Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

Joh. E. Keller

Bibliothek Weg zur Wahrheit

Buch  

Das Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamus 

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1.   Die Offenbarung des Herrn für den Engel der Gemeinde zu Pergamus  

a) Die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn findet in der Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus ihre Fortsetzung

In unseren Betrachtungen über das „Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter” als das „Geheimnis vom Kommen des Herrn” kommen wir nun zu dem drit­ten Sendschreiben, nämlich zum Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamus. Wie wir aus den Ausführungen über das erste und zweite Sendschreiben erkannt haben, hat sich das Geheimnis vom Kommen des Herrn in den ersten beiden Gemeinden nicht erfüllt. Es muß sich darum noch in einer der folgenden fünf Gemeinden erfüllen. Deshalb mußte der Apostel Johannes die dritte Botschaft, die er von dem Menschen­sohn bekommen hat, dem Engel der Gemeinde zu Pergamus übermitteln. Darüber heißt es:

„Dem Engel der Gemeinde zu Pergamus schreibe.” (Offb.2,12)

Daraus müssen wir schließen, daß in der Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn ihre weitere Fortsetzung findet. Das soll in den folgenden Ausführungen über die Art der Offenba­rung des Menschensohnes und über die Stellung des Engels der Gemeinde zu Per­gamus näher erklärt werden.

Die Namensbezeichnung „Pergamus” heißt zu deutsch „auf hohem Platz”. Wie bei der Gemeinde zu Ephesus und bei der Gemeinde zu Smyrna darf es als eine Offenba­rung des göttlichen Willens angesehen werden, daß sich der Herr dieses Namens bei der dritten Gemeinde bediente. Auch in diesem Namen kommt wieder die Bedeutung zum Ausdruck, die die Gemeinde zu Pergamus für das Geheimnis vom Kommen des Herrn hat.

Während am Anfang der Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn etwas „Wünschenswertes” steht und die Fortsetzung in der „Bitterkeit” = „Myr­rhe” erfolgt, findet die weitere Ausgestaltung dieses Geheimnisses ihre Fortsetzung auf hohem

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Platz. Diese Bezeichnung „auf hohem Platz” kann sich auch wieder nur darauf beziehen, unter welchen Umständen und Verhältnissen sich in der Erfahrung des Engels der Gemeinde zu Pergamus und in der Erfahrung dieser Gemeinde das Geheimnis vom Kommen des Herrn weiter ausgestaltet. Die weiteren Ausführungen über die Stellung dieses Engels und der Gemeinde werden uns dies bestätigen. 
 

b) Der Herr offenbart sich dem Engel der Gemeinde zu Pergamus als Menschensohn auf dem Boden des Vorhofs  

I. Die Offenbarung des Menschensohnes für den Engel der Gemeinde zu Pergamus ist eine Teiloffenbarung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn

Der Menschensohn beginnt seinen Bericht an den Engel der Gemeinde zu Per­gamus mit den Worten:

„Das sagt, der das scharfe, zweischneidige Schwert hat.” (Offb.2,12)

Mit diesen Worten ist auf den Anfang der Fortsetzung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn in der Gemeinde zu Pergamus hingewiesen. Es ist für den Engel dieser Gemeinde die erste Offenbarung des Einen, gleich einem Menschensohne. Diese Art der Offenbarung des Menschensohnes ist keine neue Offenbarung, sondern sie wurde schon vom Apostel Johannes in der Erscheinung des Menschensohnes geschaut (Offb.1,13.16). Was diese Offenbarung an den dritten Gemeindeengel bedeu­tet, kann deshalb nur in Verbindung mit dem Bericht darüber recht verstanden wer­den, wie dem Johannes die Erscheinung des Menschensohnes im Geheimnis gezeigt wurde:

„ … aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert …” (Offb.1,16) Die Gegenüberstellung dieser beiden Zeugnisse zeigt, daß sich der Menschen­sohn dem Engel der Gemeinde zu Pergamus in der gleichen Weise offenbart wie dem Apostel Johannes. Damit ist wieder bewiesen, daß diese Art der Offenbarung des Herrn für den dritten Gemeindeengel ebenfalls eine Teiloffenbarung des Geheimnis­ses vom Kommen des Herrn ist, wie das auch beim Engel der ersten und zweiten Gemeinde der Fall ist.  

II. Die Bedeutung der Offenbarung des Menschensohnes mit dem scharfen, zweischneidigen Schwert

Das scharfe, zweischneidige Schwert des Menschensohnes ist das von Jesus und den Aposteln verkündigte Wort Gottes im Evangelium.

Wenn wir diese Art der Offenbarung des Herrn als eine Teiloffenbarung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn erkannt haben, muß es uns nun auch klar werden, welche Bedeutung

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dieser Offenbarung des Menschensohnes für den Engel der Gemeinde zu Pergamus zugrunde liegt. Um diese Bedeutung recht erkennen zu können, müssen wir zuerst auf den Sinn des scharfen, zweischneidigen Schwertes achten. Was das scharfe, zwei­schneidige Schwert, das von dem Munde des Menschensohnes ausgeht, darstellt, haben wir schon in der Betrachtung des ersten Hauptteiles der Offenbarung erklärt *).

*) Diese Erklärung über das scharfe, zweischneidige Schwert des Menschensohnes findet sich in „Weg zur Wahrheit”, Heft Nr. 7, 8 und 9 vom XXVII. Jahrgang, Seite 220-225, sowie im ersten Band der Offenbarungsbetrachtungen, Seite 269-274. Da diese Wahrheit in diesem Abschnitt nur noch kurz erklärt wird, ist es nötig, daß sie der Leser in den angegebenen Schriften in diesem Zusammenhang nachliest.

Dieses Schwert ist ein Gerichtsmittel für die Offenbarung des Herrn als des königli­chen Richters. Das ist in diesem Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamus erklärt mit den Worten:

„Wo aber nicht, so komme ich dir bald und werde mit ihnen Krieg führen durch das Schwert meines Mundes.” (Offb.2,16)

Das scharfe, zweischneidige Schwert, das der Menschensohn hat und das aus seinem Munde ausgeht, ist das Wort Gottes als das Wort der Wahrheit des Evange­liums (Hebr.4,12-13). Es ist das Wort, das Jesus als das Wort seines Vaters geredet hat (Joh.12,49-50). Von der richtenden Bedeutung dieses Wortes erklärte Jesus:

„Wenn jemand meine Worte hört und nicht glaubt, so richte ich ihn nicht; denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt rette. Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tage.” (Joh.12,47-48)

Demnach ist dieses Wort Jesu auch der Richterstuhl Christi, vor dem alle Gläubi­gen offenbar werden müssen, damit ein jeglicher das empfange, nachdem er gehan­delt hat im Leibe, es sei gut oder böse (2.Kor.5,10).

 

Die Schärfe des Schwertes des Menschensohnes weist auf die Autorität des Wortes Gottes hin.

Daß das Schwert des Menschensohnes scharf ist, weist auf die Unwandelbarkeit des von Jesu und den Aposteln ausgesprochenen Wortes Gottes hin. Von diesem Wort Gottes wird nichts hinweggenommen und nichts hinzugetan. Was darin ausge­sprochen ist, ist in seiner Bedeutung unveränderlich und unantastbar, geradeso, wie die von der weltlichen Obrigkeit erlassenen Gesetze, nach welchen die Übertreter die­ser Gesetze gerichtet werden. In diesem Sinn steht auch geschrieben, daß die Obrig­keit das Schwert nicht umsonst trägt (Röm.13,4). Das heißt, die Obrigkeit hat um der von ihr erlassenen Gesetze willen richterliche Macht und Gewalt. Das Symbol dieser richterlichen Macht und Gewalt ist das Schwert.

Die Zweischneidigkeit des Schwertes des Menschensohnes weist auf die Wirk­samkeit dieses Gerichtsmittels hin.

Das Schwert des Menschensohnes ist nicht nur scharf, sondern auch zweischnei­dig. Damit ist als erstes wieder auf die Schärfe dieses Schwertes hingewiesen; denn ein zweischneidiges

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Schwert ist in seiner richtenden Wirkung groß. Beim Schwert des Menschensohnes muß diese große Gerichtswirkung darin gesehen werden, daß es seine Gerichtsarbeit nach zwei Seiten hin ausrichtet. Diese beiden Seiten sind in den Ausführungen im ersten Hauptteil dahin erklärt, daß das Wort Gottes als Schwert des Geistes die Untreue in der Gemeinde ebenso richtet wie die Heiden, die nicht an das Wort glau­ben (2.Thess.1,7-9). Diese Erklärung muß an diesem Platz noch ergänzt werden. Das Wort Gottes, als das Schwert des Herrn und des Geistes, übt seine richtende Wirkung als das von Jesus und den Aposteln verkündigte Wort der Wahrheit des Evangeliums aus. Das heißt mit andern Worten: Dieses Wort richtet alle die Gläubigen, die dem Evangelium nicht glauben, d.h. ihm nicht gehorsam sind. In diesem Sinn hat das Zeugnis des Apostels im Brief an die Hebräer seine volle Bedeutung, wenn er schreibt:

„Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens; und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, es ist vielmehr alles bloß und offen vor seinen Augen, und mit ihm haben wir es zu tun.” (Hebr.4,12-13)

Das Licht des Wortes des Evangeliums macht die Stellung und Gesinnung aller Kinder Gottes offenbar. Es scheidet die Wahrheit von der Lüge, das Licht von der Fin­sternis, das Geistliche vom Fleischlichen, das Göttliche vom Natürlichen. Vor ihm kann nichts von dem verborgen bleiben, was gegen das Wort des Evangeliums gerichtet ist. Weil das Wort des Evangeliums diese klar voneinander scheidende Wir­kung hat, darum hat Jesus auch gelehrt, daß er nicht den Frieden, sondern das Schwert gebracht hat (Matth.10,34-35). Dieses Wort wird von den Gläubigen oft nicht recht verstanden. Es muß aber in diesem Sinn verstanden werden und kann in diesem Zusammenhang auch gar nicht mißverstanden werden. Denn wenn der Herr in diesem Zusammenhang vom Schwert redet, das er gebracht hat, will er damit nur auf sein Wort hinweisen, durch das er die Wahrheit des Evangeliums verkündigt hat und durch dessen Einfluß die Menschen voneinander geschieden werden, und zwar in solche, die die Liebe zur Wahrheit des im Wort Gottes verkündigten Evangeliums haben, und solche, die die Ungerechtigkeit lieben und der Lüge glauben und deshalb vom Herrn gerichtet werden (2.Thess.2,10-12).

Die andere Schneide des richtenden Schwertes des Menschensohnes muß in dem Wort Gottes erkannt werden, das Jesus und die Apostel als Gerichtsandrohun­gen für die Untreue und den Ungehorsam dem Evangelium gegenüber verkündigt haben. Keine dieser im Wort Gottes angedrohten Gerichtsweissagungen bleibt uner­füllt. Die Worte Gottes, in denen diese Gerichte verkündigt sind, werden vielmehr ihre volle Gerichtswirkung in der Erfahrung der Gläubigen haben.

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III. Die Bedeutung der Offenbarung des Menschensohnes als königlichen Richters

Wenn wir erkannt haben, welches die Bedeutung des scharfen, zweischneidigen Schwertes des Menschensohnes ist, ist es nun auch wichtig, darauf zu achten, welche Bedeutung diese Art der Offenbarung des Menschensohnes für den Engel der Gemeinde zu Pergamus und seine Gemeinde hat. Diese Bedeutung zu erkennen, ist für das rechte Verständnis des ganzen Sendschreibens grundlegend. Wenn der Herr diesem Gemeindeengel mitteilen läßt, von wem die Botschaft an ihn stammt, muß diese Kenntnis für den Engel wichtig gewesen sein. Es sollte ihm klar sein, daß sein Herr als der Menschensohn für ihn der königliche Richter ist und in dieser Eigenschaft für ihn und seine Gemeinde, der er vorsteht, als solcher offenbar wird. Er kann für ihn nur mit dem scharfen, zweischneidigen Schwert offenbar werden. Deshalb soll es dem Engel bewußt werden, in welchem Verhältnis sein Herr zu ihm und seiner Gemeinde steht. Er soll wissen, daß der Herr sich ihm nicht in dem offenbaren kann, was er als Retter und Erlöser in seinem Hohenpriesterdienst im Allerheiligsten zur Rechten Got­tes in seinem unsterblichen und unverweslichen Herrlichkeitsleib, im Sieg des Lebens über den Tod, für alle Kinder Gottes darstellt. Ja, der Engel soll darüber unterrichtet sein, daß sein Herr ihm gegenüber nicht einmal als der offenbar wird, der der Erste und der Letzte ist, der tot war und lebendig geworden ist. Die Art der Offenbarung des Herrn für diesen dritten Gemeindeengel ist vielmehr auch nur ein Teil der Offenbarung dessen, wie er als Menschensohn unter den sieben goldenen Leuchtern auf dem Boden des Vorhofes wandelt. Darüber mußte der Herr den Vorsteher der dritten Gemeinde in gleicher Weise unterrichten, wie er das beim Engel der ersten und zweiten Gemeinde getan hat. Gleich den vorausgegangenen Gemeindeengeln soll auch dieser dritte Engel durch die Mitteilung des Menschensohnes erkennen, daß die Wiederkunft des Herrn und dadurch die Erfüllung der göttlichen Verheißung im Evan­gelium nicht zu der Zeit erfolgen kann, in der er als Engel der Gemeinde zu Pergamus vorsteht. Diese Offenbarung war für diesen Engel von großer Bedeutung.

Nun muß aber beachtet werden, daß, wenn der Herr sich dem dritten Gemeinde­engel in der genannten Weise offenbart, diese Offenbarung dann auch der Stellung entspricht, die dieser Engel einerseits zu ihm als dem Retter und Erlöser und anderer­seits zu der Gemeinde hat, deren Vorsteher er ist. Aber auch die Stellung, die dieser dritte Gemeindeengel zur göttlichen Verheißung im Evangelium hat, muß den Herrn bestimmt haben, sich ihm so zu offenbaren. Die Veranlassung für diese Art der Offen­barung des Herrn muß auch in dem Umstand erkannt werden, daß die Stellung dieses Engels die Fortsetzung der Stellung des ersten und zweiten Gemeindeengels ist.

Wie beim Sendschreiben an die Gemeinde zu Smyrna folgt die Erklärung über die volle Bedeutung dieser Art der Offenbarung des Herrn für den Engel der Gemeinde zu Pergamus dann in den weiteren Abschnitten des dritten Sendschreibens. Auch die Tatsache, daß die Offenbarung des Herrn für diesen Engel die Fortsetzung seiner Offenbarung

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für den Engel der ersten und zweiten Gemeinde ist, und daß die Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus die Fortsetzung von der Stellung des ersten und zweiten Gemeindeengels ist, wird in den weiteren Ausführungen über das dritte Sendschrei­ben noch mehr beleuchtet werden.  

IV. Der Unterschied zwischen der Offenbarung des Menschensohnes für den zweiten Gemeindeengel und derjenigen für den dritten Gemeindeengel

Für das rechte Verständnis des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter ist es nötig, auf den Unterschied zu achten, der zwischen der Offenbarung des Herrn an den Engel der Gemeinde zu Smyrna und derjenigen an den Engel der Gemeinde zu Pergamus besteht. Daß dieser Unterschied groß ist, läßt schon die fol­gende Gegenüberstellung dieser beiden Offenbarungsarten erkennen. Dem Engel der Gemeinde zu Smyrna offenbart sich der Herr mit den Worten:

„Das sagt der Erste und der Letzte, welcher tot war und lebendig geworden ist.” (Offb.2,8)

Demgegenüber lautet die Offenbarung des Herrn an den Engel der Gemeinde zu Pergamus:

„Das sagt, der das scharfe, zweischneidige Schwert hat.” (Offb.2,12)

Diese Gegenüberstellung zeigt, wie grundverschieden die Art der Offenbarung des Herrn für diese beiden Gemeinden ist. Das heißt mit andern Worten, die Art und Weise, wie der Menschensohn unter diesen beiden Gemeinden wandelt, ist voneinan­der ganz verschieden.

Wie wir kennengelernt haben, kann sich der Herr in der Gemeinde zu Smyrna zwar nicht in seiner hohenpriesterlichen Fülle im Sieg des Lebens über den Tod offenbaren, aber doch noch als der, der die toten Gläubigen auferweckt, die treu waren bis zum Tode. Diese Offenbarung ist für den zweiten Gemeindeengel tröstlich und hoffnungsvoll. Er kann daran erkennen, daß er noch in der Gemeinschaft mit Jesu, dem Fürsten des Lebens, sein darf und dieser Lebensfürst auch mit ihm in Ver­bindung ist.

Dies kommt in der Offenbarung des Menschensohnes für den dritten Gemeinde­engel nicht mehr zum Ausdruck. Ihn kann der Herr nur darauf aufmerksam machen, daß er mit dem scharfen, zweischneidigen Schwert unter ihnen wandeln kann und muß, um mit seinem Schwert das voneinander zu scheiden, was in der Gemeinde nicht zusammengehört. Das tut der Menschensohn aber nicht in der Eigenschaft als Fürst des Lebens, sondern als königlicher Richter. Deshalb wandelt der Herr nicht als das Auferstehungsleben unter dieser dritten Gemeinde, sondern als Richter und Rächer, der das bestrafen und ausrotten will, was die Verbindung und Gemeinschaft mit dem Auferstehungsleben in der Stellung dieses Engels und seiner Gemeinde ver­hindert. Er will die richten, die die Grenzen der Wahrheit des göttlichen Willens und seiner Ordnung und besonders die Grenzen der Wahrheit des Evangeliums über­schritten haben, so daß sie dadurch die

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Erfüllung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn unmöglich machen. Diese Unterschiede in der Art der Offenbarung des Herrn reden für sich. Sie weisen darauf hin, wie grundverschieden die Stellung dieser beiden Gemeinden ist, die sie zu der Erfüllung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn und somit zu der göttlichen Ver­heißung im Evangelium haben. Folglich kann schon aus der Offenbarung des Herrn an den Engel der dritten Gemeinde erkannt werden, daß die Gemeinde zu Pergamus sich noch weiter von der Evangeliumsgrundlage Jesu und der Apostel entfernt hat, auf der einzig nur die göttliche Verheißung als das Geheimnis vom Kommen des Herrn in Erfüllung geht.  

 

2. Die Stellung des Engels der Gemeinde in Pergamus
zu Jesus und zur
Gemeinde 
 

a) Der Menschensohn bezeugt dem Engel der Gemeinde zu Pergamus das Gute in seiner Stellung 

I.      Die Reihenfolge der zweiten Botschaft an den Engel der Gemeinde zu Pergamus

In einem Abschnitt der vorangegangenen Ausführungen haben wir schon auf die einheitliche Fassung, d.h. auf den einheitlichen Aufbau aller sieben Sendschreiben verwiesen. Wenn wir das bei der Auslegung des ersten und zweiten Sendschreibens bereits feststellen konnten, werden wir davon auch beim dritten Sendschreiben über­zeugt. Deshalb folgt in der Weiterbetrachtung des dritten Sendschreibens nun auch wieder so, wie beim ersten und zweiten Sendschreiben, der zweite Teil der Botschaft, die der Apostel Johannes im Auftrag des Menschensohnes dem Engel der Gemeinde zu Pergamus mitzuteilen hatte. Der erste Teil der Botschaft des Menschensohnes an den dritten Gemeindeengel enthält die Mitteilung, von wem diese Botschaft ausgeht. Der zweite Teil ist wieder ein Bericht über die persönliche Stellung des Engels, wie er sie einerseits zu seinem Retter und Erlöser Jesus Christus und andererseits zur Gemeinde und auch zur göttlichen Verheißung hat, die sich in der Gemeinde erfüllen soll. Diese Mitteilung lautet:

„Ich weiß, wo du wohnst, da wo der Thron des Satans ist, und daß du festhältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch in den Tagen, in welchen Antipas, mein treuer Zeuge, getötet wurde bei euch, da wo der Satan wohnt. Aber ich habe etwas weniges wider dich, daß du daselbst solche hast, die an der Lehre Bileams halten, welcher den Balak lehrte, ein Ärgernis vor die Kinder Israels zu legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben. Also hast auch du solche, die an der Lehre der Nikolaiten halten, was ich hasse. Tue Buße! Wo aber nicht, so komme ich dir bald und werde mit ihnen Krieg führen durch das Schwert meines Mundes.” (Offb.2,13-16)

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Dem Sinn nach zerfällt diese Mitteilung hauptsächlich in die vier folgenden Ord­nungen:

1)   Der Menschensohn bezeugt dem Engel der Gemeinde zu Pergamus das Gute in seiner Stellung.

2)   Er bezeugt ihm das Mangelnde in seiner Stellung.

3)   Er fordert ihn zur Buße auf.

4)   Er kündigt ihm das Gericht an, wenn er nicht Buße tut.

Wollen wir ein recht klares Bild über die Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus erlangen, so ist es nötig, in der Auslegung des Sendschreibens diese vier Ordnungen getrennt voneinander zu betrachten. Wir wollen zuerst kennenlernen, worin das Gute in der Stellung dieses Engels besteht.  

 
II. Der Menschensohn kennt die Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus

Das Zeugnis über die gute Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus ist eingeleitet mit den Worten:

„Ich weiß!”

Schon beim ersten Gemeindeengel haben wir ausführlich darauf hingewiesen, welche Bedeutung es im allgemeinen hat, daß der Menschensohn diese Worte „ich weiß” in jedem Sendschreiben am gleichen Platz anführt. Zu jenen Ausführungen sei an dieser Stelle nur noch ergänzend gesagt, daß der Herr dem dritten Gemeindeengel mit diesen Worten nahelegen will, daß er auch über seine Stellung in jeder Hinsicht unterrichtet ist. Ihm, als dem Herzenskünder und als dem, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, ist über die Stellung seines Knechtes alles bekannt. Es ist vor ihm alles offenbar, auch das, was dem Engel dieser dritten Gemeinde persönlich nicht bekannt ist. Wie wir es aus dem Zusammenhang des ganzen Berichtes über die Stel­lung des Engels herauslesen müssen, war es dem Engel zwar bewußt, was ihm der Menschensohn über das Gute in seiner Stellung sagen läßt; dagegen war ihm das, was der Herr an seiner Stellung zu rügen hat, nicht bewußt. Daß sich dieser Engel darüber zu wenig Rechenschaft gab, muß gewiß mit als der Hauptgrund dafür ange­sehen werden, daß ihn der Menschensohn als sein Herr darüber unterrichten läßt, daß er über seine Stellung in jeder Hinsicht alles weiß. So hat es darum auch für den dritten Gemeindevorsteher seine Bedeutung, daß ihm der Menschensohn das sagen läßt, was ihm vielleicht zum Teil selbst schon bekannt war, aber auch das, dessen er sich nicht bewußt war, was nur sein Herr wußte. 

III. Der Thron des Satans als die Wohnung des Engels der Gemeinde zu Pergamus

Ein scheinbarer Widerspruch im Zeugnis des Menschensohnes

Über das Gute in der Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus lautet der Bericht des Menschensohnes:

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„Ich weiß, wo du wohnst, da, wo der Thron des Satans ist, und daß du festhältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch in den Tagen, in welchen Antipas, mein treuer Zeuge, getötet wurde bei euch, da wo der Satan wohnt.” (Offb.2,13)

In diesem Zeugnis weist der Menschensohn zuerst darauf hin, daß der Engel der dritten Gemeinde da wohnt, wo der Thron des Satans ist. Der Sinn dieser Mitteilung scheint nun aber nicht dem zu entsprechen, daß der Herr dieses Verhalten des dritten Gemeindeengels gutheißen könnte. Denn als Kind Gottes und Diener der Gemeinde des Herrn da zu wohnen, wo der Thron des Satans ist, kann doch nicht dem Willen Gottes und des Retters Jesu Christi entsprechen. Es erscheint darum als ein Wider­spruch, wenn der Menschensohn das zuerst als das Gute erwähnt und dann erst erklärt, was ihm aus der Stellung dieses Engels mißfällt, was er gegen ihn hat. Doch auch dieses sich scheinbar widersprechende Zeugnis muß sich ebenso erklären las­sen, wie das aus dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Ephesus. Hierzu ist aber in erster Linie die rechte Kenntnis von dem Thron Satans erforderlich. Aus diesem Grunde müssen wir zuerst zu verstehen suchen, was nach dem Zeugnis und Urteil des Wortes Gottes der Thron Satans ist. 

 

Der Thron Gottes und des Lammes nach dem Zeugnis des Wortes Gottes

Zum rechten Verständnis des Thrones des Satans ist es nötig, zuerst darauf zu achten, was der Thron Gottes und des Sohnes Gottes ist.

Darüber ist im Wort Gottes das Folgende gesagt:

1.   Gott hat seinen festen Thron im Himmel (Ps.11,4; 33,13-14; 103,19). Der Himmel ist der sichtbaren, vergänglichen Ordnung gegenüber die geistige, unvergängliche Ordnung. Der Ausdruck und die Verkörperung dieser geistigen Ordnung ist die Gemeinde des Herrn, auf deren Boden sich das Reich Gottes bis zur Vollendung der Offenbarung der Kraft, Macht und Herrlichkeit Gottes in der Leibesverwand­lung der vollendeten Gläubigen ausgestaltet. Weil auf diesem Boden die Kraft, Macht und Herrlichkeit Gottes offenbar wird, ist das auch sein fester, unveränder­licher Thron.

2.   Zur Zeit der Wiederherstellung des nationalen Volkes Gottes, das ist zu der Zeit, wenn das Reich Gottes durch die Wiederkunft Jesu Christi aufgerichtet wird, wird man Jerusalem den Thron Jehovahs nennen, zu dem alle Heiden sich versam­meln werden (Jer.3,17). Bei diesem Jerusalem, als dem Thron Gottes, handelt es sich sowohl um die irdische Stadt Jerusalem als auch um die geistige Stadt Jeru­salem, die Paulus das obere Jerusalem nennt und auch als die Mutter der Gläubi­gen bezeichnet (Gal.4,26-27). Nach der Darstellung von Paulus ist dieses obere Jerusalem deshalb die Mutter der Gläubigen genannt, weil aus ihrem Schoße die vollendeten Kinder Gottes geboren werden, die dann in ihrem verwandelten, unsterblich

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und unverweslich gewordenen Leib das Haus Gottes, seine Wohnung und die Offenbarungsstätte seiner Macht, Kraft und Herrlichkeit darstellen. In diesem Sinn erklärt der Apostel auch, daß die Gläubigen zur Stadt des lebendigen Gottes gekommen sind, nämlich zum himmlischen, d.h. geistigen Jerusalem (Hebr.12,22). Diese Stadt des lebendigen Gottes, als das himmlische Jerusalem, hat im Hinblick auf den Thron Gottes dieselbe Bedeutung wie das eben genannte obere Jerusa­lem als die Mutter der Gläubigen.

3.   Wenn das Volk Gottes in seiner aufrichtigen Bußgesinnung zum Herrn spricht:

„Verwirf uns nicht um deines Namens willen, schände nicht den Thron deiner Herrlichkeit; gedenke deines Bundes mit uns und brich ihn nicht!” (Jer.14,21),

so ist nach diesem Wort das Volk Gottes als der „Thron der Herrlichkeit Gottes” bezeichnet. Dieser Thron der Herrlichkeit Gottes, d.i. die Offenbarungsstätte der Macht, Kraft und Herrlichkeit Gottes, ist das Volk Gottes aber nur deshalb genannt, weil nach dem Heils- und Erlösungsratschluß Gottes aus diesem Volke die 144000 ersten vollendeten Gläubigen kommen, die in ihrem verwandelten, unsterblich und unverweslich gewordenen Leib die Wohnung und Offenbarungs­stätte der Kraft, Macht und Herrlichkeit Gottes darstellen (Offb.7,4-8; 14,1-5).

4.   Dieser Thron der Herrlichkeit ist im Buch des Propheten Jeremja auch der „Ort des Heiligtums des Volkes Gottes” genannt (Jer.17,12). Das Heiligtum ist im Abbild der Stiftshütte im Allerheiligsten dargestellt. In diesem Allerheiligsten hinter dem zweiten Vorhang stand der Thron Gottes, dargestellt durch die Bundeslade mit dem Sühndeckel und den darüber schwebenden Cherubim (Hebr.9,3-5; Offb.8,3). Weil die Gläubigen in ihrer Vollendung, nämlich in ihrem verwandelten, unsterblich und unverweslich gewordenen Leib, die geistige Erfüllung des Allerheiligsten der abbildlichen Stiftshütte darstellen, deshalb sind auch sie der Ort des Heiligtums Gottes und darum der Thron der Herrlichkeit Gottes, nämlich die Offenbarungs­stätte der Kraft, Macht und Herrlichkeit Gottes als der Unsterblichkeit und des ewigen Lebens.

5.   Als dem Propheten Hesekiel der im Tausendjährigen Reich vollendete Tempel und das Kommen der Herrlichkeit des Herrn in diesem Tempel gezeigt wurde (Hes.43,1-2), wurde ihm u.a. gesagt:

„Du Menschensohn, dies ist der Ort meines Thrones und die Stätte meiner Fuß­sohlen, wo ich unter den Kindern Israels ewig wohnen will!” (Hes.43,7)

In dieser Weissagung ist der vollendete Tempel wieder der Ort des Thrones Got­tes und ergänzend noch die Stätte seiner Fußsohlen genannt. Hier ist es klar aus­gesprochen, daß der Thron Gottes sein Wohnen, d.i. sein Offenbarwerden in Kraft, Macht und Herrlichkeit, ist. Der Ort, an dem Gott sich auf diese Weise offenbart, ist sein Thron, und das ist nach diesem Zeugnis der vollendete Tempel, der in der geistigen Ordnung in den vollendeten

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Kindern Gottes dargestellt ist, wenn sie die Verwandlung ihres sterblichen Leibes zur Unsterblichkeit und Unverweslichkeit erfahren haben.

6.   Vergleichen wir die Weissagung des Propheten Hesekiel mit derjenigen des Apo­stels Johannes in Offenbarung 21, so erkennen wir aus diesem Zusammenhang, daß die heilige Stadt, das neue Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt, wie eine für ihren Mann geschmückte Braut, die auch das Weib, die Braut des Lam­mes genannt ist, der Tempel Gottes, seine Wohnung und somit sein Thron ist. Es ist die Offenbarungsstätte seiner Macht, Kraft und Herrlichkeit in den vollendeten, d.h. verwandelten Kindern Gottes. Das wird dadurch bestätigt, daß eine laute Stimme vom Throne her zum Apostel Johannes sprach:

„Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.” (Offb.21,3)

7.   Der Thron Gottes ist auch der Thron des Lammes genannt (Offb.22,1.3). Das erklärt sich daraus, weil es im Erlösungsratschluß Gottes so bestimmt ist, daß Gott in seinem Sohn und der Sohn Gottes im Vater ist. Das kommt dadurch zur vollkom­menen Darstellung, daß Gott den gestorbenen, aber noch nicht verwesten Leib seines Sohnes durch seine Herrlichkeit zur Unsterblichkeit und Unverweslichkeit aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten erhöht hat (Ps.132,11; Apg.2,30-36; Hebr.1,3-5.8-9.13; Offb.3,21). Auf diese Weise hat sich Jesus auf den Thron seines Vaters gesetzt. Das heißt mit andern Worten: Jesus stellt in seinem Herrlichkeits­leib die Offenbarung der Herrlichkeit des Vaters dar, weil der Vater in ihm ist, d.h. in ihm wohnt (Kol.1,15; Hebr.1,3). Weil nach dem Evangelium die göttliche Ver­heißung für die treuen Kinder Gottes darin besteht, daß der Vater und der Sohn zu ihnen kommen und in ihnen Wohnung machen (Joh.14,23), ist damit erklärt, wes­halb der Thron Gottes als seine Wohnung und Offenbarungsstätte seiner Herrlich­keit auch der Thron des Lammes genannt ist. Von diesem Thron Gottes und des Lammes als vom vollendeten Tempel geht der Strom des Lebens aus (Offb.22,1-2).

8.   Gottes Thron ist gleich einem Saphirstein (Hes.10,1).

9.   Der Sproß Davids, der den Tempel des Herrn baut, wird in diesem Tempel, der von den in Herrlichkeit vollendeten Kindern Gottes dargestellt wird, als König auf dem Thron Gottes sitzen und herrschen. Er wird auf diesem Thron königlicher Priester Gottes sein (Sach.6,12-13). Dadurch ist erfüllt, was dem Apostel Johannes auf Patmos vom Herrn gesagt wurde, nämlich, daß, wer in der Gemeinde zu Lao­dicea überwindet, mit Jesus auf seinem Thron sitzen darf, wie Jesus überwunden und sich zu seinem Vater gesetzt hat auf seinen Thron (Offb.3,21). In diesen beiden Zeugnissen ist erklärt, daß Gott am Ende auch in einem einzelnen vollendeten Knecht Gottes wohnt und sich durch ihn in seiner Macht, Kraft und hohenpriester­lichen Herrlichkeit offenbart.

10. Der Thron Gottes, des Königs der Könige, wird befestigt durch Gerechtigkeit, Güte und treuliches Richten der Geringen (Spr.16,12; 20,28; 25,5; 29,14).

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Die Ausführungen in diesen zehn Abschnitten zeigen einheitlich, daß der Thron Gottes

  1) der Himmel ist, ferner

  2) das Allerheiligste der Wohnung Gottes,

  3) die Wohnung Gottes,

  4) der Ort des Heiligtums des Volkes Gottes,

  5) sein vollendeter Tempel,

  6) die Hütte Gottes bei den Menschen,

  7) die Gemeinde,

  8) die heilige Stadt,

  9) die Stadt Jerusalem,

10) das obere Jerusalem,

11) das neue Jerusalem,

12) das heilige Jerusalem,

13) das himmlische Jerusalem,

14) das Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt,

15) die Stadt des lebendigen Gottes,

16) die Stätte seiner Fußsohlen,

17) die Mutter der Kinder Gottes,

18) die von Gott zubereitete Braut als das Weib des Lammes,

19) die 144 000 ersten vollendeten Kinder Gottes in ihrem verwandelten Leib,

20) die Offenbarungsstätte seiner Macht, Kraft und hohenpriesterlichen Herr­lichkeit, als des ewigen Lebens,

21) der von den Toten auferweckte, unsterblich und unverweslich gewordene und zur Rechten Gottes erhöhte Leib des Sohnes Gottes.  

Der Thron des Satans nach dem Zeugnis des Wortes Gottes

Nachdem wir den Thron Gottes kennengelernt haben, müssen wir nun auch den Thron Satans kennenlernen. Dazu muß als erstes beachtet werden, daß Satan in Gottes Wort der Gott und Fürst dieser Welt genannt ist (Joh.12,31; 14,30; 16,11). Er stellt eine große Gewalt dar (Apg.26,18) und herrscht in der Luft (Eph.2,2). Als die Sünde, die in den Kin­dern des Unglaubens wirkt, wohnt er im Fleische der Menschen (Röm.7,14.17-18.20-21.23-25; 8,3; Eph.2,2). Wenn dem Fürsten zu Tyrus von Gott gesagt wird:

„Weil sich dein Herz erhoben hat und du gesagt hast: ,Ich bin ein Gott und sitze auf einem Götterthron, mitten im Meere, da du doch nur ein Mensch und kein Gott bist, und brüstest dich, als ob du Gott wärest’” (Hes.28,2), ist damit auf das Wesen Satans hingewiesen, das sich in besonders klarer Weise in den gottfeindlichen Herrschern der Völker offenbart. Das wird noch verständlicher, wenn beachtet wird, daß die Stellung Satans, die ihm Gott als Engelfürst gegeben hat, in der Stellung des

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Königs von Tyrus und seinem Abfall von Gott geschildert wird (Hes.28,11-19). Als von Gott abgefallener Engelfürst, der sich selbst zum Gott machte, und als Gott und Fürst dieser Welt ist Satan bestrebt, vom Boden der sichtbaren Schöpfung aus seinen Ein­fluß gegen alles Göttlich-Geistliche auszuüben. Dazu bedient er sich vieler Mittel. Wie es die Geschichte des nationalen Volkes Gottes in Verbindung mit den übrigen Völ­kern und auch die Geschichte der christlichen Gemeinde lehrt, ist das wirksamste Mittel Satans, mit dem er gegen den Heils- und Erlösungsratschluß Gottes kämpft, die Offenbarung seiner Macht und Kraft in den gottlosen und heidnischen Herrschern der Völker, bzw. in den gottfeindlichen Regierungssystemen der Völker der Erde. Mittels dieser Werkzeuge konnte er durch die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte hin­durch seine größte und wirksamste Macht gegen den Heilsratschluß Gottes entfalten. Die Ausübung dieses Satanseinflusses geht geschichtlich zurück bis zu den Pharao­nen Ägyptens. Ihnen folgten die Könige verschiedener Völker, mit denen das Volk Gottes um das ihm von Gott verheißene Land Palästina kämpfte. Durch die Richter und Könige, die Gott seinem Volk gab, wollte Gott seinen Thron in der Ausübung der Weltherrschaft zur Darstellung bringen. Dies war Gott jedoch nur teilweise und nur eine Zeitlang möglich; denn auch die Könige des Volkes Gottes wurden durch den verführerischen Gewalteinfluß Satans immer wieder gottlos und stellten sich dadurch gegen Gott und seinen Heilsratschluß, den er mit seinem Volke ausführen wollte.

 

Nach ihnen waren es die Herrscher der vier Weltreiche,

des Babylonischen,

des Medo-Persischen,

des Griechischen und

des Römischen Weltreiches,

die Satan als ganz besonders wirksame Werkzeuge benutzte und deren er sich teil­weise noch bis zur heutigen Zeit bedient, um seine gegen Gottes Heilsratschluß gerichtete große Macht und Kraft zu beweisen. Wie es besonders aus den Weissa­gungen des Propheten Daniel sowie aus denjenigen der übrigen Propheten und auch aus der Offenbarung Johannes klar zu ersehen ist, kann Gott erst im Anschluß an die vier Weltreichsordnungen sein verheißenes ewiges Reich und in seiner Königsherr­schaft über alle Völker seinen Thron aufrichten (Dan.2,31-45; 7,1-28).

Zur Beantwortung der Frage, was wir unter dem Thron Satans verstehen müssen, ist besonders auch ein Zeugnis aus Daniel 10 wichtig. Da ist gesagt, daß ein Bote Gottes dem Propheten Daniel eine Botschaft vermitteln sollte. Dieser Bote wurde aber einundzwanzig Tage lang aufgehalten, bis ihm Michael, der Engelfürst des Volkes Gottes, zu Hilfe kam und der Bote dadurch bei den Königen von Persien den Vor­sprung gewann (Dan.10,12-14). Dem Daniel wurde dann noch gesagt:

„Nun will ich wieder hingehen und mit dem Perserfürsten streiten, und sobald ich ausziehe, siehe, so kommt der Griechenfürst!” (Dan.10,20)

An dieser Stelle ist also von zwei Geistesfürsten die Rede, die in Verbindung mit den irdischen Perserfürsten gesehen werden müssen, die zu Lebzeiten Daniels die Königsherrschaft

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im zweiten Weltreich ausübten. Diese Satansfürsten standen dem Boten Gottes entgegen, der dem Propheten Daniel eine Weissagung über das Reich Gottes zu übermitteln hatte.

Die klarste Stelle, die sich über den Thron Satans im Wort Gottes findet, steht in Offenbarung 13. Der Bericht darüber lautet:

„Ich sah aus dem Meere ein Tier aufsteigen, das hatte sieben Häupter und zehn Hörner, und auf seinen Hörnern zehn Kronen, und auf seinen Häuptern Namen der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war einem Panther gleich, und seine Füße wie eines Bären und sein Rachen wie ein Löwenrachen, und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht!” (Offb.13,1-2)

Dieses Zeugnis steht in direkter Verbindung mit den Weissagungen des Prophe­ten Daniel von den vier Weltreichen. Das Tier, das Johannes aus dem Meer aufstei­gen sieht und das er dann in seinen Einzelheiten genauer beschreibt, ist die letzte Form des vierten Weltreichs, d.i. des Römischen Weltreichs, wenn es in seiner letzten Machtentfaltung offenbar wird. Diesem Tier, das bis zur Wiederkunft des Herrn in sei­ner Weltmachtstellung ist und das an die Stelle des kommenden Reiches Gottes tre­ten will, gibt Satan seine Kraft, seinen Thron und große Macht. Die Kraft des Satans, seine große Macht und sein Thron gehören nach diesem Zeugnis unzertrennlich zusammen. Damit ist aber klar bewiesen, daß Satan seinen Thron dadurch aufrichtet, daß er einem der vier Weltreiche oder, wie Daniel sagt, dem letzten der vier großen Königreiche in seiner letzten Gestalt die Weltmachtstellung gibt, die ihm als dem Gott und Fürsten dieser Welt gehört. Um das recht verstehen zu können, brauchen wir uns nur an die Worte zu erinnern, die der Teufel bei der Versuchung des Sohnes Gottes sagte. Der Teufel nahm Jesus mit auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Rei­che der Welt und ihre Herrlichkeit (Matth.4,8). Dann sprach er zu ihm:

„Dieses alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.” (Matth.4,9)

In dieser königlichen Weltmachtstellung, wie sie im vierten und letzten Weltreich in seiner Endform zur Darstellung kommt, findet der Thron Satans Ausdruck. Das ist besonders deshalb der Fall, weil Satan durch diese letzte Weltreichsform die Aufrich­tung des bald kommenden ewigen Reiches Gottes verhindern und an dessen Stelle sein ewiges Reich aufrichten will. Um das erreichen zu können, bedarf es eines solch gewaltigen Werkzeuges, wie es das Gott und seine Hütte lästernde und die Heiligen Gottes bekriegende Tier aus dem Meer mit sieben Häuptern und zehn Hörnern in der letzten Zeit darstellt (Offb.13,1-18; 11,7; 16,10; 17,3.7-17). Weil Satan auf diese Weise sei­nen Thron der vierten Weltreichsmacht gibt, ist dieser Thron einfach der Thron des Tieres, als der Thron des Weltreiches genannt (Offb.16,10). Nach dieser Stelle

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ergeht über diesen Thron zur Zeit, wenn der fünfte Zornschalenengel seine Zorn­schale voll des Zornes Gottes ausgießt, das Gericht Gottes, was dann zur Folge hat, daß das Reich des Tieres verfinstert wird und sie sich die Zungen zerbeißen vor Schmerz. In dieser Gerichtszeit, wenn Satan dem Weltreich, das in seiner letzten Gestalt aus dem Abgrund heraufgestiegen ist (Offb.11,7; 17,8), bzw. dem Herrscher die­ses Reiches, seine Kraft, seinen Thron und große Macht gibt, erfüllt sich dann auch die Weissagung des Propheten Jesajas. Dieser Prophet Gottes mußte im Hinblick auf diesen letzten Weltreichsherrscher als den König von Babel, den Treiber, Erpresser, Gottlosen, Tyrannen und glänzenden Morgenstern (Jes.14,4-6.12) weissagen:

„(Du) hattest dir in deinem Herzen vorgenommen: Ich will zum Himmel emporstei­gen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen und mich niederlassen auf dem Götterberg im äußersten Norden; ich will emporsteigen über die in Wolken gehüllten Höhen, dem Allerhöchsten gleich!” (Jes.14,13-14)

Das zeigt, in welchem Lichte der Thron Satans gesehen werden muß und was dieser Thron in der Gegenüberstellung mit dem Throne Gottes, den Gott in seinem ewigen Reich aufrichten will, bedeutet.

Alle die angeführten geschichtlichen Berichte, sowie auch die genannten Weissa­gungen der Propheten Gottes, erklären den Thron Satans dahin, daß er in der Offen­barung der Macht und Gewalt der gottlosen, obrigkeitlichen Gewalten und Weltreiche dann Ausdruck und Darstellung findet, wenn sie ihre Macht und Kraft dazu anwenden, um gegen Gott und seinen Heils- und ErIösungsratschluß zu wirken, und wenn sie sich als Menschen zu Göttern machen. Diese weltlichen Herrscher, als die Großen der Erde, sind, wenn sie gottlos sind, die ausgesuchtesten, bekanntesten und wirkungs­vollsten Werkzeuge Satans, durch die er seine Kraft, seinen Thron und seine große Macht auf Erden und besonders in der christlichen Gemeinde ausübt.  

 

Warnung vor Mißbrauch der Lehre über den Thron des Satans

Während Gottes Thron die Wohnung und Offenbarungsstätte seiner Herrlichkeit und des ewigen Lebens zur Rettung und Erlösung der Menschen von Sünde, Tod und Verderben ist, sowie auch die Offenbarungsstätte seiner Macht und Kraft gegen alles gottlose Wesen, ist der Thron des Satans die Wohnung und Offenbarungsstätte der Mächte und Gewalten, die dieses von Gottes Seite offenbar werdende geistige Leben den Gläubigen nehmen, sie vernichten und zerstören wollen.

Gottes Thron wird befestigt durch Gerechtigkeit und Güte, indem er ein Feind aller Ungerechtigkeit ist und Freveltaten ihm als dem König der Könige ein Greuel sind (Spr.16,22; 20,28; 25,5). Er richtet die Geringen treulich (Spr.29,14), deshalb wird sein Thron, die Wohnung und Offenbarungsstätte

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seiner rettenden und Leben vermittelnden Macht, Kraft und Herrlichkeit, auch bestän­dig sein.

Satan dagegen übt von seinem Thron unrechte Gewalt aus, indem er die Men­schen mit Gewalt und Freveltaten zu gottlosen Werkzeugen seiner Gott entgegenste­henden Pläne macht. Darum wird sein Thron, die Wohnung und Offenbarungsstätte seiner Leben vernichtenden, verderblichen Macht und Kraft, auch unbeständig sein, d.h. nur zeitlich bestehen.

Diese Lehre des Wortes Gottes und die Darstellung vom Thron des Satans darf nun aber nicht zu der Ansicht und Schlußfolgerung verleiten, als würde der Thron Satans in jeder weltlichen Obrigkeit Darstellung finden. Eine solche Ansicht müßte zu falschen Urteilen und Verirrungen gottesfürchtigen Obrigkeiten gegenüber führen. Solche Fehlurteile würden sich dann nicht zum Segen der christlichen Gemeinde auswirken. Aus dem Zusammenhang, in dem die oben zitierten Worte aus Offenba­rung 13 stehen, kann leicht erkannt werden, daß der Thron Satans nur bei den obrig­keitlichen Gewalten gesehen werden darf und muß, die in ganz ausgeprägter und offensichtlicher Weise gegen Gott und seinen Heilsplan in der Aufrichtung seines ewi­gen Reiches mit allen Mitteln kämpfen, anstatt diesen Ratschluß Gottes nach Mög­lichkeit zu unterstützen. 

Die Bedeutung und der Zweck vom Throne des Satans in der Gemeinde zu Pergamus

Nachdem wir den Thron Gottes und des Lammes und auch den Thron Satans kennengelernt haben, muß es uns nun noch klarwerden, was es bedeutet und wel­chem Zweck es dienen soll, daß der Thron Satans in der Gemeinde zu Pergamus ist. Diese Kenntnis zu erlangen, ist besonders deshalb erforderlich, um verstehen zu kön­nen, wie wir es beurteilen müssen, daß der Engel der Gemeinde zu Pergamus da wohnte, wo der Thron des Satans ist. Diese Gebiete können nur recht verstanden werden, wenn es uns klar geworden ist, daß die Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus sowie dieser ganze Gemeindezustand der dritten Gemeinde die Fortset­zung von der Gemeinde zu Smyrna sind. Diese Fortsetzung muß in dem Sinn ver­standen werden, daß sich der Zustand der Gemeinde zu Pergamus aus dem Zustand der zweiten Gemeinde ergeben hat, also aus der Erfahrung der zehn großen Chri­stenverfolgungen und besonders aus dem lästernden Einfluß der Gläubigen, die die Synagoge des Satans waren. Nach ihrem äußeren Sieg, den sie unter der Leitung ihres Lehrers, des Teufels, und durch das tatkräftige Mitwirken der damaligen heidni­schen Obrigkeit in zehn Christenverfolgungen über den treuen Teil der Gemeinde errungen hatten, mußte sich durch den Machteinfluß dieser Satansschule ein ganz neues Gemeindegebilde gestalten. Eine neue Art der Auswirkung der List Satans, des Widersachers des Evangeliums und der gottgewollten Gemeindeordnung, mußte also offenbar werden. Zur Ausführung des satanischen Planes einer Zerstörung der wah­ren Gemeinde des Herrn sowie zur Aufrichtung seines Thrones in der Gemeinde, waren die Verhältnisse und Umstände durch die Synagoge des Satans gut vorbereitet.

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Es soll hier nicht das zitiert und ausführlich wiedergegeben werden, was die Kir­chengeschichte über die Gestaltung und die Vorgänge in der christlichen Gemeinde aus der Zeit etwa vom Jahr 300 n.Chr. an berichtet. Wir beschränken uns in unsern Ausführungen über die Gestaltung der Gemeinde zu Pergamus fast ausschließlich auf den Bericht, den der Menschensohn dem Engel dieser dritten Gemeinde mitteilen ließ. Diese Quelle ist gewiß die zuverlässigste und darum ausreichend. Wie wir derselben entnehmen können, bestand die neue List Satans darin, seinen Thron, - d.i. seine Wohnung als die Offenbarungsstätte seiner Kraft und großen Macht, -  der bis dahin nur in der Mitte der Völker offenbar war, inmitten der christlichen Gemeinde aufzu­richten. Während Satan von der Zeit Jesu an, insbesondere aber von der Zeit an, als die Apostel Jesu Christi vom Pfingsttag an die Gemeinde des Herrn gegründet hatten, bis in das vierte Jahrhundert hinein die christliche Gemeinde mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln verfolgte, um sie ganz auszurotten, änderte er von der eben genannten Zeit an seine Taktik gegen die Gemeinde. Er vereinigte sich mit der Gemeinde zu Pergamus aufs innigste, und zwar dadurch, daß die damalige heidni­sche Obrigkeit, die römischen Regenten, an Christus gläubig wurden und sich mehr oder weniger ernst zum damaligen sogenannten Christentum bekannten. Dies geschah natürlich nicht ohne den bestimmenden religiösen Machteinfluß derjenigen Gläubigen, die der Menschensohn die Synagoge des Satans nennt. Die Stellung die­ser fleischlich und irdisch gesinnten Gläubigen entsprach ja von Grund auf der weltli­chen Wesensart (vgl.1.Kor.3,4). Es ist darum gut verständlich, wenn sie, nachdem sie das wahre Christentum in der Gemeinde zu Smyrna fast ganz ausgerottet hatten, nun darnach trachteten, ihre fleischlich-weltliche Gesinnung in der dritten Gemeinde zu verbreiten und zu befestigen. Für diese oberflächliche, fleischlich-verweltlichte Gesin­nung fanden sie auch bei der damaligen heidnischen Obrigkeit Verständnis und offene Türen. Auf diese Weise wandten sich, - wie die Geschichte es berichtet -  einige römi­sche Herrscher dann auch Christus zu, d.h. sie bekehrten sich und wurden gläubig, und zwar durch den Einfluß solch fleischlicher Kinder Gottes, die Jesus die Synagoge des Satans nennt. Das mußte aber bald zur Folge haben, daß diese weltlich-christli­che Obrigkeit bestimmend in die Gestaltung der christlichen Gemeinde eingriff. Dieser Einfluß der obrigkeitlichen Gewalten wurde natürlich entsprechend ihrer großen Welt­machtstellung, die sie als weltliche Herrscher hatten, sehr groß und entscheidend. Es ergab sich aus dieser Machtstellung der weltlichen Obrigkeit, daß sie sich nicht zur ursprünglichen Ordnung der christlichen Gemeinde stellte, sondern ihren Einfluß in der Gemeinde nach ihrem Dafürhalten und ihrer fleischlichen, unmündigen Gesinnung ausübte.

Wie es nun bei solchen umgestaltenden Vorgängen immer und überall ist, so war es auch in jener bewegten Zeit. Die Unterstützung der Gemeinde durch die Obrigkeit beruhte auf Gegenseitigkeit. Diese beiden weltlich-christlichen und christlich-weltli­chen Gebiete waren mehr oder weniger aufeinander angewiesen und haben sich des­halb in ihrer Machtbestrebung gegenseitig ergänzt. Als Anerkennung und Belohnung dafür, daß die Gemeinde der weltlich-christlichen Obrigkeit bestimmenden Machtein­fluß über die christliche Gemeinde

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einräumte, wurde durch die Obrigkeit der Gemeinde auch die Teilnahme an der Aus­übung der obrigkeitlichen Macht zuerkannt. Das war der ohnehin schon nach weltli­cher Macht strebenden christlichen Gemeinde eine sehr willkommene Gelegenheit; sah sie doch darin für sich die Möglichkeit, das Christentum nach ihrer Auffassung in der ganzen Welt zu verbreiten und ihre Machtstellung als die der allein wahren Juden, als der Geistig-Gesinnten, für immer zu befestigen. Die damaligen Vorgänge bei der Obrigkeit und bei der Gemeinde zu Pergamus wirkten sich darum nach dem Grund­satz des Ausgleichs aus: Die Gemeinde zog die Obrigkeit auf ihren Boden, um durch ihren Einfluß und ihre Unterstützung das zu erreichen, was sie in ihrer nicht mehr christlichen, sondern fleischlich-weltlichen Machtgesinnung anstrebte. Und die Obrig­keit zog  - wie wir noch darauf hinweisen werden -  die Gemeinde auf ihren Boden, um ihren Nutzen aus dieser Verbindung mit der Gemeinde zu haben.

Die Gemeinde huldigte aber in dieser Weise der Obrigkeit in unchristlicher und darum für sie unziemlicher Weise und stellte sich unter ihren Schutz. Dadurch gab sie aber ihre Selbständigkeit zugunsten der Obrigkeit preis und stellte sich in ein direktes Abhängigkeitsverhältnis zu ihr. Die Selbständigkeit in der beharrlichen Treue bis zum Tode mußte dadurch aufgegeben werden. Aus dieser Treue im Lebenseinsatz der Märtyrer ist nur noch das Schwache, den weltlichen Einflüssen gegenüber Furcht­same und den weltlichen Schutz Suchende übriggeblieben. Indem diese Selbständig­keit in der Treue zum Herrn von der Gemeinde aufgegeben wurde, suchte sie nach dem Urteil des Menschensohnes da Schutz und Hilfe, wo der Thron des Satans ist.

Nach dem Grundsatz des Ausgleichs, den wir am besten und verständlichsten mit dem volkstümlichen Sprichwort: Eine Hand wäscht die andere!, erklären können, zog andererseits Satan die christliche Gemeinde, die er lange Zeit hartnäckig verfolgte, auf seinen Boden. Dies mußte er in erster Linie in der Absicht getan haben, um auf diese Weise die Gemeinde immer völliger und wirkungsvoller von Jesu Christo und der Wahrheit der göttlichen Ordnung im Evangelium abzuziehen. Zum andern lag die­sem Tun der Plan zugrunde, die Gemeinde völlig in die weltlich-irdische Gesinnung zu verstricken. Durch nichts konnte ihm das so leicht und wirkungsvoll gelingen, als durch das listige und verführerische Verfahren, die Gemeinde an der Ausübung der obrigkeitlichen Gewalt teilnehmen zu lassen und ihr den Schutz der Obrigkeit und sonstige materielle Unterstützung zu gewähren.

Die Synagoge des Satans ist auf Grund ihrer in der Gemeinde zu Smyrna erlang­ten Machtstellung die Ursache davon, daß der Thron des Satans in der Gemeinde zu Pergamus ist und der Engel dieser Gemeinde an diesem Throne Satans wohnt

Haben wir in den vorstehenden Ausführungen den Thron Satans ganz allgemein kennengelernt und auch die Bedeutung dessen, daß dieser Satansthron in der Gemeinde zu Pergamus ist, muß es uns im weiteren noch klar werden, wie es dahin kam, daß dieser Thron Satans in der Gemeinde aufgerichtet werden

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konnte. Wir müssen auch kennenlernen, welchen Anteil die christliche Gemeinde an diesem ganzen Vorgang hat und was es in diesem Zusammenhang bedeutet, daß der Engel der Gemeinde zu Pergamus da wohnte, wo der Satan seinen Thron hat, und unter welchen Umständen und Verhältnissen er an diesen widergöttlichen Platz kam. Wir haben schon kurz darauf hingewiesen, daß der Menschensohn den Engel nicht tadelt, weil er da wohnt, wo der Thron des Satans ist, sondern der Herr läßt ihm nur sagen, daß er weiß, daß er an diesem Gott mißfälligen Platze wohnt. Wenn der Men­schensohn den Engel der Gemeinde zu Ephesus nicht direkt tadelt, weil dieser die Bösen nicht tragen kann (Offb.2,2), obwohl sie nach der göttlichen Ordnung von einem Knecht des Herrn getragen werden sollen (2.Tim.2,24-26), und der Herr auch den Engel der Gemeinde zu Smyrna um dessen Armut willen nicht tadelt (Offb.2,9), dann muß das Zeugnis des Menschensohnes an den Engel der Gemeinde zu Pergamus auch in die­sem Lichte gesehen und gedeutet werden. So wie der Herr den zweiten Gemeindeen­gel für die in seiner Stellung vorhandene Armut nicht direkt verantwortlich macht, macht er auch den dritten Gemeindevorsteher nicht direkt verantwortlich dafür, daß er da wohnt, wo der Thron des Satans ist.

Wie wir früher erkannt haben, war die Armut in der Stellung des Engels der zwei­ten Gemeinde die Folge davon, daß der erste Gemeindevorsteher seine erste Liebe verlassen und darüber nicht Buße getan hat und er darum vom Herrn als Leuchter für den vollen Sieg des Lebens über den Tod in der Leibesverwandlung von seiner Stelle gestoßen wurde (Offb.2,5). Ähnlich ist nun auch der Vorgang in der Stellung und Erfah­rung des Engels der Gemeinde zu Pergamus. Der Herr sagt ihm, daß er da wohnt, wo der Thron des Satans ist, und tadelt ihn deshalb doch nicht. Dieser ganze Vorgang kann nur richtig verstanden und beurteilt werden, wenn es uns klar geworden ist, daß die Stellung des Engels der Gemeinde zu Pergamus und der ganze Zustand der Per­gamusgemeinde das Ergebnis und die Fortsetzung des Zustandes der Gemeinde zu Smyrna sind. Es muß beachtet werden, daß die in der ersten Gemeinde verlorenge­gangene erste Liebe als der Glaubenssieg über den letzten Feind, den Tod, in der zweiten Gemeinde nicht zurückerlangt wurde. Der gottlose Einfluß der Synagoge des Satans verlästerte außerdem noch den in dieser Gemeinde übriggebliebenen Glauben an die Rechtfertigung in Christo Jesu und an die Auferstehung der Toten. In dieser lästernden Stellung wurde diese Synagoge des Satans die Urheberin von all den Verfolgungsleiden und Trübsalen, die diese Gemeinde während zehn schweren Chri­stenverfolgungen durch die Macht des Satans durchzukosten hatte, so daß die treuen Gläubigen ihre Treue zu Jesus mit dem Märtyrertode besiegeln mußten. Es darf gewiß angenommen werden, daß nur wenig treue Kinder Gottes der Trübsalshölle der zehn Christenverfolgungen entronnen sind. Das bedeutet aber, daß die Synagoge des Satans in der Gemeinde zu Smyrna einen vollen  - wenn auch nur äußeren -  Sieg davongetragen hat. Dieser Erfolg muß diese Satansschule aber in ihrer fleischlichen Stellung und ihrer falschen Ansicht, der allein wahre gläubige Teil der Gemeinde zu sein, nur noch bestärkt haben. Sie wurden dadurch aber auch in ihrer Machtstellung nach außen gestärkt. Daß unter diesen Umständen auch ihr Verhältnis mit ihrem Leh­rer, dem Satan, inniger wurde, ist eine logische Folge und braucht deshalb nicht noch besonders hervorgehoben zu werden. Nach ihrem Sieg in dieser Gemeinde konnten sie

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nun ihr Regiment nach Willkür führen, und die weitere Gestaltung der Gemeinde des Herrn nach Satans Plan und dessen böser Absicht mußte sich daraus ergeben. Es muß darum so angesehen werden, daß diese Schule des Satans durch ihre innere gottlose und gotteslästerliche Stellung und durch ihre äußere Machtstellung, die ihr der Satan verlieh, den Zustand der folgenden Gemeinde, nämlich der Gemeinde zu Pergamus, geschaffen und verbreitet hat. Diese Satansschule muß deshalb als die Haupturheberin davon erklärt werden, daß der Satan seinen Thron, d.i. die Wohnung und Offenbarungsstätte seiner Macht und Kraft in der christlichen Gemeinde, nämlich in der Gemeinde zu Pergamus aufrichten konnte und auch aufgerichtet hat.

Dieser Einfluß mußte so gewaltig gewesen sein, daß die wenigen treuen Gläubi­gen, die von den zehn großen Christenverfolgungen noch übriggeblieben und durch die lange Trübsalzeit sehr geschwächt waren, demselben auch nicht mehr widerste­hen konnten. Selbst der auf den Engel der Gemeinde zu Smyrna folgende Vorsteher der Gemeinde zu Pergamus mußte sich diesem Einfluß unterwerfen. Vielleicht muß es auch so verstanden werden, daß er erst der Vorsteher dieser

Gemeinde wurde, als die Gemeinde schon da Wohnung genommen hatte, wo der Thron des Satans ist, bzw. als Satan seinen Thron durch die tatkräftige Unterstützung und Befürwortung der Schule des Satans in der Gemeinde schon aufgerichtet hatte.

Es ist nach dem, wie der Menschensohn den dritten Engel über seinen Wohnort unterrichtet, nicht anzunehmen, daß dieser Engel durch persönliche, freiwillige Ent­scheidung da Wohnung genommen hat, wo der Thron des Satans ist. Aber selbst, wenn er das getan hätte, muß angenommen werden, daß er sich dann bei dieser Ent­scheidung nicht mehr die volle Rechenschaft für sein Handeln geben konnte. Weil der Herr ihn aber um dieses Handelns willen nicht tadelt, muß doch mit aller Wahrschein­lichkeit angenommen werden, daß der Engel unfreiwillig da wohnte, ja wohnen mußte, wo der Thron des Satans ist. Das kann auch aus dem Weiteren, was der Menschen­sohn noch als Gutes in der Stellung dieses Engels anführt, erkannt werden.

Nur so erklärt sich der scheinbare Widerspruch in der Unterweisung des Herrn an den Lehrer der Gemeinde zu Pergamus, daß er seine Stellung deshalb nicht direkt tadelt, weil er da wohnt, wo der Thron des Satans ist. Es ist in der Unterweisung des Menschensohnes nicht so dargestellt, daß er den Engel dafür verantwortlich macht. Der Herr wollte ihm vielmehr nahelegen, daß er weiß, daß diese Gestaltung der Gemeinde zu Pergamus aus dem Zustand und den bereits geschilderten Erfahrungen der Gemeinde zu Smyrna sich naturnotwendig ergeben hat. Doch muß es so verstan­den werden, daß dieser Wohnplatz da, wo der Thron Satans ist, die Ursache für die Stellung dieses Gemeindeengels wurde, über die der Menschensohn, wie wir es noch kennenlernen werden, sein Mißfallen aussprechen mußte. Ja, es ist auch die Ursache für den Märtyrertod des Antipas und für die

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dem Herrn mißfällige Stellung der ganzen Gemeinde, der dieser Engel vorstand. Das wird in späteren Abschnitten noch ausführlich erklärt werden.

Das vom Throne Satans gebildete und mit weltlicher Macht ausgerüstete christli­che Gemeindesystem ist die böse Frucht der widergöttlichen Verbindung der Gemeinde mit dem Throne des Satans

Nun muß aber darauf geachtet werden, welches die eigentlichen bösen und ver­heerenden Folgen der Verbindung des Thrones Satans mit der Gemeinde zu Perga­mus und dieser Gemeinde mit dem Thron Satans waren.

Nach alledem, was wir in den vorstehenden Ausführungen über die widergöttliche Verbindung des Thrones des Satans mit der Gemeinde zu Pergamus und der unchristlichen Verbindung dieser Gemeinde mit dem Thron des Satans kennengelernt haben, kann die Frucht dieser innigen Verbindung auch nur eine dem Wesen dieser Verbindung entsprechende sein.

Die Frucht dieser Verbindung ist das Gemeindesystem, das im vierten Jahrhun­dert n.Chr. entstanden ist. Die christliche Gemeinde, die vordem von der heidnischen weltlichen Macht aufs erbittertste verfolgt und bekämpft wurde, kam nun zu Ehren, indem sie von der christlich gewordenen Obrigkeit als eine im Staat lebende und zum Staat gehörende Ordnung anerkannt wurde. Die Gemeinde wurde nach Weltart orga­nisiert und auch nach der Art der weltlichen Macht geleitet. Daß diese Verbindung zwischen der christlichen Gemeinde und der christlich-weltlichen Obrigkeit in dieser Weise zustande kam, wird vielfach gar nicht ernstlich genug beachtet. Die Apostel haben in ihrem Zeugnis das Verhältnis der Kinder Gottes zu der weltlichen Obrigkeit in gottgewollter Ordnung dargestellt. Während beim Volke Gottes im Alten Bunde zwi­schen der weltlichen Obrigkeit und dem Volke Gottes kein Unterschied bestand, weil die geistige und die weltliche Ordnung für das Volk Gottes in der gleichen Weise eine von Gott gegebene Ordnung war, ist das in der Gemeinde des Neuen Bundes eine ganz andere Sache. Für die Gemeinde des Neuen Bundes ist die weltliche Obrigkeit nicht die Fortsetzung von der obrigkeitlichen Ordnung, die Gott seinem Volke verord­net hat. Die Apostel mußten die Obrigkeit ihres Volkes und die heidnische Obrigkeit unterscheiden; und doch machen sie diesen Unterschied nicht, wenn sie die Gemeinde von der weltlichen Obrigkeit unterrichten. Die Apostel lehren im allgemei­nen darüber:

„Jedermann sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan; denn es ist keine Obrig­keit, ohne von Gott; die vorhandenen aber sind von Gott verordnet. Wer sich also der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Ordnung Gottes; die aber dieser widerstreben, ziehen sich selbst Strafe zu. Denn die Regenten sind nicht wegen der guten Werke zu fürchten, sondern wegen der bösen; willst du also die Obrig­keit nicht fürchten, so tue das Gute, so wirst du Lob von ihr empfangen! Denn sie ist Gottes

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Dienerin dir zum Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe dem, der das Böse tut. Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb bezahlet ihr auch Steuern; denn sie sind Gottes Diener, die eben dazu bestellt sind. So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer, Zoll, dem der Zoll, Furcht, dem die Furcht, Ehre, dem die Ehre gebühret.”(Röm.13,1-7)

„So ermahne ich nun, daß man vor allem zuerst tue Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit; denn solches ist schön und angenehm vor Gott unserem Retter, wel­cher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.” (1.Tim.2,1-4)

„Seid untertan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige als dem Oberhaupt, oder den Statthaltern, die von ihm gesandt sind zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lobe denen, die Gutes tun. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr durch Gutestun zum Schweigen bringt die Unwissenheit der unverständigen Menschen; als Freie und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit, sondern als Knechte Gottes. Ehret jedermann, liebet die Brüder, fürchtet Gott, ehret den König!” (1.Petr.2,13-17)

Nach diesen Unterweisungen müssen die Kinder Gottes jede Obrigkeit, auch die heidnische, als von Gott eingesetzt anerkennen. Sie müssen deshalb der Obrigkeit gehorchen, Steuern bezahlen und für sie beten. Außer diesem Verhältnis, in dem die Kinder Gottes nach dieser apostolischen Unterweisung zur Obrigkeit stehen sollen, hat sich nun durch die christlich-weltliche Obrigkeit noch ein besonderes Verhältnis zwischen der Gemeinde und der weltlichen Obrigkeit entwickelt. Eine innere geistige Verbindung zwischen der Gemeinde und der weltlichen Obrigkeit kannten die Apostel nicht, für sie kam nur die Stellung des einzelnen Kindes Gottes dieser weltlichen Obrigkeit gegenüber in Betracht. Deshalb haben sie die Kinder Gottes über ihr Ver­halten der weltlichen Obrigkeit gegenüber unterrichtet. Die Stellung, welche die Gemeinde zur weltlichen Obrigkeit hatte, wurde durch ihre eigene Christusgesinnung bestimmt. Durch diese Christusgesinnung der Apostel war die Verbindung mit der weltlichen Obrigkeit, wie sie in der späteren Zeit entstanden ist, unmöglich. Die Synagoge des Satans, die in der Gemeinde auftrat, hielt sich nicht mehr an die Ord­nung der Apostel. Auf Grund ihrer fleischlich-irdischen Gesinnung trat sie in ein Ver­hältnis zu dem weltlichen Machteinfluß durch das sie diesem in der Gemeinde Tür und Tor öffnete.

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Über diesen weltlichen Machteinfluß haben die Apostel die Gemeinde auf man­nigfaltige Weise belehrt und sie davor gewarnt. Paulus schreibt darüber,

„daß der Gott dieser Welt der Ungläubigen Sinne verblendet hat, daß ihnen nicht aufgehe das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher Gottes Ebenbild ist.” (2.Kor.4,4)

Er weist die Kinder Gottes darauf hin, daß sie einst wandelten

„nach dem Laufe dieser Welt, nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, dem Geiste, der jetzt in den Kindern des Unglaubens wirkt.” (Eph.2,2)

Dieser Apostel unterweist die Gläubigen auch darüber, daß sie ihren Kampf

„wider die Herrschaften, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen (Mächte) der Bosheit in den himmlischen (Regio­nen)”

zu kämpfen haben (Eph.6,12). Aufs innigste damit verbunden ist

„der große Drache, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der die ganze Welt verführt.” (Offb.12,9)

Auf Grund dieses Verführungseinflusses

„(liegt) die ganze Welt im Argen.” (1.Joh.5,19)

Diese Welt wird beherrscht von dem Geist der Welt (1.Kor.2,12). Deshalb redet Gottes Wort auch von der Weisheit dieser Welt (1.Kor.3,19) und von der Gestalt dieser Welt (1.Kor.7,31). Weil in der Welt solche Geister herrschen und das Wesen der Welt ein solches ist, ermahnen die Apostel die Gläubigen:

„Stellet euch nicht dieser Welt gleich!” (Röm.12,2)

„Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebhat, so ist die Liebe zum Vater nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Flei­scheslust, die Augenlust und hoffärtiges Wesen, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt; und die Welt vergehet mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.” (1.Joh.2,15-17)

Von seinem Mitarbeiter Demas schreibt Paulus:

„Demas hat mich verlassen, weil er diese Welt liebgewonnen hat.” (2.Tim.4,10)

Jakobus erklärt aber:

„ … daß der Welt Freundschaft Feindschaft gegen Gott ist. Wer immer der Welt Freund sein will, der steht da als ein Feind Gottes!” (Jak.4,4)

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