser Stellung bleibt, daß ihm das Wort gilt:

Du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. (vgl.Offb.3,8),

dann wird das versiegelte Buch geöffnet.  


d) Der Lobpreis aller Geschöpfe

Im letzten Abschnitt des fünften Kapitels ist dann noch gezeigt, wie durch diesen Sieg auch die vielen Engel  - ihre Zahl ist zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend -  mit einstimmen in den großen Lobpreis, daß sie mit lauter Stimme sprechen:

Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, zu nehmen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lobpreisung! (Offb.5,12)

Und immer weiter, unaufhaltsam, setzt sich diese Anerkennung fort, so daß jedes Geschöpf, das da ist im Himmel und auf Erden und unter der Erde und was auf dem Meer ist und alles was darinnen ist, mit einstimmt und sagt:

Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm gebührt das Lob und die Ehre und der Ruhm und die Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! (Offb.5,13)

Nun herrscht unter allen Geschöpfen keine Unstimmigkeit mehr. Die vier lebendi­gen Wesen sprechen dazu ihr Amen, und die vierundzwanzig Ältesten fallen nieder und beten an (Offb.5,14).

Wenn jedes Geschöpf im Himmel und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darinnen ist, dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm Lob, Ehre, Ruhm und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit zuerkennen, dann gibt es auch keine Gerichte mehr, dann ist alles vollendet. Wir können unmöglich annehmen, daß erst alle Geschöpfe in diesen Lobpreis einstimmen und dann erst die schweren Gerichte hereinbrechen sollten, wie sie in den folgenden Kapiteln geschildert sind. Der Ausklang des fünften Kapitels stellt deutlich einen bestimmten Abschluß dar. Deshalb gibt das vierte und fünfte Kapitel einen Überblick über die ganze Zeit des Gerichtes und die Auswirkung dieses Gerichtes in der endlichen Vollendung.

Zuerst bekommt Johannes einen Gesamtüberblick über die Bedeutung des Thro­nes, der aufgerichtet werden soll. Er sieht den Ausklang, den

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die Aufrichtung dieser Macht nehmen wird, und welche Anerkennung das bei allen Geschöpfen findet. Dann erst werden ihm eingehend die Gerichte gezeigt, die vor­ausgehen müssen, ehe diese Königsherrschaft aufgerichtet wird. Wie das alles geschieht, das steht in dem versiegelten Buch geschrieben, dessen Inhalt nun erst vom sechsten Kapitel ab offenbar wird.

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