Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

Auszug aus dem Buch

DAS REICH GOTTES

von Joh. E. Keller

 ... ... ...

e) Der Segen von Jakob und Mose über die übrigen elf Stämme Israels

Neben dem besonderen Segen Jakobs für Joseph und seine Söhne sind die Segen, welche Mose und Jakob über die andern Stämme ausgesprochen haben, ebenfalls klare Beweise für die Tatsache, daß alle Stämme dieses Volkes während der ganzen Zeit der vier Weltreiche unter diesen Völkern vorhanden sind.

Jakob berief seine Söhne und sprach: Kommt zusammen, daß ich euch kundtue, was euch in den künftigen Tagen begegnen wird! (1.Mos.49,1)

Seine Verheißungen zeigen aber, daß ihre Erfüllung für das ganze Volk Gottes bis in die fernste Zeit des Tausendjährigen Reiches reicht. Das gleiche gilt für die Zukunftsverheißungen, die Moses über die Stämme Israels ausgesprochen hat. Sei­nem Segen liegt die

Seite 218

Stellung Gottes zu seinem Volke zugrunde, die Mose mit den Worten schildert:

Wie liebt er die Stämme seines Volkes, alle seine Heiligen sind in seiner Hand! (5.Mos.33,3)

Dieses Verhältnis Gottes zu seinem Zwölfstämmevolk gilt natürlich nicht bloß für eine beschränkte Zeit. Nur in diesem Sinne kann von dem Gesetz, das Moses dem Volke Gottes kundtat, dem Erbgut der Gemeinde Jakobs, bezeugt sein:

Das Gesetz tat uns Mose kund, das Erbgut der Gemeinde Jakobs. Und er ward König über Jeschurun, als sich die Häupter des Volkes versammelten, sich verei­nigten die Stämme Israels. (5.Mos.33,4-5)

Als weiteren Beweis dafür, daß das Volk Gottes nicht verwüstet und völlig aufge­rieben sein kann, können wir folgendes in den Weissagungen des Wortes Gottes fin­den:

Ruben ist Jakobs erstgeborener Sohn, seine Kraft und der Anfang seiner Stärke, von hervorragender Würde und vorzüglicher Kraft. Weil er wie ein kochendes Wasser seines Vaters Bett entweiht hat, soll er den Vorzug als Erstgeborener nicht haben (1.Mos.49,3-4). Aber nach dem Segen von Moses soll auch Ruben leben und nicht ster­ben, wenn auch seine Leute zu zählen sind (5.Mos.33,6). Mit dieser Erklärung ist gesagt, daß dieser Stamm erhalten bleibt.

Simeon und Levi verteilt Jakob unter ihren Brüdern und zerstreut sie unter Israel, weil er mit dem, was sie in ihrem Zorn oder Grimm ausgeübt haben, nicht einverstan­den ist (1.Mos.49,5-7). Moses verläßt hier die von Jakob bei den ersten vier Söhnen der Lea eingehaltene Altersordnung und gibt Juda, als viertem Sohn der Lea, den Vorrang vor dem Stamm Levi (5.Mos.33,7), nachdem Jakob Ruben, seinen erstgeborenen Sohn, von diesem Platz entfernt hat. Von Simeon spricht Moses in den Segnungen der Stämme Israels gar nicht. Er schaltet diesen Stamm in seinem Segen aus. Daß dieser Stamm trotzdem vorhanden ist, beweist das ganze Schriftzeugnis (vgl.Offb.7,7).

Vom Stamm Levi weissagt Moses:

Dein Recht und dein Licht gehört deinem heiligen Manne, den du versucht hast zu Massa, mit dem du gehadert hast am Haderwasser. Wer von seinem Vater und von seiner Mutter sagt: Ich sehe sie nicht, und seine Brüder nicht kennt und von seinen Söhnen nichts weiß, sondern deine Worte beobachtet und deinen Bund bewahrt, - die werden Jakob deine Rechte lehren und Israel dein Gesetz; sie werden Räuchwerk vor deine Nase legen und ganze Opfer auf deinen Altar. Segne, Herr, sein Vermögen und laß dir seiner Hände Werk gefallen; zerschmet­tere die Lenden seiner Widersacher und seiner Hasser, daß sie nicht aufkom­men! (5.Mos.33,8-11)

Wenn wir diesen Segen von Moses mit dem Segen vergleichen, den Jakob über die beiden Söhne Simeon und Levi ausgesprochen hat, so zeigt uns das die Wand­lung, die einzelne Menschen und ganze Völker

Seite 219

durchmachen können. Der Stamm Levi hat unter Moses Leitung das übrige Volk Israel um des Götzendienstes willen gerichtet. Später wird der ganze Stamm Levi dann an der Stelle der Erstlinge von Gott für den Dienst am Heiligtum von den übrigen Stäm­men des Volkes Israel abgesondert. Aus diesem Grund empfängt nun der Stamm Levi von Moses auch diesen hervorragenden Segen. Aber diese von Moses geweissagte Treue zum Wort Gottes und zu seinem Bund mit dem verheißenen Segen erfüllt sich erst völlig im Tausendjährigen Reich. Das beweist, daß auch dieser Stamm beständig vorhanden ist.

Juda erhält von seinem Vater Jakob den folgenden Segen:

Dich, Juda, werden deine Brüder loben! Deine Hand wird deinen Feinden auf dem Nacken sein; vor dir werden deines Vaters Kinder sich neigen. Juda ist ein junger Löwe; mit Beute beladen stiegst du, mein Sohn, empor! Er ist niederge­kniet und hat sich gelagert wie ein Löwe und wie eine Löwin, wer darf ihn auf­wecken? Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis daß ein Friedebringer kommt, und dem werden die Völker gehorchen. Er wird sein Füllen an den Weinstock binden, und seiner Eselin Jun­ges an die Edelrebe; er wird sein Kleid im Weine waschen und seinen Mantel in Traubenblut; seine Augen sind dunkel vom Wein und seine Zähne weiß von der Milch. (1.Mos.49,8-12)

Mit diesen Worten weist Jakob Juda, seinem vierten Sohn von der Lea, den ersten Platz an, nachdem er seine ersten drei Söhne um ihrer Vergehen willen zurechtweisen mußte. Juda wird von seinen Brüdern gelobt, und seines Vaters Kinder neigen sich vor ihm, wie die Verheißung von Joseph lautet, den Gott zum Fürsten unter seinen Brüdern bestimmt hatte. Doch Ephraim, der unter dem Volke Gottes das Erbe seines Vaters bekommen hatte, war in seiner Stellung nicht treu (Hos.4,16-19). Aus diesem Grunde wird Juda der Fürst unter seinen Brüdern und der Besieger der Feinde des Volkes Gottes, und von ihm wird endlich der wahre Friede ausgehen. Moses sagt von diesem Stamm:

Herr, du wollest Judas Stimme hören und ihn bringen zu seinem Volk! Hat er mit seinen Händen zu streiten, so hilf du ihm von seinen Feinden! (5.Mos.33,7) „Dich, Juda, werden deine Brüder loben! Deine Hand wird deinen Feinden auf dem Nacken sein; vor dir werden deines Vaters Kinder sich neigen. Juda ist ein junger Löwe; mit Beute beladen stiegst du, mein Sohn, empor! Er ist niederge­kniet und hat sich gelagert wie ein Löwe und wie eine Löwin, wer darf ihn auf­wecken? Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis daß ein Friedebringer kommt, und dem werden die Völker gehorchen. Er wird sein Füllen an den Weinstock binden, und seiner Eselin Jun­ges an die Edelrebe; er wird sein Kleid im Weine waschen und seinen Mantel in Traubenblut; seine Augen sind dunkel vom Wein und seine Zähne weiß von der Milch.“ (1.Mos.49,8-12)

Mit diesen Worten weist Jakob Juda, seinem vierten Sohn von der Lea, den ersten Platz an, nachdem er seine ersten drei Söhne um ihrer Vergehen willen zurechtweisen mußte. Juda wird von seinen Brüdern gelobt, und seines Vaters Kinder neigen sich vor ihm, wie die Verheißung von Joseph lautet, den Gott zum Fürsten unter seinen Brüdern bestimmt hatte. Doch Ephraim, der unter dem Volke Gottes das Erbe seines Vaters bekommen hatte, war in seiner Stellung nicht treu (Hos.4,16-19). Aus diesem Grunde wird Juda der Fürst unter seinen Brüdern und der Besieger der Feinde des Volkes Gottes, und von ihm wird endlich der wahre Friede ausgehen. Moses sagt von diesem Stamm:

„Herr, du wollest Judas Stimme hören und ihn bringen zu seinem Volk! Hat er mit seinen Händen zu streiten, so hilf du ihm von seinen Feinden!“ (5.Mos.33,7)
 

Mit diesen Worten weist Moses darauf hin, daß Judas Sieg über seine Feinde vom Herrn kommen muß. Wenn der Herr Juda aber zu seinem Volke bringen soll, so läßt das erkennen, daß dieser Stamm für lange Zeit von den anderen Stämmen des Vol­kes Gottes getrennt ist. Diese von Moses angedeutete Vereinigung des Stammes Juda mit seinem Volk Israel findet erst am Anfang des Tausendjährigen Reiches statt (Hes.37,15-28). Infolgedessen muß der Stamm Juda sowohl, wie die übrigen Stämme Israels, bis zu dieser Zeit immer unter den Völkern vorhanden sein, wenn auch für lange Zeit nur ein Teil von dem Stamm Juda noch als Volk der Juden, in der Völker­welt zerstreut, bekannt ist.

Seite 220

Sebulon und Issaschar sind die zwei letzten Söhne Jakobs von der Lea. In dem Segen stellt Jakob den jüngeren Sohn Sebulon seinem älteren Bruder Issaschar voran und bezeichnet zuerst seine Wohnung und seine Beschäftigung am Meer und an der Seite von Sidon. Issaschar liebt aber die Ruhe in einem friedlichen Land, selbst um den Preis, daß er dadurch ein fronpflichtiger Knecht wird (1.Mos.49,13-15).

Moses redet von diesen beiden Stämmen in der gleichen Ordnung ihres Alters, nur weist er Benjamin und Joseph ihren Platz noch vor Levi an (5.Mos.33,12-13), obwohl diese beiden Söhne Jakobs jünger und Kinder der Rahel waren.

Sebulon soll sich seiner Fahrten freuen und Issaschar seiner Zelte. Diese beiden Völker dienen Gott darin, daß sie andere Völker auf den Berg Gottes einladen, um Gott ihre Opfer der Gerechtigkeit darzubringen. Sie erlangen den Reichtum des Mee­res und die verborgenen Schätze des Sandes (5.Mos.33,18-19). Mit dieser Ergänzung, die Moses den Weissagungen von Jakob anfügt, in denen Jakob nur auf die nächste Zukunft in dem Erbland (Stammland) hinweist, ist gezeigt, daß diese beiden Stämme ihren Dienst im Tausendjährigen Reich ausrichten und dann auch ihren Lohn dafür ernten. Auch das beweist, daß diese beiden Völker während der Zeit vorhanden sind, wenn die zwölf Stämme Israel unter den Völkern während der Herrschaft aller vier Weltreiche zerstreut sind.

Dan ist der erstgeborene Sohn von Bilha, der Magd Rahels, die diese ihrem Manne deshalb zum Weibe gab, weil sie selbst unfruchtbar war. Von ihm sagt Jakob, daß er das Volk Israel als ein ihnen angehörender Stamm richten wird, doch nicht nach der Ordnung der göttlichen Gerechtigkeit, sondern als Schlange am Weg und Otter auf dem Pfad, die in die Fersen des Rosses beißt, daß der Reiter rücklings stürzt. Auf dieses Bekenntnis sagt Jakob:

Herr, ich warte auf dein Heil! (1.Mos.49,16-18)

was auf das endzeitliche Offenbarwerden des Herrn hinweist.

Moses bringt in seinem Segen den Stamm Dan an den drittletzten Platz, vor Naphtali und Asser. Er sagt von diesem Stamm in Verbindung mit dem Segen Jakobs nur, daß er ein junger Leu ist, der aus Basan hervorschießt (5. Mose 33,22). Aus Jakobs Segen ist aber ersichtlich, daß der Stamm Dan dieses heimtückische, wider­göttliche Gericht an seinem eigenen Volk in der geweissagten Schlangen- und Teu­felsart erst im Gericht des vierten Weltreichs, vor dem Anfang des Tausendjährigen Reiches, ausführen kann. Das ist ein Beweis dafür, daß auch dieser Stamm Dan unter den Stämmen Israels in der Zeit ihrer Zerstreuung unter den Völkern während der Herrschaft der vier Weltreiche vorhanden ist.

Gad ist wieder der erstgeborene Sohn von Leas Magd Silpa. Weil Lea, nachdem sie Jakob vier Söhne geboren hatte, keine Kinder mehr gebar, machte sie es ihrer unfruchtbaren Schwester Rahel nach und gab Jakob auch ihre Magd zum Weibe. Jakob sagt, daß dieser Sohn von einer Schar bedrängt wird, über die er aber siegreich ist (1.Mos.49,19). Moses schaut,

Seite 221

wie Gott diesem Stamm weiten Raum schafft, weil er wie eine Löwin lagert und Arm und Scheitel zerreißt. Durch ein Erstlingsgebiet wird er Anführer und vollstreckt an der Spitze seines Volkes Jehovas Gerechtigkeit und seine Gerichte, vereint mit Israel (5.Mos.33,20-21). Anschließend an dieses Gericht, das Gad für Jehovas Gerechtigkeit ausgeführt hat, weist Moses auf das teuflische Gericht des Stammes Dan hin, das dieser Stamm an seinem Volk ausführt (5.Mos.33,22).

Die Umstellung dieser beiden Söhne und Stämme Israels von Jakob und Moses muß seine Bedeutung haben. Jakob zeigt zuerst das Schlangengericht, das Dan an seinem Volk ausführt, und weist dann kurz auf Gads Sieg hin. Moses dagegen zeigt zuerst den Sieg, den Gad durch Jehovas Gerechtigkeit über seine Feinde davonträgt ausführlich, und deutet dann ebenso kurz, wie Jakob von Gads Sieg sprach, auf die feindliche Stellung Dans hin. Beide Darstellungen lassen erkennen, daß in der Zusammenstellung und veränderten Darstellung dieser beiden Söhne und Stämme eine geheimnisvolle Verbindung in der Stellung liegen muß, die diese beiden Brüder und Stämme Israels zueinander haben. Diese Verbindung kann darin gesehen wer­den, daß Dan in seiner teuflischen Feindschaft gegen Gott, in dieser richtenden Stel­lung unter den übrigen Stämmen, in der Hauptsache den Stamm Gad drängt. Weil Gad aber seine Feinde zurückdrängt, und zwar dadurch, daß er der Anführer im Kampf für die göttliche Gerechtigkeit ist, so mußte Gads göttlicher Sinn über Dans Gottfeindschaft im Volk Israel siegen. Die gottfeindliche, richtende Stellung Dans in seinem Volk kann in dem Wirken des anderen Tieres gesehen werden, wie es in Offb.13,11-18 als Unterstützung des ersten Tieres, das aus dem Meer aufsteigt und Gott lästert, geschildert ist. Wenn demgegenüber vom König David prophetisch gesagt ist, daß ihm ein Volk dient, das er nicht kannte (Ps.18,44), und eine mächtige Nation im Gericht Gott ehren wird (Jes.25,3), so ist damit auf den Sieg hingewiesen, den Moses vom Stamm Gad als Anführer seines Volkes geweissagt hat. Diese beiden Gerichte, die von Satans und von Gottes Seite aus im Volke Gottes erfolgen, geschehen aber erst am Ende des vierten Weltreiches und am Anfang des Tausendjährigen Reiches. Sie beweisen wiederum, daß bis dahin auch der Stamm Gad in der Zerstreuung des Volkes Gottes erhalten ist und zu einem so mächtigen Volk wurde, daß es in der ent­scheidenden Zeit die danitische Gottlosigkeit im Volke Gottes, vereint mit den übrigen Stämmen Israels, richten kann.

Asser, dem zweiten Sohn von Leas Magd Silpa, sagt Jakob, daß ihm sein Brot zu fett ist und er königliche Leckerbissen gibt (1.Mos.49,20). Moses setzt den Stamm Asser in seinem Segen zuletzt und nennt ihn den gesegnetsten Sohn, den Liebling seiner Brüder, der seinen Fuß in Öl taucht und dem Eisen und Erz die Riegel sind. Wie seine Tage, so ist seine Kraft (5.Mos.33,24-25). Der Segen dieses Stammes kann erst zu der Zeit von allen Stämmen Israels erkannt werden, wenn das Volk Gottes aus der Zer­streuung gesammelt ist und Gott in seinem Volk für tausend Jahre seine Königsherr­schaft aufgerichtet hat.

Seite 222

Das beweist wieder, daß dieser Stamm des Volkes Israel bis zu dieser Zeit immer ein Volk ist, das in besonderer Weise von Gott gesegnet wird.

Naphtali, den zweiten Sohn von Rahels Magd Bilha, nennt Jakob eine ausgelas­sene Hirschkuh und sagt, daß er schöne Worte machen kann (1.Mos.49,21). Als zweit­letzter erhält dieser Stamm den Segen von Moses:

Naphtali werde gesättigt mit Gnade und voll vom Segen des Herrn; Meer und Mittag nimm in Besitz! (5.Mos.33,23)

Nach dem Propheten Obadja wird das Gebirge Esau und das Philisterland zu der Zeit in Besitz genommen, wenn die Königsherrschaft dem Herrn gehört (Ob.19-21). Das beweist, daß auch dieser Stamm bis zu dieser Zeit in der Zerstreuung mit den übrigen Stämmen Israels für diesen von Moses geweissagten Segen zubereitet worden ist.

Benjamin ist der jüngste Sohn Jakobs und der letzte Sohn Rahels, die bei der Geburt dieses Kindes starb. Jakob nennt diesen Sohn einen reißenden Wolf, der am Morgen Raub verzehrt und am Abend sich in die Beute teilt (1.Mos.49,27). Moses spricht seinen Segen über diesen Stamm bereits an vierter Stelle aus, obgleich Ben­jamin der jüngste ist. Dadurch erhält er seinen Platz zwischen Levi und Joseph als Jehovas Liebling, der sicher wohnen möge und von Gott, der zwischen seinen Hügeln wohnt, den ganzen Tag beschirmt werden soll (5.Mos.33,12). Dieser Segen kann sich an diesem Stamm auch wieder erst dann völlig erfüllen, wenn Gott sein Volk gänzlich geläutert und als sein Eigentum endgültig im Besitz hat. Das ist aber erst die Zeit des Tausendjährigen Reiches. Deshalb muß auch der Stamm Benjamin bis zu dieser Zeit unter den Völkern während der Zeit der vier Weltreiche mit den übrigen Stämmen Israels unter diesen Völkern zerstreut und doch erhalten sein. 3. Die christliche Gemeinde in der Zeit der sieben
Häupter und der Füße des vierten Weltreiches

  1. Die Reichsgottesherrschaft in der vierten Gemeinde zu Thyatira

Nachdem der Abfall von der ersten Liebe in der ersten Gemeindezeit zu Anfang des vierten Weltreiches einmal erfolgt und dadurch die Möglichkeit der Erfüllung der göttlichen Verheißungen in der Aufrichtung seiner ewigen Reichsgottesherrschaft vor­über war, entfernte sich die Gemeinde Gottes in der weiteren Gemeindeentwicklung immer mehr von dem göttlichen Heilsratschluß.

Die Gemeinde zu Pergamus bereitete durch ihre Untreue den noch vorhandenen Heilswahrheiten gegenüber und ihre widergöttliche Verbindung mit dem Thron Satans und durch ihr Streben nach weltlicher Macht den Gemeindezustand von Thyatira vor (Offb.2,18-25). Denn der Zustand von Thyatira, der auf Pergamus folgt, war nur eine verstärkte Art Abfall von den

Seite 223

göttlichen Heilswahrheiten gegenüber dem bereits vorhandenen Abfall in Pergamus. Die Gemeinde kam immer tiefer unter den weltlichen und dadurch heidnischen Ein­fluß. Aus der Verbindung der Gemeinde zu Pergamus mit dem Staat ist der Anspruch auf die Oberhoheit der Gemeinde zu Thyatira über alle Völker samt ihren Regierungen erwachsen (Jes.47,1-7; Offb.17,1-3.9.15.17-18; 18,3.7). Dieser Gemeindezustand dauert etwa von 500 n.Chr. bis ans Ende dieses Zeitalters, bis zur Wiederkunft Jesu (Offb.2,25; 17,12-17; 19,1-7).

Daraus ergibt sich, daß sich das Streben nach weltlicher Macht in dieser Gemeinde so ausbreitete, daß das Verlangen nach der ewigen Reichsgottesherrschaft vollkommen verschwand.

Die widergöttliche Einstellung dieser Gemeinde hat aber ihre tiefste Ursache darin, daß sie die Erkenntnis von den Heilswahrheiten der in Christo vollbrachten vol­len Erlösung als die erste Liebe und dadurch den Willen Gottes nicht mehr suchte. Im dritten Jahrhundert nach Christus war die Erkenntnis, daß Jesus die Toten zur Unver­weslichkeit auferweckt, schon so verdunkelt worden und der Glaube daran unter Lebenshingabe schon so weit verlorengegangen, daß viele christliche Bekenner, sogenannte Apologeten, der ungerechten und grausamen Heidenwelt gegenüber den gottesfürchtigen Wandel der Gläubigen und ihr Lebensrecht verteidigten, damit sie nicht mehr so hingemordet werden sollten. Das ist uns ein Beweis, daß die Gläu­bigen nicht mehr mit einer Auferstehung von den Toten rechneten, geschweige denn mit der Leibesverwandlung bei Jesu Wiederkommen, und das alles nur, weil die klare Erkenntnis verlorengegangen war, daß Jesus Christus, der Auferstandene, der Sieger über den Tod, heute lebt.

Diese Klarheit, daß Gott Jesus von den Toten zur Herrlichkeit unverweslichen Lebens auferweckt hat, ging so zurück, daß die Vertreter der zur großen Volksge­meinde gewordenen Zahl der Gläubigen sich geneigt sahen, Jesus, vom Fleisch geboren, in der Zeit, als er in diesem Fleisch unter den Menschen auf der Erde pil­gerte, eine solche Fülle göttlichen Wesens zuzuerkennen, daß damit der Mangel von der Erkenntnis der in der Auferstehung zustande gekommenen neuen Kreatur wett­gemacht werden sollte. Dieses Bestreben wurde unterstützt durch die Sucht, den breiten Massen das Heilsbekenntnis so leicht wie möglich zu machen.

Die heidnisch gewesenen Volksmassen  - einschließlich des Teiles, der aus dem Volke Gottes zu dieser Gemeinde zu Thyatira gehört -  waren immer noch gewohnt, äußerliche Gegenstände, Bilder, Standbilder und Statuen der Götter zu verehren. Ihnen mußte es leicht sein, in dem vom heiligen Geist gezeugten und von der Jung­frau Maria geborenen Jesus Christus, als dem fleischgewordenen Wort Gottes, das in der Schwachheit und Knechtschaft dieses Fleisches auf der Erde wandelte, die Fülle der Gottheit zu verehren. Das war für sie viel leichter, als an den unsichtbaren Gott zu glauben, der uns in seinem Sohne ohne Verdienst gerechtfertigt hat, der die Toten unverweslich auferweckt und auch Jesus so auferweckt hat.

Seite 224

Eine weitere Unterstützung fand dieses Bestreben durch den Geist, der die Gläu­bigen antrieb, die Gottgleichheit in ihrem täglichen Wandel nach dem Fleische darzu­stellen. Man wollte ihnen den Gott-Jesus so vorstellen, daß in seiner Gottgleichheit das rechte Vorbild gesehen wurde, ihm auf diesem Boden des Fleisches gleichge­staltet zu werden. Man lehrte zwar, daß Jesus, so wie er wahrer Gott in der Niedrig­keit der Fleischesgestalt ist, auch zugleich in dieser Gestalt wahrer Mensch ist. Jedoch wurde es so hingestellt, daß das wahre Menschsein nicht in der Niedrigkeit des versuchlichen und sündlichen Davidsfleisches besteht, sondern in einer menschli­chen Gestalt, wie sie Adam vor seinem Sündenfall, frei von jeglicher Verbindung mit der Sünde, gehabt haben soll. Die vollkommene Gottheit Jesu sah man nicht allein in der Unverweslichkeit seines vorweltlichen Zustandes als Wort und in der Herrlichkeit seiner Auferstehung von den Toten, sondern auch schon in seinem Erdenzustand in der ganzen Fülle. Zu diesem Zweck wurde das Fleisch des Menschen überhaupt als gut, d.h. frei von der Sünde, hingestellt und der Sündenursprung beim Menschen nicht mehr dem verführenden Satan und dem versuchlichen Fleisch, sondern dem Willen des Menschen zugesprochen. Nach dieser Lehre brauchte sich Jesus aber nicht mehr selbst zu erniedrigen, als das Wort vom Vater in das menschliche Fleisch gekleidet wurde; denn dasselbe war für ihn dann keine Knechtsgestalt mehr.

Wenn diese Lehre die Länge der Jahrhunderte hindurch auch nicht aufrecht erhalten werden konnte, so hat man trotzdem an dem Begriff Gottesgebärerin fest­gehalten. Man hat einfach gelehrt und hat es im Jahre 1854 als Dogma festgesetzt, daß auch Maria, die Mutter Jesu, aus Davids Geschlecht ein unversuchliches Fleisch getragen haben müsse, indem sie in gleicher Weise in ihrer Mutter Anna (so soll sie nach der väterlichen Überlieferung geheißen haben.) vom heiligen Geist unbefleckt gezeugt worden sein soll, wie Jesus in Maria. Dabei übersah man natürlich, daß der heilige Geist sich ganz genau an die Verheißung Gottes halten mußte, welche Gott bei seiner Heiligkeit dem David geschworen hatte, daß der Christus dem Fleische nach aus seinen Lenden hervorgehen müsse, wenn auch das Fleisch Davids sünd­lich-versuchlich und nicht göttlich war (2.Sam.7,12-16; Ps.89). So brachte man die Gläu­bigen um den lebendigen Glauben an die Gerechtigkeit Gottes in Christo Jesu und an die Auferstehung Jesu. Aus Mangel an diesem Glauben brachte man sie auch noch um den Glauben, den Maria, David und Abraham hatten, daß der Schlangentreter Jesus Christus dasselbe Fleisch und Blut trägt, das auch die Kinder, die Abrahams Same sind, gemeinsam tragen (Hebr.2,14).

Auf diese Weise war die weitere Heilsunterweisung für ein ganzes Jahrtausend in Fesseln gelegt und wurde von einer ganz bestimmten, starren Gemeindeform zusam­mengefaßt (Offb.2,20), die in der Offenbarung mit Ahabs Weib Isabel verglichen wird, die den heidnischen Baals-Götzendienst eingeführt hatte. Diese Isabel nennt sich Prophetin und maßt sich an, die Knechte Gottes zu lehren, die doch von der Heiligen Schrift gelehrt werden müßten, und so verführt sie die Gläubigen zum Abfall von Gott, was Hurerei und Dämonendienst ist. Jede Lehrverderbnis in der Gemeinde

Seite 225

Gottes kommt von Dämonen, die hinter jeder falschen Heilsdarstellung stehen. Darum hat man nicht nur das in das menschliche Fleisch gekleidete Wort Gottes Gott, dem unvergänglichen Vater, gleichgesetzt, obwohl Jesus ausdrücklich gesagt hatte:

Der Vater ist größer als ich (Joh.14,28),

sondern man hat mit dieser Lehre auch jenem Geist Gehorsam erwiesen, welcher verlangte, zu lehren, daß der Menschensohn Jesus im natürlichen, unverwandelten, versuchlichen Fleisch die ganze Fülle der Gottheit darstellen könne.

Alle diese Auswüchse als verderbliche Irrlehren, gegenüber dem wahren Evange­lium von Jesus Christus, waren nur verschiedene und in ihrer Art verführerische Dar­stellungsformen der jüdischen Gesetzesgerechtigkeit. Denn diese Lehre von der Gesetzesgerechtigkeit stand von der Zeit Jesu an in Feindschaft mit der Heilsbot­schaft der Gottesgerechtigkeit als der Gnadenrechtfertigung und ganzen Erlösung in Christo Jesu.

In dieser Stellung erinnert uns dieser Gemeindezustand an die Zeit, in der das Volk Israel, gleichwie die Heidenvölker, Götzendienst trieb, indem es andern Göttern diente, besonders zur Zeit seiner Könige.

Das ist wieder ein kräftiger Beweis, daß auch in dieser späteren Zeit der Gemein­deentwicklung die Gläubigen aus dem Volke Gottes in der christlichen Gemeinde den Kern bildeten, die Träger derselben waren und somit die Lehreinstellung nachteilig beeinflußten.

Gerade in dieser Gemeinde, wie auch schon in der Gemeinde zu Pergamus, kön­nen wir in Verbindung mit den weiteren Ausführungen der Offenbarung Johannes deutlich die Spuren des unter die Völker zerstreuten Zwölf-Stämme-Volkes Israel erkennen und verfolgen.

Dieses Weib Isabel, das sich als Prophetin ausgibt und die Knechte des Herrn lehrt und verführt, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen, übt seinen Einfluß bis zur Zeit der Wiederkunft des Herrn aus. Das ist in diesem Sendschreiben dadurch angedeutet, daß hier zum erstenmal während der Entwicklung der Gemeinde von der Wiederkunft des Herrn zum Gericht am Ende des Zeitalters die Rede ist.

Zur Zeit der Zukunft des Herrn ist diese Isabel die große Hure, die an den vielen Wassern sitzt. Die Könige der Erde  - das sind die Staatshäupter des nationalen Vol­kes Gottes -  buhlen mit ihr und sind trunken vom Wein ihrer Hurerei (Offb.17,1-2).

Doch in diesem Sendschreiben begegnen wir nun einer weiteren Verheißung, die sich auf die Aufrichtung der ewigen Reichsgottesherrschaft bezieht und die Fortset­zung von den beiden Verheißungen bildet, die an die Überwinder der Gemeinden zu Ephesus und Pergamus gerichtet sind. Sie lautet:

Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem will ich Macht geben über die Heiden. Und er wird sie mit eisernem Stabe weiden, wie Tonge­schirr sie zerschlagen;

Seite 226

wie auch ich von meinem Vater emfangen habe. Und ich will ihm geben den Mor­genstern. (Offb.2,26-28)

Diese Wahrheit liegt dem ganzen Zeugnis der sieben Sendschreiben zugrunde. Alles, was Gott durch seinen Geist den Gemeinden sagt, soll nur Zeugnis und Hinweis dafür sein, nach welcher Ordnung sich die seinem Volk gegebenen Verheißungen im Schoße der christlichen Gemeinde entwickeln, damit sie sich zu seiner Zeit erfüllen können.

Im Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira zeigt Gott, worauf es in der Stel­lung der Gläubigen ankommt, wenn sich die Verheißungen für die ewige Reichsgot­tesherrschaft erfüllen sollen.

Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt,

lautet die göttliche Ordnung, nach der Gott die Macht darreicht, die Herrschaft über die Heiden auszuüben.

In diesem Zeugnis offenbart Gott unzweideutig klar, welchem Zweck die sieben Gemeinden dienen müssen und was für ein Geheimnis sich im Schoße dieser Gemeinden entwickeln und ausgestalten muß (Offb.1,20). Es ist das Geheimnis über die Art und Weise, wie Gott die seinem Volke verheißene ewige Reichsherrschaft auf­richtet.

Auf Grund der weiteren Offenbarungen über diese Ordnung, wie sie in den noch folgenden Sendschreiben gezeigt ist und wie wir dann ausführlich darauf hinweisen müssen, gehen wir in der Betrachtung dieses Sendschreibens nicht näher auf diese Wahrheit ein.

Wir wollen jetzt nur noch auf das wunderbare göttliche Walten hinweisen. Wenn die Gemeinde in Thyatira sich im Zustand des größten Abfalls befindet und die Fin­sternisgewalten auf die schlimmste Art sich entfalten, dann greift Gott mit seinem starken, mächtigen Arm ein und führt seinen verheißenen Heilsplan auf herrliche Weise in seiner Gemeinde hinaus. Das göttliche Gnadenwalten besteht darin, daß Gott aus diesem dürren Erdreich (einem von der Wahrheit der ganzen Erlösung völlig abgewichenen und von der Lüge beherrschten Gemeindezustand, in dem die ganze Satanstiefe wirksam ist.) heraus seine ewigen Gnadenverheißungen erfüllt und seine Reichsherrschaft zur Ausgestaltung bringt.

Dieses Walten Gottes entspricht wieder derselben Ordnung, nach der Jesus in die Welt geboren wurde. Darum erfüllt es sich in dieser Zeit wieder, was der Prophet weissagt:

Wer hat dem geglaubt, was uns verkündigt ward, und der Arm des Herrn, über wem ward er geoffenbart? Er wuchs auf vor ihm wie ein Schoß, aus dürrem Erd­reich wie ein Wurzelsproß. Er hatte keine Gestalt noch Pracht, daß wir ihn ange­schaut, kein Aussehen, daß er uns wohlgefallen hätte. (Jes.53,1-2)

 

2. Die Reichsgottesherrschaft in der fünften Gemeinde zu Sardes

Je mehr wir uns in die göttliche Ordnung der Entwicklung der christlichen Gemeinde hineinversenken, um so klarer wird es uns, wie Gott seine Heilsgedanken verwirklichen will.

Seite 227

Obwohl die Gemeinde Gottes sich so weit von der Wahrheit des Evangeliums, vom Reiche Gottes entfernt hat, läßt Gott sein Werk, das er beschlossen und den Vätern verheißen hat, doch nicht liegen. Lange Zeit darf der Feind wie im Alten Bund das Volk Gottes, so auch auf dem Boden des Neuen Bundes die Gemeinde Gottes in seinem Bann gefangenhalten und zur Lüge verführen. Der Höhepunkt dieser satani­schen Verführungskunst ist in der Gemeinde zu Thyatira erreicht. Alles ist von dem Lügeneinfluß der falschen Prophetin Isabel durchdrungen. Wie der Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert, so hat diese Isabel mit ihrem Lügeneinfluß alles durchsäu­ert, was aus den ihr vorausgegangenen drei Gemeinden an Heilswahrheiten noch vorhanden war (Matth.13,33). Wenn Gott nicht selbst durch mächtiges Eingreifen eine Wendung herbeiführen würde, könnte das verkündigte Reich Gottes nicht aufgerichtet werden. Doch bei Gott ist kein Ding unmöglich. Er hat seine sieben Geister ausge­sandt (Offb.3,1), seiner Gemeinde zu dienen, damit er über den Verführer den Sieg davonträgt und sein Reich aufrichten kann.

Darum gibt Gott der

Gemeinde zu Sardes

durch den Engel dieser Gemeinde in seinem großen Erbarmen wieder neues Licht über die Heilswahrheiten des Evangeliums (Offb.3,1-6). Um alles im göttlichen Lichte verstehen zu können, was Gott in diesem Sendschreiben offenbart, müssen wir uns daran erinnern, daß die Gemeinde zu Thyatira etwa vom Jahr 500 n.Chr. bis zur Wie­derkunft des Herrn besteht. Daraus ergibt sich, daß die Gemeinde zu Sardes während dieser Zeitdauer sich aus dieser Gemeinde zu Thyatira bilden muß, so daß dann beide Gemeinden von der Bildung der Gemeinde zu Sardes an nebeneinander beste­hen. Diese Tatsache entspricht auch der bis heute durchlebten Gemeindeentwicklung.

Darum kann die Gemeinde zu Sardes nur die Reformationsgemeinde sein; denn durch die Reformation i.J.1517 hat Gott aus der vorhandenen Finsternis der Gemeinde zu Thyatira heraus wieder neues Licht über die Heilswahrheiten der durch Christus vollbrachten Erlösung gegeben.

Lange Jahrhunderte hindurch konnte es nicht mehr erkannt und geglaubt werden, daß die Sündenschuld der Menschen einzig nur durch das Opfer Jesu Christi gesühnt wird und nicht durch Werkgerechtigkeit und allerlei heidnische Zeremonien und Buß­übungen. Das Gottesgeschenk der Reformation für die Gemeinde zu Sardes war das Licht des Evangeliums:

Der Gerechte wird durch Glauben leben. (Röm.1,17; Gal.3,11; Hebr.10,38)

Dieses Licht hat Gott dem Engel dieser Gemeinde gegeben. Indem dieser Knecht an die Rechtfertigung durch das Opfer Jesu Christi glaubte, hat er das Wort der Wahrheit des Evangeliums wieder als Zeugungssame aufgenommen und ist dadurch ein Kind Gottes geworden und in die

Seite 228

Lebensverbindung mit Jesus gekommen (Jak.1,18). Aber doch lautet das Schriftzeugnis an diesen Knecht:

Ich weiß deine Werke: du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das übrige, was sterben will; denn ich habe deine Werke nicht vollkommen erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du nun nicht wachest, so werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. (Offb.3,1-3)

Damit ist gezeigt, daß Gott wohl neue Erkenntnis über die Bedeutung des Opfers Jesu gegeben hat, aber der Lügen- und Irrtumseinfluß der Gemeinde zu Thyatira erlangte in Sardes bald wieder eine solche Macht, daß auch der Engel der Gemeinde zu Sardes diesem Einfluß wieder erlag. Wenn dies auch nicht völlig geschehen ist, so doch so weit, daß der Erkenntnisblick dieses Engels für die volle Bedeutung des Opfers Jesu verdunkelt wurde und er den lebendigen Glauben an das Evangelium nicht mehr haben konnte, daß sich dadurch das rechte Wachstum und die Ausgestal­tung für das Kommen des Herrn und die Aufrichtung seines Reiches entfalten konnte. Wie nahe ist das Volk Israel an Babel?! (Jes.47,6; 48,20) Und wie nahe ist die Gemeinde Gottes am geistigen Babel?! (Jes.47)

Die Aufforderung des Herrn an diesen Engel, über seine Gott mißfällige Stellung Buße zu tun, scheint von ihm nicht beachtet worden zu sein; denn der Herr muß ihm sagen:

So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du nun nicht wachest, so werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. (Offb.3,3)

Auch das übrige in dieser Gemeinde befindet sich im Zustand des Sterbens. Die Gerichtsankündigung des Herrn an den Engel und das Zeugnis von den übrigen weist darauf hin, daß dieser Engel darum, weil er seine Aufgabe den göttlichen Heilswahr­heiten gegenüber in seiner Untreue nicht erfüllt, von Gott nicht gebraucht werden kann, seine ewige Reichsherrschaft aufzurichten. Ebensowenig kann die ganze Gemeinde, der dieser Engel vorsteht, der Verwirklichung der göttlichen Heilsgedanken in der Ausgestaltung seiner Reichsherrschaft dienen.

Wohl lautet das Zeugnis des Herrn noch:

Aber du hast einige wenige Namen zu Sardes, welche ihre Kleider nicht befleckt haben; und diese werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. (Offb.3,4)

Und im Blick auf die Überwinderstellung in dieser Gemeinde ist gesagt:

Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden; und ich will seinen Namen nicht tilgen aus dem Buche des Lebens und will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. (Offb.3,5)

Seite 229

Diese wenigen, die ihre Kleider nicht befleckt haben und darum mit dem Herrn wandeln in weißen Kleidern, und diejenigen, die als Überwinder diesen Todeszustand des Buchstabenwissens überwinden und darum mit weißen Kleidern angetan werden, sind solche Seelen, die dem in der Gemeinde zu Sardes gegebenen Licht treu sind. Sie halten es im Glauben an das Opfer Jesu fest, daß sie nur durch dieses Opfer vor Gott gerecht sind, und beflecken dadurch ihre Heilskleider nicht mit der Gesetzesge­rechtigkeit. Aber sie können durch die Erkenntnis dieser wenigen Heilswahrheiten und ihrem Glauben daran noch nicht zum Sieg des Lebens über den Tod ausreifen. Darum kann Gott auf Grund ihrer Stellung seine den Vätern gegebenen Verheißungen, in dieser Zeit sein ewiges Reich aufzurichten, noch nicht erfüllen.

 

3. Das Verhältnis des vierten Weltreiches zum Volk Gottes bzw.
zur christlichen Gemeinde in der Zeit der sieben Häupter

Im ersten Teil der Betrachtung des vierten Weltreiches haben wir schon das Ver­hältnis gezeigt zwischen dem vierten Weltreich und dem Volk Gottes. Wir haben gefunden, daß das vierte Weltreich von Anfang an in einem erbitterten Feindschafts­verhältnis zum Volk Gottes stand. Diese Feindschaftsstellung des vierten Weltreiches ging vom Volk Gottes, dessen letzter Teil von den Römern auch unter die Völker zer­streut wurde, auf die christliche Gemeinde über, nachdem dieselbe durch die Verkün­digung des Evangeliums entstanden war. Das ist auch leicht zu verstehen; denn im Evangelium wurde die Botschaft vom kommenden Reich Gottes verkündigt, wie Gott die Verheißungen darüber schon Abraham, Isaak, Jakob und durch die Propheten gegeben hat. Aber gerade der Aufrichtung des verheißenen Reiches Gottes arbeitet Satan mit allen Mitteln entgegen.

Weil Johannes der Täufer und Jesus und nach ihnen die Apostel verkündigt haben:

Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! (Matth.3,2; 4,17; 10,7),

muß nun auch Satan seine ganze Macht aufbieten, um die Aufrichtung des ewigen Reiches Gottes zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm das vierte Welt­reich das beste und auserlesenste Werkzeug in seiner Hand.

Wenn darum von Daniel gesagt ist, daß das vierte Tier außerordentlich ab­stoßend, schrecklich und gewalttätig ist, große eiserne Zähne hat, mit denen es alles frißt, zermalmt und zertritt mit seinen Füßen und seine Wesensart Eisen ist, so wendet es diese Wesensart nicht nur den übrigen Reichen und Völkern gegenüber an, son­dern auch dem Volke Gottes und der christlichen Gemeinde gegenüber. Das geschieht hauptsächlich aus dem Grunde, weil das Volk Gottes der Träger der christ­lichen Gemeinde ist.

Von diesem vierten Weltreich wurden nicht nur Jesus und die Apostel und die Gläubigen ihrer Zeit um ihres Glaubens willen an Jesus

Seite 230

und an das kommende Reich Gottes auf schreckliche Art und Weise verfolgt und getötet, sondern nach ihnen auch alle, die aus dem Volk Israel und aus den Heiden an Christus und die Heilswahrheiten der Erlösung gläubig geworden waren. Zehn große und grausame Christenverfolgungen aus der Herrscherzeit der ersten beiden Häupter kommen bereits auf das Konto des vierten Weltreiches. Daraus ist zu ersehen, wie dieses vierte Weltreich von Anfang an die christliche Gemeinde und darum Gott selbst in seinem Heilsratschluß bekämpft und verfolgt hat. Es fehlt hier der Raum, um auf alle Einzelheiten der mannigfaltigen Christenverfolgungen einzugehen. Von der Ver­folgung durch Kaiser Diokletian (303-304) sei nur das Folgende gesagt: Er ließ die heiligen Schriften aufspüren und verbrennen, die christlichen Kirchen im ganzen Reich zerstören und verbot die christlichen Versammlungen. Verlust aller Ehrenämter, Ver­mögensberaubung, Gefängnis und Tod erlitt, wer den Göttern nicht opferte.

Wenn die Verfolgungen in der Zeit der Bildung und Herrschaft der weiteren Häupter nicht mehr in einem solch großen Ausmaß erfolgt sind, so ist das in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Gemeinde ihren Glauben an die Heilswahrheiten der in Christo vollbrachten Erlösung immer mehr verloren und auf Grund des Einflus­ses des Weltreiches preisgegeben hat. Es ist darum das Werk des vierten Weltrei­ches, daß es ihm in den ersten Jahrhunderten nach Christus gelungen ist, durch sei­nen Machteinfluß die Gemeinde völlig von den Heilswahrheiten der durch Christus vollbrachten Erlösung zu trennen. Wenn es auf Kosten des verheißenen Reiches Gottes ging, dann war selbst dieses gewaltige Weltreich willig und bereit, an soge­nannte Reichsgottesvertreter die weltliche Macht abzutreten. Die Gemeinde ahnte in jener Zeit nicht, welch satanischer List sie zum Opfer gefallen ist; dafür war sie völlig blind, weil sie aus sich heraus um ihrer eigenen Interessen willen nach dieser Macht strebte.

Einen großen Machteinfluß gegen die Heilswahrheiten der Erlösung räumte die Gemeinde zu Thyatira dem vierten Weltreich ein. Weil diese Gemeinde als die Isabel und falsche Prophetin selbst so vollkommen von den Heilswahrheiten abgefallen ist und sich völlig dem Götzendienst zugekehrt hat, mußte es dem zum größten Teil heidnischen Weltreich in Verbindung mit dem Einfluß dieser Gemeinde ein leichtes sein, alles das mit Feuer und Schwert zu unterdrücken und auszurotten, was auf irgendeine Weise sich wieder den göttlichen Heilswahrheiten der Erlösung zuwenden wollte.

Von der Zeit an, wo diese Isabel als ein christliches Lehrsystem ihren Lehreinfluß ausübte, erfolgten alle zukünftigen Christenverfolgungen nur noch auf Veranlassung dieses christlichen Lehrsystems. Das war aber darum so leicht möglich, weil dieses System zum Teil selbst an der Staatsmacht mitbeteiligt war und deshalb auch einen so großen und bestimmenden Einfluß bei den Staatsoberhäuptern hatte. Wie das vor­herrschende Volk im vierten Weltreich das Eisenvolk d.i. das Chaldäer- oder Babel­volk genannt ist, so ist dieses christliche System das geistige Babylon. Jungfrau, Tochter Babel und Tochter der Chaldäer, sowie Beherrscherin der Königreiche, nennt sie schon der Prophet Jesaja (Jes.47,1). Weil Gott über sein Volk

Seite 231

als seinem Erbteil sehr erzürnt ist, entweiht er es und gibt es (einschließlich des treuen Teiles der christlichen Gemeinde) in die Gewalt dieser Tochter Babel und Tochter der Chaldäer (Jes.47,6). Auf diese Weise entwickelt sich eine widergöttliche, geistlich-weltliche, herrsüchtige Gemeindeform, die von der Heiligen Schrift das Hurenweib Babylon genannt wird (Offb.17,1-5), die in ihrer Geltungssucht die Men­schen verfolgt, die ihre Rechtfertigung nicht in ihr, sondern im Wort Gottes zu erken­nen trachten.

Darum ist auch in der Offenbarung von dieser Hure gesagt:

Ich sah das Weib trunken von dem Blute der Heiligen und von dem Blut der Zeu­gen Jesu; und ich verwunderte mich gar sehr, als ich sie sah.  (Offb.17,6)

Im Weströmischen Reich kommt dieses geistliche Babylon in dem Maß zur Gel­tung, wie die äußere Macht des Reiches zerfällt; diese geistliche Stadt Babylon ist es, die durch das verführerische und anmaßende Aufnötigen ihrer Lehrsätze die noch übrigen, ihrem Einfluß noch nicht unterworfenen arianisch-christlich-germanischen Reiche bezwingt.

Das alles zeigt uns, in welch innigem Verhältnis dieses christliche System als die Babylon und Mutter der Huren zu dem vierten Weltreich steht. Nicht das Weltreich macht Gott in dieser Zeit in erster Linie für das viele geflossene Märtyrerblut verant­wortlich, sondern dieses religiös-christlich-heidnische System (Offb. 18,24). Darum erfährt dieses Weib zur Zeit der Zukunft des Herrn auch ein so schreckliches Gericht von Gott, wie es in Jesaja Kapitel 47 und in Offenbarung Kapitel 17 und 18 bezeugt ist.

Dieselbe Feindschaftsstellung, die das vierte Weltreich als Volk zum Volk Gottes und zur christlichen Gemeinde einnimmt, nimmt auch dieses Weib als christliches System zum verheißenen und von Jesus verkündigten Reiche Gottes ein. Sie übt ihren Einfluß während der ganzen Zeit der Herrschaft der Häupter des vierten Weltrei­ches, also bis zur Wiederkunft Jesu aus, und zwar immer in Verbindung mit dem, dem Reiche Gottes feindlich gesinnten vierten Weltreich (Offb.17,7-18).

Nur auf ihre Veranlassung und ihren bestimmenden Machteinfluß konnten die Herrscher der verschiedenen Häupterreiche, wie z.B. Kaiser Konstantin der Große und viele andere mehr, den Gläubigen gegenüber ihr Schreckensregiment ausüben.

Im Jahre 319 nach Christus erklärte bereits eine Synode zu Arles, jede Amts­handlung dieses christlichen Babelsystems müsse als gültig angesehen werden. Die Staatsgewalt mußte dann schon gegen die sogenannten Donatisten einschreiten. (Anhänger eines Donat, welcher zur Heiligkeit des Sakraments auch die Heiligkeit der Person verlangt, die es spendet.) Da die Donatisten viel zahlreicher waren als ihre Gegner, konnten sie nicht sehr schnell unterdrückt werden.

Kaiser Konstantin der Große - er blieb bis an sein Lebensende heidnischer Ober­priester, - ließ gleich dem König Herodes d.Gr. etliche seiner nächsten Familienange­hörigen töten, und ob er sich am Totenbett noch taufen ließ, läßt sich geschichtlich nicht nachweisen. Dieser Kaiser

Seite 232

griff 325 n.Chr. auf dem Konzil zu Nicäa entscheidend in das Glaubensbekenntnis der Gläubigen ein, indem er die Lehrsätze der an Zahl kleineren, aber ihm ergebenen Bischöfe durchsetzen ließ. Von hier ab schreitet die der weltlichen Herrschaft ange­paßte Lehrsatzbildung fort und kommt erst etwa dreihundert Jahre später einiger­maßen zur Ruhe.

Kaiser Julian, der Abtrünnige, regiert gegen die Christen (361-363).

Theodosius der Große (379-395, anfangs Oströmisches Reich, später gesamtrö­misches Reich) und Gratianus (375-383, Weströmisches Reich) machten der Reli­gionsfreiheit ein Ende zugunsten der Religion babylonischer Heiligkeit. Fortan galt der Kampf nicht nur dem Heidentum, sondern auch allen nichtstaatschristlichen Gemeinden und christlichen Richtungen. Kaiserliche Edikte schrieben vor, was geglaubt werden müsse. Theodosius erließ nicht weniger als fünfzehn Gesetze gegen die Ketzer. Seit der Synode von Konstantinopel mußte nun jeder römische Bürger ein orthodoxer Christ sein, d.h. zur Staatskirche gehören. Jeder andere Standpunkt wurde als Verbrechen angesehen.

Theodosius II. (408-450, Oströmisches Reich) hat nicht weniger als sechzig Gesetze gegen die Ketzer erlassen, darunter auch solche gegen die Wiedertäufer. Justinian (527-565, Ostrom) erneuert und verschärft die Ketzergesetze.

Das sogenannte Corpus juris civilis, die berühmte Gesetzessammlung des Justi­nian, enthält auch die christlichen Lehrerlasse dieses Kaisers. Der dritte Teil erhebt die Beschlüsse der großen religiösen Synoden zu Gesetzen, über die jede weitere Verhandlung staatsrechtlich verboten wird. Ein ganzer Abschnitt handelt von den Wiedertäufern. Da das römische Recht in fast allen europäischen Staaten Aufnahme fand, so kamen auch die Gesetze gegen die Ketzer überall in Anwendung. Von Zeit zu Zeit wurden sie neu eingeschärft und durch Zusätze verschärft, und es wurde strenge Handhabung derselben befohlen. Zahlreiche Synoden des Mittelalters drangen auf die Ausführung der bürgerlichen Ketzerstrafen. Unter dem Einfluß ihrer lateinisch-christ­lich gesinnten Gemahlinnen wechselten der Frankenkönig Chlodwig (495) und der Westgotenkönig Rekkared (586) ihr christliches Glaubensbekenntnis.

Kaiser Karl der Große (768-814) ist von der Richtigkeit der lateinisch-staatsamt­lich-christlichen Lehre, vielleicht durch die Einsicht in ihre scheinbar staatsfördernde, herrschaftserleichternde Nützlichkeit überzeugt, dahin gekommen, daß er das Weströmische Reich unter päpstlichen Krönungsfeierlichkeiten in neuer Form aufle­ben ließ; er führte die lateinisch-christliche Lehrauffassung amtlich im ganzen Reich ein (auch im bereits christlichen Rheinland und Rheintal bis zum Bodensee) und benutzte sie zum Zweck und Vorwand, in seinen Kriegen die übrigen noch heidni­schen germanischen Völker sich zu unterwerfen und zehntenpflichtig zu machen.

Die Kaiser des Römischen Reiches deutscher Nation (962-1254) lieferten trotz der Auseinandersetzung über die Zuständigkeit von allerlei geistlich-weltlichen Machtbe­fugnissen (oder als Ausgleichsgaben?) die Gläubigen als Ketzer an die schließlich staatsgesetzlich eingeführten Ketzer- und Inquisitionsgerichte zum Tode aus.

Seite 233

Kaiser Otto I. ließ sich 962 in Rom vom Papst zum Deutschen Kaiser krönen. Im Jahre 1184 beschlossen in Anwesenheit des Papstes Lucius III. und des Kaisers Friedrich I. Barbarossa die geistlichen und weltlichen Fürsten, daß alle Obrigkeiten gegen die Ketzer vorgehen sollten, unter Androhung der Exkommunikation im Unter­lassungsfalle. Bischöfe, die ihre Pflicht gegen die Ketzer versäumten, wurden auf drei Jahre ihrer Würde enthoben. Städte, welche es versäumten, diesem Gesetze nachzu­kommen, verloren den Bischofssitz und Verkehr mit andern Städten.

Kaiser Otto IV. versprach 1209 ausdrücklich dem Papst Innocenz III. die Ausrot­tung der Ketzer. Schärfer noch als Otto IV. ging der Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen gegen die Häretiker vor, trotz des freien und aufgeklärten religiösen Standpunktes, den er persönlich vertrat, und trotz des über alle Maßen heftigen Kampfes, den er mit den Päpsten um das Recht der Weltherrschaft führte und der mit dem Untergang der Hohenstaufen (1268) endete. Der katholische Geschichtschreiber Ficker gibt zu, daß diese überaus grausamen Verordnungen des deutschen Kaisers auf Veranlassung des lateinisch-christlichen Systemes erfolgten.

Der schmähliche und ruhmlose Untergang der Hohenstaufen darf nicht so sehr der Kunst der Führung des lateinisch-christlichen Gemeindesystems zugeschrieben werden; vielmehr ist er gleich dem Zugrundegehen der anderen Häupterherrschaften nichts anderes als das göttliche Vergeltungsgericht für das millionnenfach vergossene unschuldige Blut der Gläubigen. Nach einer zwanzigjährigen schrecklichen, kaiserlo­sen Zeit, dem Interregnum (1254-1273), einer Gerichtszeit über die Feinde der unschuldig verfolgten Gläubigen, kam das Fürstenhaus der Habsburger zur Macht. Auch dieses Habsburgerreich stellte sich der lateinisch-christlichen Zwangslehre in den Dienst, und zwar so, daß das spanische Habsburgerreich unter Kaiser Karl V. und König Philipp II. (1519-1558-1598) zur Zeit der Reformation, - in Mitteleuropa leider noch im Einverständnis und mit dem ausdrücklichen Willen der beiden christlichen Bekenntnisse der Reformation nach den Reichstagsbeschlüssen des Reichstags zu Speyer (März/April 1529) -, die Ketzerverfolgungsgesetze streng erneuerte und in der Zeit bis zum Dreißigjährigen Kriege noch verschärfte. Das furchtbare Gericht des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) darf wiederum nicht davon abgeleitet werden, daß das Vorhandensein der Reformation den Anlaß zum Kriege gegeben hätte. Es sei denn, daß der Führung der lateinisch-christlichen Lehrauffassung bewußt war, daß der Lehrabfall von ihr nur ein teilweiser und die Zukehr zur Heiligen Schrift noch keine gänzliche war und die römische Lehrrichtung hoffen konnte, eine gewaltsame Wieder­vereinigung der Abgefallenen zu erzwingen. Wie leicht vermag Gott, den Frieden zu erhalten oder im Krieg über die Feinde einen vollkommenen Sieg zu verleihen, wenn die Zukehr zu ihm und die Abkehr von irdischen Gewalten vollkommen geworden ist. Wir müssen den Dreißigjährigen Krieg wiederum als ein göttliches Strafgericht für das  - diesmal von beiden, bzw. den drei herrschenden christlichen Bekenntnissen -  aber­mals millionenfach vergossene Blut der Gläubigen anerkennen.

Groß war besonders im 17. und 18. Jahrhundert Frankreichs Feindschaft gegen Gottes Wort, gegen die Hugenotten und gegen die protestantischen

Seite 234

Länder (Niederlande und Deutschland), bis ihm das Gericht der französischen Revo­lution (1789) ein Ziel setzte, wobei das Königshaus, die ganze ehemals weltlich regie­rende Schicht des Landes und dazu ein Teil der geistlichen Herrschaft des Volkes unter dem Richtbeil des gottentfremdeten Pöbels die göttliche Vergeltung fanden. Napoleon Bonaparte war bald darauf die Geißel und Zuchtrute für das von Revolution noch verschont gebliebene, aber in der Verfolgung der Gläubigen noch immer recht unduldsame übrige Europa. Hatte doch der Westfälische Friede nur den beiden prote­stantischen Bekenntnissen Religionsfrieden und Duldung gebracht, nicht aber den Gläubigen überhaupt. Nur in England hatten die größeren Gemeinschaftsrichtungen bereits Duldung erlangt.

Ein kleiner Fortschritt in der Behandlung der christlichen Gemeinde zum Guten machte sich in Österreich unter Kaiser Franz Joseph II. (1765-1790) bemerkbar. Er duldete die Protestanten und beseitigte die Leibeigenschaft der Bauern (1781). Dieser Staat war es mit, welcher Papst Clemens XIV. veranlaßte, den Jesuitenorden (1773) aufzuheben.

So wenig gottesfürchtig der zu dieser Zeit sich wunderbar emporarbeitende König Friedrich der Große von Preußen erscheinen mag, göttlichen Segen und göttliche Errettung von übermächtigen Feinden im Siebenjährigen Krieg erlangte er doch, offenbar nur darum, daß er die Ausnahmegesetze gegen die Gläubigen (gegen die sogenannten Ketzer), wenn schon nicht aufhob, aber dessenungeachtet doch nicht erlaubte, sie anzuwenden. Es sollte jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden dürfen.

Die deutschen Staaten wurden in der Folgezeit zu Bahnbrechern des Schutzes aller Gläubigen in Mitteleuropa und darüber hinaus. 1850 und 1869 wurde die Bevor­zugung des staatschristlichen Bekenntnisses ganz beseitigt und uneingeschränkte Gewissensfreiheit eingeführt, nachdem bisher in den römischen Staatengebilden das staatschristliche Bekenntnis anderthalbtausend Jahre lang vorherrschend und maß­gebend gewesen ist.

Ohne Deutschland keine Reformation, ohne Reformation in der Hauptsache unter den Germanenvölkern keine Ausbreitung des Wortes Gottes und ohne Gottes Volk keine Rettung der Welt.

Aus dem allem sehen wir, welche Stellung das vierte Weltreich in der Zeit der sie­ben Häupter zum Volk Gottes bzw. zur christlichen Gemeinde eingenommen hat. Bit­ter schwer hat die christliche Gemeinde und besonders die treuen Gläubigen den gottfeindlichen Einfluß durch viel Bedrückung, Unterdrückung und Verfolgung bis auf den Tod ertragen müssen. Buchstäblich erfüllte sich bis zum siebenten Haupt die Weissagung Daniels von dem vierten Tier als dem vierten Weltreich. Weil sich der Ton mit dem Eisen verbunden hat, war sein Einfluß trotz der Zukehr zum Wort Gottes doch gegen die lateinische, vom Eisenvolk ausgehende Gottesfeindschaft noch sehr gering.

<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>