Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

 Joh. E. Keller

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Der Bräutigam

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A. Das Geheimnis von den zehn Jungfrauen

„Dann wird das Himmelreich zehn Jungfrauen gleichsein.“ (Matth.25,1)

1. Die Gleichnisse Jesu vom Himmelreich schildern
gegenwärtige Gemeindezustände

Das in diesen Worten von Jesus geschilderte Gleichnis gehört zu einer Reihe von Aussprüchen, in denen Jesus die Ordnung und das Wesen des Himmelreichs nach einer ganz besonderen Seite hin erklärt. Auf die Frage der Jünger Jesu:

„Warum redest du in Gleichnissen mit ihnen?“ (Matth.13,10),

antwortete der Herr:

„Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Himmelreiches zu verstehen; jenen aber ist’s nicht gegeben.“ (Matth.13,11)

Folglich behandelt der Herr in diesen Gleichnissen

die Geheimnisse des Himmelreichs.

Würde das besser verstanden, daß das Himmelreich Geheimnisse darstellt, dann wären nicht so viele falsche väterliche Überlieferungen darüber vorhanden, daß man nach dem Tode ins Himmelreich eingehe. Die Kinder Gottes hätten eine andere Erkenntnis, wenn sie die in den Gleichnissen dargelegten Geheimnisse des Himmel­reichs dem wahren Sinn nach kennen würden.

Wenn wir die sieben Gleichnisse von Matthäus 13 mit den sieben Sendschreiben von Offenbarung 2 und 3 vergleichen, so finden wir in diesen Zeugnissen einen ein­heitlichen Grundgedanken. In den sieben Gleichnissen ist das Himmelreich in sieben verschiedenen Ordnungen erklärt, und zwar dergestalt, daß sich immer der nächstfol­gende Himmelreichszustand entwicklungsgemäß aus dem vorhergehenden ergibt. Die gleiche Ordnung weisen die sieben Sendschreiben auf. Sie stellen eine siebenfache Gemeindeordnung dar, in der sich ebenfalls der nächstfolgende Gemeindezustand

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aus dem vorhergehenden entwicklungsgemäß ergibt. Dieser Vergleich beweist, daß die sieben Himmelreichsgleichnisse und die sieben Sendschreiben von ein und der­selben Ordnung reden, nämlich von der siebenfachen Gemeindeordnung, wie sie sich von der Zeit der Apostel Jesu Christi an bis zur Zeit der Wiederkunft des Herrn durch­wirkt. Die Gegenüberstellung dieser Zeugnisse läßt erkennen, daß jeweils ein Gleich­nis inhaltlich und zeitlich mit einem Sendschreiben zusammenfällt, und zwar in der gegebenen Reihenfolge.

Auf den Zustand der Gemeinde zu Ephesus, als der ersten Gemeinde, in der durch den Vorsteher dieser Gemeinde die erste Liebe verlassen und nicht mehr zurückerlangt wurde (Offb.2,1-7), konnte nur der Zustand der Gemeinde zu Smyrna fol­gen. Dieser zweite Gemeindezustand fand Ausdruck in der Trübsal und Armut des Vorstehers dieser Gemeinde, ferner in der Lästerung der Synagoge des Satans und in den zehn Tagen Trübsalszeit, in der die Gläubigen ihre Treue zum Herrn mit dem Tode besiegeln mußten (Offb.2,8-11).

Auf diesen zweiten Gemeindezustand konnte nur der Gemeindezustand der Gemeinde zu Pergamus folgen. Dieser dritte Gemeindezustand ist in der Weise dar­gestellt, daß die im geistigen Leben geschwächte Gemeinde ihre Selbstständigkeit aufgab, indem sie ihren Halt durch anlehnen an die Weltmacht suchte und dadurch ihren Wohnsitz da hatte, wo der Satan wohnt. Dies brachte aber auch den Irrtum der Bileamslehre, die Religion durch weltliche Unterstützung zu betreiben, und die Lehre des Nikolaitentums mit sich, durch das die weltlichen Herrschgelüste auch in die Gemeinde hineingetragen wurden (Offb.2,12-17).

Es entspricht dem Wesen der Abwärtsbewegung in der Gemeinde, daß sich aus dem Zustand der dritten Gemeinde nur der Gemeindezustand der Gemeinde zu Thya­tira ergeben konnte. Der Zustand dieser Gemeinde ist dadurch charakterisiert, daß sich das Weib Isebel zur Prophetin, d.h. zur Lehrerin der Gemeinde macht und sie die Knechte des Herrn lehrt und verführt, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen. Dadurch wurde die Tiefe des Satans in dieser Gemeinde offenbar, indem alles gei­stige Leben, was aus den ersten drei Gemeinden noch vorhanden war, durch den verderblichen Lügeneinfluß der Isebellehre durchsäuert, zerstört und vernichtet wurde (Offb.2,18-29).

Weil Gottes Plan und Ratschluß aber durch die Wirkung des Einflusses Satans doch nicht aufgehalten und verdrängt werden kann, mußte aus dem Zustand der vierten Gemeinde wieder

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der Zustand der Gemeinde zu Sardes hervorgehen. Während in der vierten Gemeinde die Tiefen des Satans wirksam sind, gibt der Herr in der fünften Gemeinde wieder neues Licht über die Wahrheit des Evangeliums und dadurch neues geistiges Leben. Diese Erneuerung im geistigen Leben konnte aber in dieser fünften Gemeinde noch nicht zur Vollendung führen; denn durch falsche Einschätzung der eigenen Werke und durch mangelhafte Pflege des erlangten geistigen Lebens ging dasselbe wieder verlo­ren (Offb.3,1-6).

Die vom Herrn selbst bewirkte geistige Erneuerung in der fünften Gemeinde, durch die das Wort Gottes der Allgemeinheit zugänglich wurde, führt zum Zustand der Gemeinde zu Philadelphia. Dieser Gemeindezustand ist dadurch gekennzeichnet, daß der Herr die geöffnete Tür für die Erkenntnis der Wahrheit der ganzen in Christo voll­brachten Erlösung gibt. Indem diese Erlösungswahrheit in Geduld völlig bewahrt wird, führt das zur Bereitschaft für die Wiederkunft des Herrn und dadurch zur Vollendung des Tempels Gottes (Offb.3,7-13).

Es entspricht der Art der Offenbarung des Teufels und Widersachers der Wahrheit der in Christo vollbrachten Erlösung, diese Wahrheit nicht zu ihrem vollen Sieg kom­men zu lassen. Aus diesem Grunde übt dieser Widersacher schon innerhalb der Gemeinde zu Philadelphia durch die Synagoge des Satans seinen bösen Einfluß gegen die Wahrheit der ganzen Erlösung als Sieg des Lebens über den Tod aus. Die­ser verderbliche Lügeneinfluß führt schließlich zu dem Zustand der Gemeinde zu Lao­dicea, der dem geistigen Sinn nach gerade das Gegenteil von dem Zustand der Gemeinde zu Philadelphia darstellt. Während in der letztgenannten Gemeinde die Wahrheit der Gottesgerechtigkeit völlig anerkannt und bewahrt wird, bis der Herr wie­derkommt, wird in der Gemeinde zu Laodicea die eigene Gerechtigkeit im Vollsinn des Wortes anerkannt und vertreten, das führt dann dazu, daß der Herr diese Untreuen aus seinem Munde ausspeit, d.h. richtet (Offb.3,14-22).

Diese Darstellung des Inhalts der sieben Sendschreiben beweist klar, daß damit nicht nur der Zustand der Ortsgemeinden aus der ersten Gemeindezeit berichtet ist. Der Inhalt der sieben Sendschreiben ist vielmehr der Bericht über die siebenfache Auswirkung der Gemeindeentwicklung, wie sie sich von der Zeit der Apostel an bis zur Wiederkunft des Herrn durch die Jahrhunderte hindurch gestaltet.

Vergleichen wir nun mit diesen sieben Gemeindezuständen

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die sieben Gleichnisse von Matthäus 13, in denen der Herr die Geheimnisse des Himmelreichs darlegt, so finden wir, daß der Zustand der Gemeinde zu Ephesus, in dem das apostolische Zeugnis sich anfänglich in der Kraft des Geistes durchwirkte, während aber auch der Abfall von der ersten Liebe sich schon zeigte, dem Ausstreuen des Samens des Wortes Gottes auf das viererlei Ackerfeld entspricht (Matth.13,3-9. 18-23).

Wenn sich in der Gemeinde zu Smyrna nebst dem geistigen Mangel, als der verlo­rengegangenen ersten Liebe, die Satansschule befindet, so entspricht das dem zwei­ten Gleichnis des Herrn, nach welchem während des Schlafens der Knechte, der Feind seinen Unkrautsamen des Irrtums ausstreuen konnte. Weil wir unter diesen satanischen Werken nicht die Sünde als Gesetzesübertretung sehen müssen, son­dern Irrlehren und falsche Systeme in der Entwicklung der Gemeindezustände, so können wir verstehen, warum Echtes und Falsches bis zur Erntezeit zusammenblei­ben soll. Auf die persönliche Gesetzesübertretung im Leben der Kinder Gottes könnte sich das unmöglich beziehen (Matth.13,24-30. 36-43).

Wenn sich die Gemeinde im dritten Entwicklungsstadium, in der Gemeinde zu Pergamus, mit der Weltmacht verbindet und die Gemeinde sich zu der götzendieneri­schen Lehre Bileams und der Nikolaiten bekennt, so ist dieser Zustand nach dem dritten Gleichnis des Herrn dem Senfkorn gleich, das vom kleinsten Samen zu einem Baum wird, unter dessen Zweigen allerlei Vögel des Himmels nisten können. Trotz der gewaltigen Ausdehnung zeigt aber doch der Vergleich des Baumes mit dem Kraut, von welch kurzer Dauer eine solche widerchristliche Verbindung der christlichen Gemeinde mit der Weltmacht und dem Götzendienst ist (Matth.13, 31-32).

Der Lehre der Prophetin Isebel in der vierten Gemeinde und der sich in dieser Gemeinde auswirkenden Tiefen des Satans entspricht das Gleichnis, wenn ein Weib den Sauerteig nimmt und ihn unter drei Scheffel Mehl mengt, so daß der ganz Teig durchsäuert wird. Die drei Scheffel Mehl weisen auf die drei vorausgegangenen Him­melreichszustände bzw. Gemeindezustände hin. Sie werden von der götzendieneri­schen Lehre der Prophetin Isebel ganz durchdrungen, so daß das Licht des Evange­liums nicht mehr scheint (Matth.13,33).

Hier ist in Matthäus 13 nun eine Unterbrechung und Wiederholung bis zum 44.Vers, um dadurch den Zeitraum zu zeigen, den die Entwicklung der Gemeinde zu Thyatira braucht. Daß diese Zeit aber bis zum Ende der Gemeindezeit bestehen wird, ersehen

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wir daraus, daß in diesem Gemeindezustand sich der Unkrautsame so lange durchwirkt, bis er am Ende der Weltzeit mit Feuer verbrannt wird (Matth.13,36-43).

In der Gemeinde zu Sardes wird Gottes Wort der Masse des Volkes vermittelt, so daß es zu einer persönlichen Erfahrung geistigen Lebens führt, wie es seit der Apo­stelzeit in der Gemeinde nicht mehr erlebt wurde. Das zeigt der Herr im Gleichnis mit dem verborgenen Schatz im Acker, der von einem Menschen gefunden und verborgen wird. Aus Freude über den Schatz verkauft er gerne alles, was er bisher an selbster­wähltem Gottesdienst besaß, um den Acker mit dem Schatz des Wortes Gottes, das zum Besitz des persönlichen geistigen Lebens führt, zu kaufen (Matth.13,44).

Wenn aber in der Gemeinde zu Philadelphia der Heilige und der Wahrhaftige dem Engel dieser Gemeinde  - und damit auch der Gemeinde -  mit dem Schlüssel Davids aufschließt, so daß in der Treue zum Wort des Herrn die Bereitschaft erlangt wird, dem Herrn zu begegnen, ist das wieder die eine köstliche Perle der Wahrheit, welche mit dem Geheimnis des Schlüssels Davids dargestellt ist, um deretwillen man wie­derum gern allen anderen geistigen Besitz verkauft, um die köstliche Perle zu erlan­gen (Matth.13,45).

Den siebten und letzten Gemeindezustand, nämlich den Zustand der Gemeinde zu Laodicea, vergleicht der Herr mit dem Netz, in dem allerlei Gattung Fische zusam­mengebracht werden, damit am Ende der Weltzeit die Gerechten von den Bösen geschieden werden (Matth.13,47-50).

Dieser Vergleich zeigt recht klar, daß die Gleichnisse Jesu von Himmelreich keine solchen Zustände schildern, die sich auf eine Zeit nach dem Tode beziehen, sondern es ist vielmehr die praktische Realität des Himmelreiches in dieser gegenwärtigen Zeit gezeigt. Darum gilt es, heute sich den rechten Platz im Himmelreich zu sichern, wenn man am Ende nicht als der entwickelte böse Unkrautsame vom Herrn verbrannt wer­den soll.

 

2. Die zehn Jungfrauen sind Kinder Gottes

Zu den Gleichnissen, die das Himmelreich in der Gestalt der gegenwärtigen Gemeindezustände darstellen, gehört auch

das Gleichnis von den zehn Jungfrauen.

Der Herr vergleicht das Himmelreich für die Zeit seiner Wiederkunft deshalb mit zehn Jungfrauen, weil er in diesem

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Gleichnis seinen Jüngern ganz besondere Ereignisse mitteilen will, die sich in der Zeit des Endes nur unter den Kindern Gottes auswirken, die durch ihren lebendigen Glauben an ihren Heiland und Erlöser der Vergebung ihrer Sünden gewiß sind.

Jungfrauen sind dem Herrn verlobte Seelen, die auf dem Boden der in Christo vollbrachten ganzen Erlösung ihrem Herrn in Reinheit zugeführt werden sollen (2.Kor.11,2). Nach dem Zeugnis der Offenbarung beflecken sich die Jungfrauen nicht mit den Weibern (Offb.14,4-5). Diese Weiber sind aus der Satansschule hervorgegan­gene und darum der Wahrheit der in Christo Jesu vollbrachten Erlösung entgegenste­hende menschlichreligiöse Systemgebilde (Offb.2,9; 3,9). Sie halten die Menschen im Bann ihrer falschen Lehren fest und ziehen sie dadurch vom Herrn und der Wahrheit ab (2.Petr.2,1-3). Die Jungfrauen dagegen, die sich mit diesen widergöttlichen Lehrge­bilden nicht einlassen, sondern sich von ihnen völlig fernhalten, folgen dem Lamme nach, wohin es geht (Offb.14,4). Darum wird in ihrem Munde auch kein Betrug erfun­den; und sie sind deshalb in ihrer Stellung zur Wahrheit des in Christo vollbrachten ganzen Erlösungssieges und somit zu ihrem Retter unsträflich (Offb.14,5). In der Offen­barung ist dann noch von der Hochzeit des Lammes berichtet und erklärt, daß sich sein Weib zu dieser Hochzeit bereitet hat (Offb.19,7-9). Das Hochzeitskleid dieses Wei­bes, das auch die Braut des Lammes genannt ist, ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Mit diesen Zeugnissen ist erklärt, daß dieses Weib, als die Braut des Lammes, von den Jungfrauen dargestellt wird, die dem Lamme folgen, wohin es geht.

Diese wenigen Worte aus dem Neuen Testament erklären, was Jesus in diesem Gleichnis mit der Bezeichnung „Jungfrauen“ sagen will. Das heißt mit anderen Wor­ten: Es wird daraus erkannt, was unter diesen Jungfrauen verstanden werden muß. Es sind Kinder Gottes, die ihren Heiland und Erlöser im lebendigen Glauben erfaßt haben. Damit fallen alle Meinungen und Deutungen nach väterlicher Überlieferung, daß die törichten Jungfrauen keine Gotteskinder seien, dahin. Eine dem Herrn ver­lobte Jungfrau kann man nur sein, wenn man auf dem Boden der erlebten Sünden­vergebung steht (Matth.9,2; Eph.1,7; 1.Joh.2,12). Wie verschieden diese Gläubigen in ihrer Stellung zu ihrem Herrn sonst auch stehen mögen, ist eine andere Sache. Aber in einem Punkt müssen alle Jungfrauen, also die klugen und die törichten auf einem Boden stehen; sie müssen der Vergebung ihrer Sünden gewiß sein und das Zeugnis der Gotteskindschaft in ihrem Geiste haben (Röm.8,15-16). Sie

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müssen versiegelt sein mit dem Heiligen Geist der Verheißung (Eph.1,13-14) und durch den Glauben gerechtfertigt, Frieden haben mit Gott (Röm.5,1). Wer auf diesem Boden nicht steht, der gehört auch nicht zu der Schar der Gläubigen, mit denen in diesem Gleichnis das Himmelreich verglichen ist.

Einen weiteren Beweis dafür, daß die törichten Jungfrauen keine Weltmenschen, ja nicht einmal sogenannte fromme Christenleute sind, ersehen wir daraus, daß alle zehn Jungfrauen, also die klugen und die törichten, ihre Lampen nehmen und dem Bräutigam entgegengehen. Eine solche Stellung zu dem kommenden Bräutigam neh­men unbekehrte Christen niemals ein; denn sie rechnen mit dem bestimmten Kommen des Bräutigams nicht ernstlich.

Was es bedeutet, daß es gerade zehn Jungfrauen sind, wird später noch erklärt werden.

 

3. Die zehn Jungfrauen stellen den Zustand des Himmelreichs
zur Zeit der Wiederkunft Christi dar

Wenn wir aus den Gleichnissen Jesu, die von dem Himmelreich reden gesehen haben, daß damit die gegenwärtige Gemeindezeit bezeichnet ist, so ist es für die Kin­der Gottes von besonderer Wichtigkeit, auch die Zeit erkennen zu können, wenn die in dem Gleichnis der zehn Jungfrauen geschilderten Ereignisse sich auswirken. Denn um der Wichtigkeit dieser Begebenheiten willen müßte doch jedes Kind Gottes ernst­lich darum besorgt sein, das hier Gesagte recht zu verstehen. Mit dem einleitenden Bindewort „dann“ unterweist Jesus selbst seine Jünger über die bestimmte Zeit, in der sich die in diesem Gleichnis genannten Ereignisse auswirken.

Zur genauen Feststellung der Zeit, in der sich diese Ereignisse auswirken, müs­sen wir beachten, daß das 24. und 25.Kapitel eine Rede des Herrn darstellen. Wir dürfen uns durch die später erfolgte Kapiteleinteilung nicht stören lassen. Durch das zeitbestimmende Bindewort „dann“ steht das Gleichnis der zehn Jungfrauen mit den Ausführungen des Herrn vom 24.Kapitel in direkter Verbindung. Weil die Jünger Jesu besonders nach dem Zeichen seiner Zukunft und dem Ende der Weltzeit fragen (Matth.24,3), deshalb beantwortet der Herr in dem Nachfolgenden auch diese Frage der Jünger damit, daß er ihnen die Ereignisse von der Zeit seiner

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Zukunft und der Endzeit schildert. Deshalb weist das einleitende Wort „dann“ im 25.Kapitel auf die Ereignisse hin, die von Jesus im 24.Kapitel als die Ereignisse für die Zeit seiner Wiederkunft und vom Ende der Weltzeit erklärt sind. Somit ist zu dieser Zeit  - und zu keiner früheren oder späteren -, wenn diese im 24.Kapitel geschilderten endzeitlichen Ereignisse sich auswirken, der Himmelreichszustand solcherart, wie ihn die zehn Jungfrauen in ihrer Person und in ihrer Stellung nach den Ausführungen Jesu in diesem Gleichnis darstellen.

Es ist also auch nicht so, wie man es leichthin so gern deuten möchte, daß sich das Gleichnis der zehn Jungfrauen in seiner Erfüllung zeitlich an die im 24.Kapitel geschilderten Endzeitereignisse anschließt. Mit dem zeitbestimmenden Bindewort „dann“ ist vielmehr gesagt, daß sich der Zustand der Gläubigen, so wie er in dem Gleichnis erklärt ist, in der ganzen Zeit durchwirkt, in der sich die im 24.Kapitel bezeugten endzeitlichen Ereignisse erfüllen. Wir haben es darum so anzusehen, daß die Ereignisse im 24.Kapitel mit den Ereignissen des Gleichnisses der zehn Jung­frauen miteinander parallel laufen. Ein Unterschied muß nur darin beachtet werden, daß Jesus im 24. Kapitel vorwiegend mehr die weltlichäußerlichen Ereignisse kundtut, während er in dem Gleichnis im 25. Kapitel ausschließlich die innere Stellung der zehn Jungfrauen  - also der Kinder Gottes -  zeigt, die sie in der Endzeit zum Kommen des Bräutigams haben. Die Erkenntnis darüber, daß die Erfüllung des Gleichnisses von den zehn Jungfrauen in die Zeit fällt, in der sich die äußeren endzeitlichen Ereig­nisse, zusammen mit den Ereignissen von der Zukunft des Herrn auswirken, ist für jedes Kind Gottes von größter Wichtigkeit.

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B. Die Lampen der zehn Jungfrauen

„ … die ihre Lampen nahmen.“ (Matth.25,1)

1. Die Lampen sind das prophetische Wort

Das erste Zeugnis das Jesus über die Stellung der zehn Jungfrauen für die Zeit des Endes ablegt, besagt, daß die Jungfrauen ihre Lampen nahmen und dem Bräuti­gam entgegengingen. Um diese Stellung und das Verhalten der zehn Jungfrauen für die Zeit der Wiederkunft des Herrn recht verstehen zu können, müssen wir als erstes zu verstehen suchen, was die Lampen der Jungfrauen dem Sinn nach bedeuten. Die Lampen sind ein Bild aus dem Natürlichen. Eine Lampe steht in direkter Verbindung mit einem Licht; denn eine Lampe ohne Licht hat keine Bedeutung. Betrachten wir daraufhin die Schrift, so finden wir, daß die Gläubigen das Licht der Welt genannt sind (Matth.5,14; Eph.5,8; Phil.2,15; 1.Thess.5,5). Aber der leuchtende Wandel der Kinder Gottes kann die Lampe nicht sein; denn einen solchen Wandel haben die ernsten Gläubigen zu allen Zeiten geführt, ohne daß sie dadurch dem Bräutigam entgegengegangen sind. Die Lampen können darum nur etwas sein, was mit dem Kommen des Bräuti­gams in direkter Verbindung steht. Die Gläubigen haben gewiß der Welt noch nie bes­ser als Licht geleuchtet, als es durch die Apostel und die Gemeinde in ihrer Zeit geschehen ist. Aber dadurch sind sie nicht dem Bräutigam entgegengegangen.

Petrus bezeichnet das prophetische Wort als ein Licht, das an einem dunklen Orte leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in den Herzen der Kinder Gottes aufgeht (2.Petr.1,19). Unter diesem anbrechenden Tag meint er den Tag, an dem der Herr in solcher Herrlichkeit offenbar wird, wie die Jünger ihn auf dem Berg der Verklä­rung gesehen haben. Mit diesem Tag bringt Petrus auch den Morgenstern in Verbin­dung, der in den Herzen der Gläubigen aufgehen soll. Die Bedeutung dieser Verbin­dung

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zwischen dem anbrechenden Tag und dem Morgenstern werden wir später noch ken­nenlernen. Petrus redet von dem prophetischen Wort, als einem Licht, in Verbindung mit der Offenbarung der Kraft und Wiederkunft des Herrn (2.Petr.1,16-18). Im Hinblick darauf schreibt er wörtlich:

„Wir halten nun desto fester an dem prophetischen Wort, auf welches zu achten ihr wohl tut als auf ein Licht, das an einem dunkeln Orte scheint, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euern Herzen; dabei bedenket das zuerst, daß keine Weissagung der Schrift ergeht aus eigener Auslegung; denn noch nie wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom heiligen Geiste getrieben redeten Menschen, von Gott (gesandt).“ (2.Petr.1,19-21)

Mit dieser Darstellung bringt Petrus das prophetische Wort in die direkte Verbin­dung mit der Zeit und dem Ereignis der Wiederkunft des Herrn. Folglich will er damit die Gläubigen darüber unterweisen, daß das prophetische Wort das Licht für die Ord­nung der Wiederkunft Jesu Christi ist. Um der großen Bedeutung willen, die diese Wiederkunft des Herrn in Kraft und Herrlichkeit hat, weist Petrus darauf hin, daß sie selbst nun desto fester an dem prophetischen Wort halten, und daß auch die übrigen Kinder Gottes wohltun, auf dieses Licht zu achten, das vorerst noch an einem dunk­len, d.h. verborgenen Orte scheint bis zur bestimmten Zeit. Diese Einstellung zu dem prophetischen Wort, als zu dem Licht für die Wiederkunft des Herrn, ist von seiten der Kinder Gottes deshalb notwendig, damit sie von diesem Licht erleuchtet werden, das heißt mit anderen Worten, damit sie daraus die rechte Erkenntnis über die Wahrheit der Wiederkunft des Herrn erlangen. Wir sind deshalb auf der richtigen Spur, wenn wir in dem von Petrus bezeichneten Licht, dem prophetischen Wort, die Lampen der zehn Jungfrauen erkennen, die sie am Ende nehmen, um dem Bräutigam entgegenzuge­hen. Der Mittelpunkt des ganzen prophetischen Wortes ist das Kommen des Herrn, bzw. das Offenbarwerden des Bräutigams. Die Schriften der Propheten sind die einzi­gen Lichter, d.h. die Lampen, die über dieses herrliche kommende Ereignis berichten und dasselbe beleuchten. Wir wissen über dies kommende Ereignis nur das, was uns das prophetische Wort darüber sagt. Eine andere Quelle, woraus wir schöpfen könn­ten, um die rechte Erkenntnis über das Kommen des Bräutigams zu erlangen, haben wir nicht. Darum sind die prophetischen Schriften

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mit Recht als die Lampen bezeichnet, die alle zehn Jungfrauen nehmen, um dem Bräutigam entgegenzugehen. Diese Kenntnis über den Sinn und die Bedeutung der Lampen der zehn Jungfrauen ist für das rechte Verständnis des ganzen Gleichnisses grundlegend.

 

2. Das Nehmen der Lampen

Zu der Zeit, wenn die Zeichen sich auswirken, durch die die Kinder Gottes die Zukunft des Menschensohnes und das Ende der Weltzeit erkennen können und auch erkennen sollen, zeichnen sich die zehn Jungfrauen in ihrer Stellung darin aus, daß sie ihre Lampen nehmen und dem Bräutigam entgegengehen. Nachdem wir erkannt haben, was die Lampen der Jungfrauen sind, müssen wir nun auch zu verstehen suchen, was das Nehmen dieser Lampen durch die zehn Jungfrauen bedeutet.

Zuerst achten wir darauf, daß es von Jesus nicht mit Worten ausgesprochen ist, was diese Kinder Gottes zum Nehmen ihrer Lampen veranlaßt. Doch der Zusammen­hang, in dem diese Art der Betätigung der Jungfrauen berichtet ist, läßt erkennen, daß es die im 24.Kapitel geschilderten und sich auswirkenden endzeitlichen Ereignisse sind, die diese Kinder Gottes zum Nehmen ihrer Lampen veranlassen. Der Herr weist in diesem Kapitel zuerst auf die Verführung der Gläubigen hin, dann auf den Krieg und die Kriegsgerüchte, ferner darauf, daß ein Volk sich wider das andere erhebt und ein Königreich wider das andere, auch daß hin und wieder Hungersnöte, Pest und Erdbe­ben sind. Diese endzeitlichen Gerichtsereignisse bezeichnet Jesus als der Wehen Anfang, d.h. als den Anfang der Gerichtszeit, die die Zukunft des Herrn und das Ende der Weltzeit begleitet (Matth.24,6-8). Im Hinblick auf die Auswirkungen dieser Endzeitge­richte unterweist Jesus seine Jünger:

„Am Feigenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt, so merket ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dieses alles sehet, so merket, daß er nahe vor der Türe ist.“ (Matth.24.,32-33)

Damit ist nun auch bewiesen, daß die zehn Jungfrauen nur durch die sich auswir­kenden endzeitlichen Gerichtsereignisse darauf aufmerksam werden, daß das Kom­men des Menschensohnes nahe ist. Diese Erkenntnis veranlaßt sie deshalb, ihre Lampen zu nehmen und dem bald kommenden Bräutigam entgegenzugehen. Wenn diese Endzeitereignisse, besonders der Krieg und die Kriegsgerüchte,

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in einer Art und Weise einsetzen, wie die Menschen dies aus der Geschichte in sol­chem Ausmaß noch nicht kennen, dann betätigen sich auch die Kinder Gottes in einer Weise, wie sie das noch zu keiner Zeit, seitdem die christliche Gemeinde besteht, so getan haben. Sie nehmen alle vereint ihre Lampen und gehen dem verheißenen, nun bald kommenden Bräutigam entgegen. Wohl haben die Gläubigen auch schon in frü­heren Zeiten auf den wiederkommenden Herrn gewartet. Doch alles Warten vor dieser Zeit war noch nie eine solch allgemeine und ernste Bewegung unter allen Kindern Gottes, mit den Lampen dem Bräutigam entgegenzugehen. Darum ist auch das Neh­men der Lampen durch die zehn Jungfrauen ein Ereignis unter den Gläubigen, durch das die Zukunft des Menschensohnes und das nahe Ende der Weltzeit von den Kin­dern Gottes erkannt werden kann.

Haben wir die Lampen der zehn Jungfrauen als das prophetische Wort erkannt, dann kann das Nehmen dieser Lampen durch die zehn Jungfrauen nur darin beste­hen, daß diese Kinder Gottes sich von der genannten Zeit an in einer bisher in der Gemeindegeschichte noch nie gekannten Art und Weise mit dem prophetischen Wort befassen. Sie zeigen für die prophetischen Schriften großes Interesse, Ernst und Eifer, um aus diesem Teil des Wortes Gottes das nötige Licht und die entsprechenden Offenbarungen über das Kommen des Bräutigams zu erlangen. Die Kinder Gottes wissen zu dieser Zeit, daß sie einzig auf diesem Weg, der ihnen durch das propheti­sche Wort gewiesen und beleuchtet wird, dem kommenden Bräutigam entgegengehen können und daß der Bräutigam nur auf diesem Wege kommt. In dieser Zeit wird es den Kindern Gottes bewußt, was Petrus über das prophetische Wort schreibt, nämlich, daß es ein Licht ist, das aber nur an einem dunklen Orte scheint, d.h. das ihnen noch verschlossen und verdunkelt ist. Sie verstehen nun auch die Darstellung dieses Apo­stels, daß dieses Licht nur solange an dem dunklen Orte verborgen scheint, bis der Tag, d.i. die Zeit von der Wiederkunft des Herrn, anbricht und dann das helle Licht des Morgensterns in ihren Herzen aufgeht. Aus dieser Überzeugung heraus üben sich die zehn Jungfrauen, fester an dem prophetischen Wort zu halten; sie achten mehr denn je auf die Schriften der Propheten. Darum besteht nach der Unterweisung von Petrus das Nehmen der Lampen durch die Jungfrauen darin, daß die Kinder Gottes fester denn vordem an dem prophetischen Wort halten und daß sie ernstlich darauf achten, als auf das für sie notwendige Licht.

Diese Erklärungen über die Bedeutung vom Nehmen der Lampen durch die Kinder Gottes in der Zeit des Endes, stimmen mit der Weissagung des Propheten Daniel völ­lig überein. Dieser

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Prophet mußte für die Zeit des Endes und für das Kommen des Bräutigams die köst­lichsten und klarsten Weissagungen aussprechen und aufzeichnen. Ihm wurde von einem Boten Gottes gesagt:

„Wisse, du Menschensohn, daß das Gesicht auf die Zeit des Endes geht!“ (Dan.8,17)

„Siehe, ich tue dir kund, was das Zorngericht für einen Ausgang nehmen wird; denn es (das Gesicht) geht auf die Zeit das Endes.“ (Dan.8,19)

„Was aber über das Gesicht vom Abend und Morgen gesagt worden ist, das ist wahr, und du sollst das Gesicht versiegeln und zwar für lange Zeit.“ (Dan.8,26)

Nachdem Daniel die Weissagungen empfangen, sie aber nicht verstanden hatte, fragte er den, der sie ihm übermittelte:

„Was wird, o Herr, das Ende von diesem sein?“ (Dan.12,8),

worauf ihm der Bote des Herrn antwortete:

„Gehe hin, Daniel! Denn diese Worte sind verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit. Viele sollen gesichtet, gereiniget und geläutert werden; und die Gottlo­sen werden gottlos bleiben, und kein Gottloser wird es merken, aber die Verstän­digen werden es merken.“ (Dan.12,9-10)

Wenige Verse vorher wurde diesem Propheten schon gesagt:

„Du aber, Daniel, verbirg diese Worte und versiegle das Buch bis auf die Zeit des Endes! Dann werden viele darin forschen, und das Verständnis wird zunehmen.“ (Dan.12,4)

Diese letztgenannte Weissagung von Daniel erklärt als erstes, wie es zu verste­hen ist, daß nach der Unterweisung von Petrus das prophetische Wort ein Licht ist, das an einem dunklen Orte leuchtet. Das ist damit erklärt, daß Daniel seine endzeitli­chen Weissagungen verbergen und das darüber geschriebene Buch versiegeln mußte bis auf die Zeit des Endes. In dieser letztgenannten Weissagung von Daniel ist aber auch unmißverständlich klar mitgeteilt, was nach der Unterweisung Jesu das Nehmen der Lampen durch die zehn Jungfrauen ist. Diese Erklärung liegt in dem, daß dem Propheten Daniel gesagt wurde, daß in der Zeit des Endes viele in seinem versiegel­ten Buche forschen werden und dann das Verständnis über seine so lange verborgen gewesenen Worte der Weissagung zunehmen wird. Wir kommen in unseren Ausfüh­rungen also zu dem durchs Wort bestätigten Ergebnis, daß das Nehmen der Lampen durch die zehn Jungfrauen in dem besteht, daß sie sich in der Zeit des Endes persön­lich mit dem prophetischen Wort befassen. Das heißt mit anderen Worten: Das Neh­men der

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Lampen ist die Stellung und Betätigung der Kinder Gottes, daß sie zu der Zeit, wenn die sich auswirkenden endzeitlichen Gerichtsereignisse die baldige Offenbarung des Menschensohnes ankündigen, mit Ernst und Eifer persönlich in den Schriften der Pro­pheten suchen und forschen, um daraus das nötige Licht über das Kommen des Bräutigams zu erlangen.

Um des leichteren Verständnisses willen soll noch die Frage beantwortet werden, wie es wohl kommt, daß die Kinder Gottes nicht schon früher durch persönliches Beschäftigen mit dem prophetischen Wort die Lampen genommen haben und dem Bräutigam entgegengegangen sind? Die Gründe, die für dieses persönliche Unterlas­sen der Kinder Gottes in Betracht kommen, haben wir in diesem Abschnitt bereits angedeutet. Nach der eben erkannten Weissagung des Propheten Daniel besteht der erste und wichtigste Grund in dem Umstand, daß Daniel seine Worte der Weissagung verbergen und versiegeln mußte bis auf die Zeit des Endes. Solange die Weissagun­gen für das Kommen des Herrn verborgen sind und das prophetische Wort versiegelt ist, können die Kinder Gottes dafür kein Verständnis erlangen.

Wenn im Buch Daniel vom Verbergen der Weissagungen die Rede ist, muß im Blick darauf auch das in Betracht gezogen werden, daß die Kinder Gottes viele Jahr­hunderte hindurch überhaupt nicht persönlich im Worte Gottes suchen und forschen konnten. Dies ist erst seit der Reformationszeit zum Teil möglich. In den Zeiten vor der Reformation waren die Gläubigen völlig von dem abhängig, was ihnen ihre geisti­gen Lehrer vom Wort Gottes verkündigten. Selbst nachdem das Wort Gottes durch die Reformation Allgemeingut des Volkes wurde, dauerte es doch noch weitere Jahrhun­derte, bis jeder einzelne Mensch die ganze Heilige Schrift als das geschriebene Wort Gottes auch besitzen konnte. Solange aber die Kinder Gottes die Heilige Schrift nicht persönlich besitzen, können sie auch nicht treu darin suchen und forschen und des­halb auch das Licht über die einzelnen biblischen Wahrheiten nicht bekommen. Um Licht und Erkenntnis über die Schriftwahrheiten bekommen zu können, müssen die Kinder Gottes persönlich in der Heiligen Schrift forschen. Solange aber die Heilige Schrift nicht von allen Kindern Gottes persönlich erworben werden konnte, war für sie das Erforschen des Wortes Gottes auch nicht möglich. In der heutigen Zeit dagegen gibt es kein treues Kind Gottes, das die Heilige Schrift nicht als persönliches Eigentum besitzt. Weil die wenigsten Kinder Gottes die

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hebräische und griechische Sprache verstehen, in denen das Alte und Neue Testa­ment geschrieben wurden, manche aber doch das Wort Gottes so gründlich wie nur möglich verstehen wollen, so besitzen sie sogar meistens mehrere Bibelübersetzun­gen, die sie in ihrem Schriftstudium miteinander vergleichen, um dadurch zu dem besten Ergebnis im Verstehen des Wortes Gottes zu gelangen.

Ein anderer, wichtiger Grund dafür, weshalb die Kinder Gottes in der früheren Zeit die Lampen in der erkannten Weise nicht nehmen und dem Bräutigam entgegengehen konnten, muß darin gesehen werden, daß sich die Zeichen, an denen die Zeit von der Wiederkunft des Herrn nur erkannt werden kann, erst in der Zeit des Endes so aus­wirken, daß die Kinder Gottes daran erkennen können, daß die Zukunft des Men­schensohnes nahe vor der Tür ist. Gott tut nichts zur Unzeit. Deshalb wirkt der Heilige Geist auch erst in der Zeit des Endes in den Kindern Gottes auf solche Weise, daß sie für die Wiederkunft des Herrn Interesse bekommen und auch für das endzeitliche Walten Gottes Verständnis erlangen. Diese Gründe bedingen es, weshalb die Kinder Gottes sich erst dann, wenn sich die endzeitlichen Ereignisse nach Matthäus 24 aus­wirken, gründlich mit dem prophetischen Wort beschäftigen und dadurch dem bald kommenden Bräutigam entgegengehen können.

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