Weg zur Wahrheit

Röm. 4,7 «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind;  8 selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»

Joh. E. Keller

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Buch 

Das Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes 

Fortsetzung der Betrachtungen vom Kommen des Herrn in dem
Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter
Einleitung

Schon im Vorwort der Betrachtungen des ersten Teiles der sieben Sendschreiben ist erklärt, daß die sieben Berichte an die sieben Gemeinden die Offenbarung des göttlichen Willens über die Ordnung der Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kom­men des Herrn sind, wie es sich als das Geheimnis der sieben Engel der sieben Gemeinden und der sieben Gemeinden während der ganzen Gemeindezeit von fast 2000 Jahren auswirkt. Die Ausführungen über die ersten vier Sendschreiben sind in Einzelheften und auch in einem Band zusammengefaßt erschienen. Darin ist ausführ­lich berichtet, daß das Geheimnis vom Kommen des Herrn in den ersten vier Gemein­den noch nicht erfüllt werden konnte, weil diese ersten vier Gemeinden die Grundlage, die Jesus und die Apostel durch ihr Evangelium der Gemeinde des Herrn zur Erfüllung dieses Geheimnisses als der göttlichen Verheißung vermittelten, gänzlich verlassen haben.

Die ersten vier Gemeinden stellen in der Bedeutung, die sie für die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn haben, die Abwärtsbewegung in der Gemeinde dar. Dieser Abfall von der Grundlage Jesu und der Apostel ist ein vollkom­mener, denn er endet in der Gemeinde zu Thyatira mit dem Offenbarwerden der Tiefe des Satans. Doch weil sich das Geheimnis vom Kommen des Herrn in den

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sieben Gemeinden nach dem Ratschluß Gottes erfüllen soll, muß in den nachfolgen­den Gemeinden wieder eine Aufwärtsbewegung erfolgen. Das heißt mit anderen Worten: In den drei letzten Gemeinden muß die rechte Stellung zu der Grundlage Jesu und der Apostel wieder erlangt und eingenommen und bis zur Wiederkunft des Herrn bewahrt werden. So wie in den ersten vier Sendschreiben die Abwärtsbewe­gung in der Gemeinde geschildert ist, ist andererseits in den letzten drei Sendschrei­ben der Bericht über die Aufwärtsbewegung enthalten, wie sie bis zur Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn erfolgt. Darin muß der Unterschied zwischen dem Sinn der ersten vier und der letzten drei Sendschreiben gesehen werden. Die folgenden Betrachtungen über die letzten drei Sendschreiben erklären die Ordnung, in der sich diese Aufwärtsbewegung ausgestaltet und nach welcher das Geheimnis vom Kommen des Herrn seine Erfüllung und Vollendung findet. Die Grundlage Jesu und der Apostel, die in den ersten vier Gemeinden nach und nach vollkommen verlassen wurde, muß in den letzten drei Gemeinden wieder zurückerlangt werden; sie darf dann aber nicht mehr verlorengehen, sondern muß so lange bewahrt werden, bis das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter als das Geheimnis vom Kom­men des Herrn auf dieser Grundlage völlig erfüllt ist. Die folgenden Ausführungen über die letzten drei Sendschreiben müssen darum als noch ein wichtiger Teil der sie­benfachen Gemeindeordnung angesehen werden.

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Das Geheimnis vom Kommen des Herrn in der Gemeinde zu Sardes  

I. Die Offenbarung des Herrn für den Engel der Gemeinde zu Sardes

 1. Die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn findet in der Stellung des Engels der Gemeinde zu Sardes ihre Fortsetzung

In unseren Betrachtungen über das „Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter“ als das „Geheimnis vom Kommen des Herrn“ kommen wir nun zu dem fünften Sendschreiben, nämlich zum Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes. Wir haben erkannt, daß sich dieses Geheimnis in den ersten vier Gemeinden aus dem Grunde nicht erfüllt hat, weil dieselben die Grundlage verlassen haben, die Jesus und die Apostel der Gemeinde gaben; und darum stellen die vier ersten Gemeinden die Abwärtsbewegung der Gemeinde des Herrn dar. Deshalb muß sich aber das Geheim­nis vom Kommen des Herrn in einer der noch folgenden drei Gemeinden erfüllen. Aus diesem Grunde lautet nun der Bericht des Menschensohnes weiter:

„Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe.“ (Offb.3,1)

Aus dem Umstand, daß Johannes diese Botschaft an den Engel der Gemeinde zu Sardes richten mußte, müssen wir schließen, daß die Ausgestaltung des Geheimnis­ses vom Kommen des Herrn in der Stellung des fünften Gemeindeengels ihre Fortset­zung findet. Die Ausführungen über die Stellung dieses Engels zu Jesus und zu seiner Gemeinde werden es erklären, weshalb und nach welcher Ordnung die Ausgestaltung des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter in der Stellung dieses Gemeindevorstehers ihre Fortsetzung findet.

Die Namensbezeichnung „Sardes“ heißt zu deutsch „ein Neues“. Gleichwie bei den vorausgehenden Gemeinden muß es als eine Offenbarung

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des göttlichen Willens betrachtet werden, daß sich der Menschensohn dieses Namens bei der fünften Gemeinde bedient. Auch in diesem Namen kommt die Bedeutung zum Ausdruck, die die Gemeinde zu Sardes für das Geheimnis vom Kommen des Herrn hat.

Der Hinweis des Menschensohnes auf ein Neues erklärt, daß sich das Geheimnis seines Kommens in der Gemeinde zu Sardes zum Unterschied von den ersten vier Gemeinden auf einem ganz neuen Boden ausgestaltet. Diese Bezeichnung „ein Neues“ ist darum aber auch ein Hinweis auf die in der Gemeinde zu Sardes wieder beginnende Aufwärtsbewegung aus dem Tiefstande, in den die vierte Gemeinde durch die Tiefe des Satans geraten ist. Das werden die weiteren Ausführungen über die Stellung des fünften Engels und seiner Gemeinde bestätigen. 
 

2. Der Herr offenbart sich dem Engel der Gemeinde zu Sardes auf dem Boden der vorderen Hütte

a) Die Offenbarung des Menschensohnes für den Engel der Gemeinde zu Sardes ist eine Teiloffenbarung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn

Das erste, was der Apostel Johannes im Auftrag des Menschensohnes dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreiben muß, ist die Botschaft:

„Das sagt, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat.“ (Offb.3,1)

Dieser Bericht ist für den Engel der Gemeinde zu Sardes die erste Offenbarung des Einen, gleich einem Menschensohne. Diese Offenbarung des Herrn ist aber keine neue Offenbarung, sondern Johannes hat darüber schon im ersten Kapitel seines Buches berichtet. Von den sieben Geistern schreibt er:

„Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Throne sind …“ (Offb.1,4)

In seiner Erscheinung, die er über den Einen, gleich einem Menschensohn, gehabt hat, wurde ihm u.a. auch gezeigt, daß der Menschensohn sieben Sterne in seiner rechten Hand hat (Offb.1,16). Daß der Menschensohn auch die sieben Geister hat, ist zwar in dieser Erscheinung nicht berichtet. In dem angeführten Zitat ist es jedoch so dargestellt, daß die sieben Geister Gottes vor seinem Throne sind. Darauf ist auch

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in Offenbarung 4 hingewiesen, wo die sieben Geister Gottes auch sieben Feuer­fackeln darstellen, die vor dem aufgerichteten Gerichtsthron Gottes brennen (Offb.4,5). Weiter ist dann in Offenbarung 5 erklärt, daß das geschlachtete Lamm sieben Augen hat; das sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde ausgesandt sind (Offb.5,6). Diese Worte Gottes zeigen die Ordnung, daß der vollendete Sohn Gottes im gleichen Verhältnis zu den sieben Geistern steht wie Gott, der Vater. Der Menschensohn ver­fügt in gleicher Weise über diese sieben Geister Gottes, wie er auch die sieben Sterne in seiner rechten Hand hat, und als ihr Herr stellt er dieselben zur Ausgestaltung sei­nes Willens in seinen Dienst. Wenn deshalb in diesem Bericht an den Engel der Gemeinde zu Sardes gesagt ist, daß der Menschensohn außer den sieben Engeln auch die sieben Geister Gottes hat, muß darin eine Ergänzung der Erscheinung des Menschensohnes gesehen werden, die Johannes auf Patmos geschaut hat. Diese Ergänzung besteht darin, daß zu dieser Ordnung, wie dem Apostel Johannes die Erscheinung des Menschensohnes gezeigt wurde, auch die sieben Geister Gottes gehören. In diesem Lichte gesehen, ist dieser erste Bericht des Menschensohnes an den Engel der Gemeinde zu Sardes auch wieder eine Teiloffenbarung des Geheim­nisses vom Kommen des Herrn, wie das auch bei den ersten vier Gemeinden der Fall ist. 
 

b) Die Bedeutung der Offenbarung des Menschensohnes mit den sieben Geistern Gottes

Es genügt aber nicht, daß die Kinder Gottes wissen, daß die Worte des Men­schensohnes: „Das sagt, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat“, eine Teiloffenbarung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn darstellen. Vielmehr ist es auch wichtig, kennenzulernen, was diese Offenbarung des Menschensohnes für den Engel der Gemeinde zu Sardes bedeutet. Denn wenn sich der Menschensohn diesem Vorsteher der fünften Gemeinde im Hinblick auf das, was er ihm zu sagen hat, in anderer Weise offenbart als den Vorstehern der ersten vier Gemeinden, muß das seine bestimmte Bedeutung haben. Diese Bedeutung ist für das rechte Verständnis des ganzen Sendschreibens grundlegend. So wie es für die ersten vier Gemeindeen­gel wichtig ist, recht zu verstehen, was die Art der Offenbarung des Menschensohnes für sie bedeutet, muß sich auch der Vorsteher der fünften Gemeinde über diese ihm zuteil werdende Offenbarung des Menschensohnes recht klar werden. Denn in dieser Offenbarung unterweist er diesen Diener der Gemeinde als erstes über das Verhält­nis, in dem er als sein Herr zu ihm steht. Mit Rücksicht darauf, daß die Offenbarung des Menschensohnes an den fünften Engel einen doppelten

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Sinn hat, achten wir zuerst darauf, was es bedeutet, daß der Herr sich ihm als der offenbart, der die sieben Geister Gottes hat. Diese Offenbarung ist nur dem Engel der fünften Gemeinde zuteil geworden. Wie wir schon bei den Vorstehern der ersten vier Gemeinden erkannt haben, offenbart sich der Menschensohn auch für diesen Gemeindevorsteher in der genannten Weise nur auf Grund der Stellung, die dieser Engel zu ihm und zu seiner Gemeinde hat. Das heißt mit andern Worten: Diese Art der Offenbarung des Menschensohnes ist durch die Stellung bedingt, die der fünfte Engel zu ihm als dem Retter und Erlöser und auch zu der göttlichen Verheißung hat, die sich durch die Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn in der Gemeinde erfüllen soll. Der Bericht des Menschensohnes an den Engel der Gemeinde zu Sardes ist nicht das einzige Zeugnis darüber, daß Jesus als Menschensohn die sieben Geister Gottes hat. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß Jesus als das geschlachtete Lamm auch die sieben Geister Gottes hat. Diese sieben Geister Gottes sind auch die sieben Augen des geschlachteten Lammes genannt, die von ihm über die ganze Erde ausgesandt sind. Sie stehen auch in Verbindung mit dem aufgerich­teten Gerichtsthron Gottes, sowie mit den um diesen Thron stehenden vier lebendigen Wesen und den vierundzwanzig Ältesten. Diese Darstellung zeigt, daß die sieben Geister Gottes Diener des Lammes sind, das zu der Zeit, wenn der Gerichtsthron Gottes aufgerichtet ist und auch die vierundzwanzig Ältesten auf ihren Thronen sitzen, der Mittelpunkt des Thrones Gottes ist. Wenn in diesem Zusammenhang darauf hin­gewiesen ist, daß die sieben Geister Gottes als die sieben Augen des geschlachteten Lammes von ihm ausgesandt sind über die ganze Erde, ist damit erklärt, daß sie im Dienste der Wahrheit der Erlösung stehen, die das geschlachtete Lamm vollbracht hat und in sich darstellt. Das wird dadurch bestätigt, daß Johannes schon im ersten Kapitel der Offenbarung den sieben Gemeinden schreibt:

„Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Throne sind …“ (Offb.1,4)

Nach diesem Zeugnis und den anschließenden Worten bis Vers 6 stehen die sie­ben Geister Gottes im Dienste der Gnade und des Friedens Gottes, die in dem Erlöser Jesus Christus für die Kinder Gottes offenbar geworden sind. Denn diese sieben Gei­ster entbieten den sieben Gemeinden, denen Johannes die sieben Sendschreiben senden mußte, gleich Gott und Jesus Gnade und Frieden. Wie wir schon in der Betrachtung des Sendschreibens an die Gemeinde zu Thyatira erkannt haben, sind diese sieben Geister Gottes, als die Diener des Lammes, sieben Engelwesen. In die­sem

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Lichte gesehen, wären die sieben Geister Gottes, als die sieben Augen des geschlachteten Lammes, solche heiligen Engel des Herrn, von denen der Apostel bezeugt:

„Sie (sind) allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienste um derer willen, welche das Heil ererben sollen.“ (Hebr.1,14)

Sie gehören auch zu den Engeln seiner Kraft, mit denen Jesus wiederkommt zur Bestrafung der Gottlosen und der ungehorsamen Gläubigen, und wenn er kommt, um verherrlicht zu werden an seinen Heiligen (2.Thess.1,7-10.12; vgl.Matth.16,27; 25,31; Mark.8,38; Luk.9,26). Der Zusammenhang dieser Zeugnisse zeigt, daß diese sieben Gei­ster Gottes, die der Menschensohn hat, ihren Dienst und somit ihre Bedeutung für die Ausgestaltung und Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn haben. Die besondere Bedeutung ihres Dienstes muß darin erkannt werden, daß der Menschen­sohn in seiner Offenbarung an den Engel der Gemeinde zu Sardes darauf hinweist, daß er die sieben Geister Gottes hat, d.h. daß sie ihm zum Dienst zur Verfügung ste­hen. In den vier vorhergehenden Sendschreiben hat der Herr nicht auf die sieben Gei­ster Gottes hingewiesen, obwohl er sie von Anfang an in den sieben Gemeinden gehabt hat. Das erweckt den Eindruck, als hätten sie für die Ausgestaltung des Geheimnisses der sieben Engel und der sieben Gemeinden in den ersten vier Gemeinden keine Bedeutung, sondern nur in der fünften Gemeinde. Doch so darf diese Ordnung nicht gedeutet werden. Denn nach der Darstellung von Johannes in Offenbarung 1 stehen die sieben Geister Gottes mit allen sieben Gemeinden in Ver­bindung; sie richten in gleicher Weise wie Gott und Jesus an alle sieben Gemeinden ihr Zeugnis von der Gnade und dem Frieden aus. Aus dem Umstand, daß der Men­schensohn aber erst in seiner Offenbarung an den Engel der Gemeinde zu Sardes davon redet, daß er die sieben Geister Gottes hat, muß geschlossen werden, daß der Dienst der sieben Geister Gottes von der Sardes-Gemeindezeit an ein anderer ist, als in den vorausgehenden vier Gemeinden.

Um diese unterschiedliche Bedeutung des Dienstes, den die sieben Geister Got­tes für die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn in den sieben Gemeinden haben, recht verstehen zu können, müssen wir zuerst darauf achten, in welchem Verhältnis diese sieben Geister Gottes, die der Menschensohn hat, zum Hei­ligen Geist stehen, den Jesus seinen Jüngern verheißen hat und den sie dann als Ausrüstung zu ihrem Dienst am Evangelium empfangen haben. Der Heilige Geist, der auch der andere Beistand sowie der Geist der Wahrheit und der Geist der Weisheit und der Offenbarung genannt ist, ist Jesus selbst. Das ist damit erklärt, daß Jesus in Verbindung mit der Verheißung des Geistes der Wahrheit, als des andern Beistandes, seinen Jüngern gesagt hat:

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„Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch. In Kurzem sieht mich die Welt nicht mehr; ihr aber werdet mich sehen; denn ich lebe, und auch ihr sollt leben! An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ihr in mir, und ich in euch.“ (Joh.14,18-20)

Der Apostel Paulus schreibt darüber:

„Der Herr ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2.Kor.3,17)

Dieser Geist der Wahrheit hat der Gemeinde des Herrn durch den Dienst der Apo­stel die ganze Wahrheit der in Christo vollbrachten Erlösung als die erste Liebe ver­mittelt (Joh.16,7-15). Diesen Dienst hat Jesus selbst solange ausgerichtet, bis der Engel der Gemeinde zu Ephesus seine erste Liebe verlassen hat. Von dieser Zeit an setzte die Abwärtsbewegung in der Gemeinde ein, und damit begann auch eine neue Ord­nung in der Dienstleistung des Geistes für die Gemeinde. Weil der Engel der Gemeinde zu Ephesus seine erste Liebe verlassen hat, deshalb hat Gott seinem Sohne dann die neue Ordnung der sieben Gemeinden in der Offenbarung Jesu Christi gegeben. An die Stelle der Gemeinde des Herrn, die die Apostel gegründet haben, trat dann diese siebenfache Gemeindeordnung, wie sie von Johannes in den sieben Sendschreiben geschildert ist. Dieser veränderten Gemeindeordnung entsprechend änderte sich nun auch die Dienstordnung in der Gemeinde, indem an Stelle des Dien­stes der Apostel der Dienst von sieben Engeln der sieben Gemeinden trat und die sieben Engel Vorsteher der sieben Gemeinden wurden. Demzufolge trat von dieser Zeit an aber auch eine Änderung im Dienste des Geistes in der Gemeinde ein. Durch den Beginn der Abwärtsbewegung in der Gemeinde zu Ephesus hörte Jesus als Geist der Wahrheit auf, in der Gemeinde so wie bis dahin zu wirken. Von dieser Zeit an üben nun die sieben Geister Gottes, die Jesus hat, den Dienst in den sieben Gemein­den aus, während Jesus in der Vollendung seines Herrlichkeitsleibes seinen Dienst als Hoherpriester zur Rechten Gottes dem Teufel und Verkläger gegenüber ausrichtet. In seiner Eigenschaft als Geist der Wahrheit wollte Jesus die Gemeinde auf der Grundlage des Dienstes der Apostel als der ersten Liebe zur Vollendung in der Lei­besverwandlung bei seiner Wiederkunft führen. Er wollte das in der Weise tun, daß er als der Geist der Wahrheit nicht nur bei den Kindern Gottes bleibt, sondern in ihnen ist (Joh.14,16-17). Dieser Geist zeugt in den Kinder Gottes von Jesus (Joh.15,26) und leitet sie in die ganze Wahrheit (Joh.16,13). Er nimmt von dem, was Jesus als Retter und Erlöser darstellt, und verkündigt es den Kindern Gottes. Dadurch wird Jesus in ihnen verherrlicht (Joh.16,14), indem sie durch dieses Geistwirken erkennen,

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daß Jesus in seinem Vater ist, die Kinder Gottes in ihm sind und er in ihnen ist (Joh.14,20). Das Werk, das von dem Geist der Wahrheit berichtet ist, richtet in Wirklich­keit Jesus selbst in den Kindern Gottes aus. Darüber hinaus will Jesus als der Geist Christi in den Kindern Gottes wohnen und wirken (Röm.8,9-10). Diese Geistesausrü­stung ist für sie der Geist des Glaubens, durch den sie ihren Glauben an die erkannte Wahrheit der in Christo vollbrachten ganzen Erlösung unter Einsatz ihres natürlichen Lebens betätigen können (2.Kor.4,13; Eph.3,16-19). Und schließlich will Gott selbst durch seinen Geist in den Kindern Gottes wohnen. Das ist der Geist der Herrlichkeit und Gottes, durch den Gott den gestorbenen Leib seines Sohnes aus den Toten zur Unsterblichkeit und Unverweslichkeit auferweckt hat (Röm.6,4; 8,11; Eph.3,19;2.Kor.4,14). Das ist die Erfüllung der Worte Jesu:

„Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ (Joh.14,23)

„Bleibet in mir und ich in euch.“ (Joh.15,4)

„Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ (Joh.15,5)

Nach diesen Worten kann die Leibesverwandlung bei der Wiederkunft des Herrn nur dann erfolgen, wenn der Sohn und der Vater durch das vollendete Wirken des Heiligen Geistes im Kinde Gottes wohnen. Diese Absicht Gottes und seines Sohnes wurde aber durch das Verlassen der ersten Liebe durch den Engel der ersten Gemeinde verhindert. Das hatte zur Folge, daß es in der Erfahrung der Kinder Gottes nicht dahin kommen konnte, daß der Sohn und der Vater zu ihnen kommen und in ihnen wohnen können. Die sieben Geister Gottes haben deshalb in den sieben Gemeinden nicht mehr die gleiche Aufgabe, die Jesus als der Geist der Wahrheit in der Gemeinde in der Zeit nach Pfingsten erfüllt hat. Ihr Dienst kann in den ersten vier Gemeinden in der Hauptsache nur noch darin bestehen, den wirkenden Finsternisge­walten, die in diesen Gemeinden die Abwärtsbewegung immer noch mehr verursa­chen, nach Möglichkeit entgegenzutreten und den Abfall aufzuhalten. Sie unterstützen die Kinder Gottes, die in den einzelnen Gemeinden noch treu sind, daß die Feindes­gewalten der Lüge und der Finsternis nicht den vollen Sieg über sie erlangen können. Die sieben Geister Gottes sind in den ersten vier Gemeinden deshalb auch Gerichts­mittel in der Hand des Menschensohnes, durch die er die untreuen Kinder Gottes richtet, wie wir das besonders in der Betrachtung der Gemeinde zu Thyatira erkannt haben. Verschieden von diesem Dienst der sieben Geister Gottes in den ersten vier Gemeinden ist ihr Dienst in den letzten drei Gemeinden. Das muß schon daraus geschlossen werden, daß der Menschensohn erst dem Engel der Gemeinde zu Sar­des sagt, daß er der ist, der die sieben Geister Gottes hat. Von dieser fünften Gemeinde an steht ihr Dienst in Verbindung mit dem Neuen, d.h. mit der in dieser Gemeinde auf dem Boden des Evangeliums

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nun wieder beginnenden Aufwärtsbewegung. Nachdem die Tiefe des Satans in der Gemeinde zu Thyatira offenbar geworden ist, läßt der Menschensohn den Vorsteher der Gemeinde zu Sardes wissen, daß nicht nur der Satan und seine ihm dienenden Geister in der Gemeinde wirksam sind und sein dürfen, sondern daß diesen Finster­nisgewalten gegenüber auch der Menschensohn mit den sieben Geistern Gottes noch da ist. Er teilt das diesem Gemeindeengel aus dem Grunde mit, um ihn darauf auf­merksam zu machen, daß es die ihm zur Verfügung stehenden sieben Geister Gottes sind, die das Neue, den neuen Anfang in seiner Person bewirkt haben. Der Engel soll wissen, daß es nur das Verdienst dieser sieben Geister Gottes ist, daß er aus der Fin­sternis der Gemeinde zu Thyatira herausgeführt wurde zu den neuen Heilserkenntnis­sen, wie er sie in der Zeit wieder empfangen hat, nachdem die offenbargewordene Tiefe des Satans die völlige Verwüstung aller Heilsgüter in der Gemeinde zu Thyatira bewirkt hatte. In diesem Lichte gesehen, muß die Bedeutung davon, daß sich der Menschensohn dem Vorsteher der Gemeinde zu Sardes als der offenbart, der die sie­ben Geister Gottes hat, darin erkannt werden, daß er diesem Engel dadurch erklären will, daß ihm diese sieben Geister Gottes auch als Gerichtswerkzeuge zur Verfügung stehen, um den Ungehorsam in seiner Gemeinde zu richten, wenn sie als die sieben Augen des Lammes solchen Ungehorsam in der fünften Gemeinde vorfinden.  

c) Die Bedeutung der Offenbarung des Menschensohnes mit den sieben Sternen

Nun müssen wir noch kennenlernen, was es bedeutet, daß sich der Menschen­sohn dem Engel der Gemeinde zu Sardes auch als der offenbart, der außer den sie­ben Geistern Gottes auch die sieben Sterne hat. Diese sieben Sterne haben wir in früheren Betrachtungen als die sieben Vorsteher der sieben Gemeinden kennenge­lernt. Dem Engel der Gemeinde zu Ephesus offenbart sich der Menschensohn auch schon als der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält. Über die Bedeutung die­ser Offenbarung für den ersten Gemeindevorsteher sind wir uns in der Betrachtung des ersten Sendschreibens klar geworden. Um des Zusammenhanges willen empfiehlt es sich, jene Ausführungen nachzulesen. Ein Unterschied in diesen beiden Offenba­rungen des Menschensohnes an die Engel dieser beiden Gemeinden besteht darin, daß er dem ersten Vorsteher sagt, daß er die sieben Sterne in seiner Rechten hält, während er dem fünften Engel erklärt, daß er die sieben Sterne hat. Er hat die sieben Sterne in gleicher Weise, wie er die sieben Geister Gottes hat. Diese gleichlautende Darstellung von den sieben Geistern und den sieben Sternen läßt den einheitlichen Sinn dieser Ordnungen erkennen. Durch diese Offenbarung will der Menschensohn dem Vorsteher der Gemeinde zu Sardes nahelegen, daß

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ihm die sieben Sterne als die sieben Lehrer der sieben Gemeinden genau so als Werkzeuge und Diener zur Verfügung stehen müssen wie die sieben Geister Gottes. Haben wir die Bedeutung der sieben Geister Gottes an diesem Platz aber darin erkannt, daß sie in dieser Gemeinde den neuen Anfang für die Aufwärtsbewegung bewirken, dann müssen auch die Vorsteher der drei letzten Gemeinden an dieser Entwicklung Anteil haben. Nur durch das Mitwirken der Vorsteher dieser Gemeinden, zu denen ja auch der Engel dieser fünften Gemeinde als erster von ihnen gehört, kann der Menschensohn in der Gemeinde zu Sardes wieder einen neuen Anfang in der Aufwärtsbewegung bewirken. Die sieben Sterne sind deshalb die Werkzeuge, durch welche die sieben Geister Gottes im Auftrag des Menschensohnes das Geheimnis vom Kommen des Herrn in den sieben Gemeinden zur Ausgestaltung und Vollendung bringen. Dessen soll sich besonders der Engel der Gemeinde zu Sardes bewußt sein, weil er ihn als einen der sieben Sterne dazu berufen hat, den neuen Anfang in der Aufwärtsbewegung darzustellen. Dieser Gemeindevorsteher kann dieses Werkzeug für den Menschensohn nicht von sich aus sein, sondern er ist es nur deshalb, weil ihm die sieben Geister Gottes bzw. einer derselben durch seine Geistesunterstützung im Auftrage des Menschensohnes dienen. Sie sind es, die ihren Dienst in den Gemein­den ausrichten, durch den auch der Engel der fünften Gemeinde wieder neue Heilser­kenntnis und dadurch auch neues geistiges Leben erlangt, damit er das Werkzeug für seinen Herrn, den Menschensohn, sein kann, durch das dieser wieder den neuen Anfang in der Aufwärtsbewegung in der Gemeinde machen kann. Darüber will der Menschensohn den Vorsteher der Gemeinde zu Sardes unterrichten, damit er sich seiner Verantwortung bewußt werden soll, die der Menschensohn nach dem Rat­schluß Gottes zur Verwirklichung des Geheimnisses seines Kommens auf seine Schultern gelegt hat. 

d) Die Offenbarung des Menschensohnes mit den sieben Geistern Gottes und den sieben Sternen ist sein Offenbarwerden auf dem Boden der vorderen Hütte

In der Offenbarung des Menschensohnes mit den sieben Geistern Gottes und den sieben Sternen für den Engel der Gemeinde zu Sardes muß noch eine weitere Bedeutung erkannt werden. Indem sich der Menschensohn diesem Vorsteher der fünften Gemeinde auf diese Weise offenbart, will er ihm auch kundtun, daß er sich ihm nicht auf dem Boden des Allerheiligsten, d.i. in Verbindung mit seinem Dienst als Hoherpriester, offenbaren kann, sondern nur auf dem Boden der vorderen Hütte. Das heißt mit anderen Worten: Der Herr kann für diesen Engel nicht im Sieg des Lebens über den Tod, d.i. in der Leibesverwandlung, offenbar werden.

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Denn der Dienst des Herrn, den er in Verbindung mit den sieben Sternen der sieben Gemeinden ausrichtet, ist nicht der Dienst des Hohenpriesters, sondern der Dienst des Menschensohnes, der als königlicher Richter unter den sieben goldenen Leuch­tern wandelt. Daß es sich bei dieser Offenbarung des Herrn für den fünften Gemein­deengel um sein Offenbarwerden auf dem Boden der vorderen Hütte und nicht mehr auf dem Boden des Vorhofs wie beim Engel der dritten und vierten Gemeinde handelt, ist damit erklärt, daß er sich hier als der offenbart, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat. Diese sieben Geister Gottes und die sieben Sterne sind in der abbildlichen Heiligtumsordnung, nämlich in der Stiftshütte, durch den siebenarmigen goldenen Leuchter mit seinen sieben Röhren und seinen sieben Lampen nebst dem dazu gehörenden Öl vorgeschattet. Bekanntlich hatte dieser Leuchter seinen Platz in der vorderen Hütte. In diesem Lichte gesehen, hat sich der Herr dem Engel der Gemeinde zu Sardes auch aus dem Grunde als der offenbart, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat, um ihm kundzutun, daß seine Stellung keine solche ist, daß durch ihn das Geheimnis der sieben Sterne und der sieben Leuchter als das Geheimnis vom Kommen des Herrn ganz in Erfüllung gehen könnte.  

II. Die Stellung des Engels der Gemeinde in Sardes zu Jesus und zur Gemeinde  

Der Menschensohn bezeugt dem Engel der Gemeinde zu Sardes das Gute in seiner Stellung

a) Die Reihenfolge der zweiten Botschaft an den Engel der Gemeinde zu Sardes

Im Hinblick auf den einheitlichen Aufbau aller sieben Sendschreiben kommen wir nun auch in der Betrachtung dieses fünften Sendschreibens zum zweiten Teil der Bot­schaft, die der Menschensohn an den Engel der Gemeinde zu Sardes richtet. Der Bericht darüber lautet:

„Ich weiß deine Werke: du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das Übrige, was sterben will; denn ich habe deine Werke nicht vollkommen erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du nun nicht wachest, so werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher

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Stunde ich über dich kommen werde.“ (Offb.3,1-3)

Im ersten Teil der Mitteilung an diesen Gemeindevorsteher hat ihm der Herr sagen lassen, von wem die Botschaft ausgeht, die ihm Johannes zu übermitteln hat. Der vorstehende zweite Teil ist ein Bericht über die Stellung des Engels, wie er sie einer­seits zu seinem Retter und Erlöser Jesus Christus und andererseits zu der Gemeinde hat, deren Vorsteher er ist. Dem Sinn nach zerfällt diese Mitteilung hauptsächlich in die folgenden Ordnungen:

1)   Der Menschensohn bezeugt dem Engel der Gemeinde zu Sardes das Gute in seiner Stellung.

2)   Er bezeugt ihm den Mangel in seiner Stellung.

3)   Er ermahnt ihn, die rechte Stellung zur Gemeinde einzunehmen.

4)   Er ermahnt ihn, die rechte Stellung zu dem vom Herrn Empfangenen einzu­nehmen.

5)   Er fordert ihn auf zur Buße.

6)   Er kündigt ihm das Gericht an, wenn er die rechte Stellung nicht einnimmt.

Um erkennen zu können, welche Bedeutung der Vorsteher der Gemeinde zu Sar­des für die Ausgestaltung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn hat, müssen wir über seine Stellung ein klares Bild erlangen. Dazu ist es nötig, in der Auslegung die verschiedenen Ordnungen über die Stellung dieses Engels auch wieder getrennt von einander zu betrachten; wir tun das in der genannten Reihenfolge.  

b) Der Menschensohn kennt die Stellung des Engels der Gemeinde zu Sardes

Der Menschensohn leitet seinen zweiten Bericht an den Vorsteher der Gemeinde zu Sardes mit den Worten ein:

„Ich weiß.“

Wie wir in unsern bisherigen Betrachtungen erkannt haben, sagt der Menschen­sohn diese Worte jedem einzelnen Gemeindeengel. Den allgemeinen Sinn dieses Hinweises des Herrn haben wir in der Betrachtung des ersten Sendschreibens aus­führlich erklärt. Doch wollen wir auch an diesem Platz wieder kurz an die Bedeutung dieser Worte des Herrn erinnern. So wie der Herr die Stellung der Engel kennt, die die Abwärtsbewegung in der Gemeinde mit verursacht und begünstigt haben, weiß er in gleicher Weise auch über die Stellung der Gemeindevorsteher genau Bescheid, durch die er die Aufwärtsbewegung bis zur Vollendung des Geheimnisses vom Kommen des Herrn bewirken will.

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Weil der Aufwärtsbewegung in der Gemeinde für die Ausgestaltung des Heilsrats­schlusses Gottes ganz besondere Bedeutung zukommt, findet es der Herr für nötig, auch diesen fünften Engel, durch den er die Aufwärtsbewegung einleitet, darüber zu unterweisen, daß er als sein Herr über seine Stellung nach jeder Seite hin alles weiß. Wie nötig es ist, daß der Menschensohn ihn darauf aufmerksam macht und ihm auf diese Weise einen großen, fürsorglichen Dienst erweist, zeigen die Worte, mit denen er diesem Engel erklärt, was er alles über seine Stellung weiß. Der Engel selbst konnte darüber zuvor unmöglich unterrichtet gewesen sein, daß seine Stellung eine solche ist, wie sie ihm der allwissende Herr beleuchtet.  

c) Die Werke des Engels der Gemeinde zu Sardes

Die Werke des Engels der Gemeinde zu Sardes haben eine doppelte Bedeutung.

Mit den Worten:

„Ich weiß deine Werke“,

leitet der Menschensohn den Bericht über das ein, was er dem Engel der Gemeinde zu Sardes über dessen Stellung mitzuteilen hat. Daß der Engel als Diener des Herrn und der Gemeinde Werke aufzuweisen hat, dagegen hat der Menschensohn nichts einzuwenden; im Gegenteil, er anerkennt das. Nur muß darauf geachtet werden, daß dieser Hinweis auf die Werke des fünften Gemeindeengels nach der Darstellung des Menschensohnes einen doppelten Sinn hat. Diese Doppelbedeutung liegt in dem gan­zen Bericht, den der Herr über die Stellung des Engels ablegt. Wir müssen darum zur Erklärung der Doppelbedeutung der Werke dieses Lehrers der fünften Gemeinde auf das ganze Zeugnis des Menschensohnes, das er über seine Stellung ablegt, achten, wenn wir darüber ein klares Bild bekommen wollen. Als erstes muß in dem Bericht des Herrn über die Werke dieses Engels ein Hinweis auf das Gute, dem Herrn Wohlgefäl­lige, in seiner Stellung zu ihm und zur Gemeinde gesehen werden. Doch weist der Menschensohn in diesem Zeugnis auch auf das Mangelhafte, ihm Mißfällige, in der Stellung dieses Engels zu ihm und zur Gemeinde hin. Es ist für das rechte Verständ­nis der Werke dieses Gemeindeengels ferner wichtig, auch darauf zu achten, daß er nach dem Zeugnis des Menschensohnes in seiner Stellung außer seinen Werken nichts aufzuweisen hat. Es ist weder auf seinen Glauben, noch auf seine Liebe und auch nicht auf seine Geduld, noch auf sonst etwas Gutes hingewiesen. Daraus darf aber nicht etwa gefolgert werden, daß er keinen Glauben, keine Liebe oder ähnliche von dem Geist dieser Gemeinde erlangte Ausrüstungen in seiner Stellung aufzuwei­sen hat. Doch weil der Menschensohn nichts davon sagt, sondern nur auf die Werke dieses Engels hinweist, brauchen wir diese Erfahrungsgebiete

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auch nicht besonders zu erörtern, sondern beschränken uns auf den genannten zweifachen Sinn seiner Werke und deren Bedeutung für die Ausgestaltung des Geheimnisses der sieben Sterne und der sieben Leuchter. Mit dem Hinweis auf seine Werke ist das Grundwesen dieses fünften Engels ins rechte Licht gestellt. Es ist damit gezeigt, daß der Herr seine Stellung zu ihm und zur Gemeinde, nämlich sein ganzes Tun und Lassen, nur als seine Werktätigkeit, d.i. als sein Wirken, bezeichnet. Das ist vom Menschensohn auch noch dadurch bestätigt, daß er ein zweites Mal auf die Werke des Engels hinweist, indem er ihm sagen läßt:

„Ich habe deine Werke nicht vollkommen erfunden vor meinem Gott.“

Die Werke des Engels der Gemeinde zu Sardes weisen auf das Gute in seiner Stellung hin.

Der Darstellung des Berichts des Menschensohnes folgend, achten wir zuerst auf die Bedeutung, die die Werke des Vorstehers der Gemeinde zu Sardes im Hinblick auf das Gute in seiner Stellung zum Herrn und zur Gemeinde haben. Das Gute, dem Herrn Wohlgefällige, der Werke des Engels muß als erstes in dem Hinweis erkannt werden, daß er den Namen hat, daß er lebt, und ferner darin, daß ihm vom Men­schensohn gesagt wird, daß er etwas empfangen und gehört hat. Mit dieser Darstel­lung ist erklärt, daß die Grundeinstellung, d.h. der Herzenszustand dieses Dieners des Herrn, solcherart war, daß er mit Ernst nach der Lebensverbindung und -gemeinschaft mit dem Herrn, seinem Retter und Erlöser, gesucht und getrachtet hat. Daß wir die Herzensstellung dieses fünften Gemeindevorstehers in diesem Lichte beurteilen müs­sen, wird dadurch klar bestätigt, daß Jesus im Gleichnis die Stellung dieses Lehrers der fünften Gemeinde zu seinem Herrn mit den Worten erklärt:

„Wiederum ist das Himmelreich gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor Freuden über denselben geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft denselben Acker.“ (Matth.13,44)

Wäre die Herzensstellung dieses Knechts des Herrn nicht derart, daß er nach einem für ihn verborgenen Heilsschatz sucht, so könnte Jesus von ihm nicht bezeu­gen, daß er ihn findet und verbirgt. Denn es geht auf dem Boden des Himmelreichs, d.i. in der Gemeinde des Herrn, bei jedem Kinde Gottes nach der von Jesus in der Bergpredigt niedergelegten Wachstumsordnung:

„Bittet, so wird euch gegeben: suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan! Denn jeder Bittende empfängt; und

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wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan.“ (Matth.7,7-8) 

Das Gute in den Werken des Engels der Gemeinde zu Sardes vermittelt ihm die Erkenntnis von der Gottes- und Glaubensgerechtigkeit und das Leben in seinem Geiste.

Der vorstehenden Ordnung entsprechend, muß der Engel der fünften Gemeinde nach dem gesucht haben, was ihn in die Lebensverbindung und Gemeinschaft mit Jesus, seinem Heiland, brachte. Das heißt mit andern Worten: er suchte nach dem Heilsschatz der Gerechtigkeit, durch die er als Sünder Frieden mit seinem Gott erlan­gen und vor ihm bestehen konnte. Dieser Schatz war ihm in seiner großen Sündennot lange Zeit verborgen. Weil er sich aber nach Frieden mit Gott sehnte, suchte er so lange darnach, bis er ihn fand. Zu diesem Zweck kaufte er den Acker als das Wort Gottes, aus dem ihm der Heilsschatz seiner Gnaden- und Glaubensrechtfertigung durch das Sühnopfer Jesu Christi bekannt wurde. Die Freude über den im Wort Gottes wiedergefundenen Heilsschatz der Glaubensrechtfertigung in Christo Jesu war bei diesem Engel groß. Vor Freuden über diesen gefundenen Schatz geht er hin und ver­kauft alles, was er bis dahin als selbsterwählten, falschen Gottesdienst nach väterli­cher Überlieferung aus dem Zustand der Gemeinde zu Thyatira geübt hat. Er kauft dafür den Acker des Wortes Gottes und arbeitet auf diesem Acker treu, um auf diese Weise in den völligen Besitz des darin enthaltenen Heilsschatzes der Gottes- und Glaubensgerechtigkeit zu kommen. Durch den Dienst von einem der sieben Geister Gottes wurde ihm dann das in seinem Besitz sich befindende und von ihm mit Ernst und großer Treue gebrauchte Wort Gottes von der Rechtfertigung durch Glauben als die Gottes- und Glaubensgerechtigkeit in Christo Jesu aufgeschlossen und beleuch­tet. Und der Engel hat es der Wahrheit gemäß auch anerkannt und geglaubt. Durch seinen Glauben daran erlangte er das Leben in seinem Geiste. Er konnte nun für sich persönlich mit dem Sünderheiland rechnen, es erkennen und glauben, daß es auf keine andere Weise Vergebung der Sünden und Frieden mit Gott gibt als nur durch den Glauben an das Sühnopfer Jesu, nach der Lehre von Paulus:

„Wir wissen aber, daß das Gesetz alles, was es spricht, denen sagt, die unter dem Gesetze sind, auf daß jeder Mund verstopft werde und alle Welt Gott schul­dig sei; darum, daß aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt wer­den kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Nun aber ist unabhängig vom Gesetze Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, die bezeugt

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wird von dem Gesetz und den Propheten; nämlich Gottes Gerechtigkeit (empfan­gen) durch den Glauben an Jesum Christum für alle, die da glauben. Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes vor Gott, so daß sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittelst der Erlösung, die in Christo Jesu ist; - welchen Gott verordnet hat zum Sühnopfer in seinem Blut - durch den Glauben, - zum Erweis seiner Gerechtigkeit, wegen der Nachsicht mit den Sünden, die zuvor geschahen unter göttlicher Geduld; zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, damit er selbst gerecht sei und zugleich gerecht spreche den, welcher des Glaubens an Jesum ist.“ (Röm.3,19-26)

„Desgleichen spricht auch David die Seligpreisung des Menschen aus, welchem Gott Gerechtigkeit anrechnet ohne Werke: ‚Selig sind die, welchen ihre Misseta­ten vergeben und ihre Sünden bedeckt sind; selig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!’“ (Röm.4,6-8)

„(Wir) haben erkannt, daß der Mensch nicht gerechtfertigt wird aus Gesetzeswer­ken, sondern nur durch den Glauben an Jesum Christum, und so sind auch wir an Christum Jesum gläubig geworden, auf daß wir gerechtfertiget würden aus dem Glauben an Christum und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird.“ (Gal.2,16)

Wir haben darauf hingewiesen, wie der fünfte Gemeindevorsteher vor Freuden über dieses erlangte Licht, den kostbaren Schatz der Gnaden- und Glaubensrechtfer­tigung, gern alles das preisgibt, was er bis dahin durch allerlei Übungen von persönli­cher Werkgerechtigkeit vor Gott zustande bringen wollte. Dagegen kaufte er den Acker des Wortes Gottes, um den darin verborgenen Schatz der Heilswahrheit der Gottesgerechtigkeit in Christo Jesu ganz in seinen Besitz zu bekommen. Das heißt mit andern Worten: Dieser Knecht des Herrn gab sich nun nicht mehr damit zufrieden, daß er von andern Lehrern des Wortes Gottes über das Wort Gottes unterrichtet wurde. Er erforschte die Heiligen Schriften für sich persönlich, um auf diesem Weg den darin offenbarten, aber ihm immer noch verborgenen Willen Gottes ganz kennen­zulernen. Auf diese Weise wurde ihm durch den Dienst des Geistes Gottes die Erkenntnis über die Wahrheit der Rechtfertigung durch den Glauben an Jesum Chri­stum vermittelt. Durch den Glauben daran wurde er ein Kind Gottes und konnte nun im lebendigen Glauben in seinem Geiste Lebensverbindung mit seinem Heiland und Erlöser pflegen. Das ist mit den Worten des

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Menschensohnes erklärt, wenn er ihn darauf hinweist, daß er bedenken soll, wie er empfangen und gehört hat. Auf diese Weise kam dieser Gemeindevorsteher in die gewünschte Lebensverbindung und Gemeinschaft mit Gott und Jesu Christo, seinem Retter und Erlöser. Die aus dem Worte Gottes selbst erlangte Erkenntnis, daß Jesus Christus seine Gerechtigkeit vor Gott ist und er deshalb auf keine andere Weise mehr von sich aus die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, schaffen muß, brachte ihn in die Stel­lung, daß er durch Glauben Frieden hatte mit Gott. Dieser Friede war für ihn aber auch die Lebensverbindung in seinem Geiste mit Gott. Er hatte um der Gerechtigkeit willen in seinem Geiste das Leben aus Gott erlangt (vgl.Röm.8,10). Weil der Engel nach der Gottes- und Glaubensgerechtigkeit gehungert und gedürstet hat, wurde er durch den Dienst eines der sieben Geister Gottes, die der Menschensohn hat, mit dieser Gerechtigkeit in dem Maße gesättigt, daß er das Leben in seinem Geiste hatte. Der Engel dieser fünften Gemeinde hat Jesum Christum als seine Gerechtigkeit, d.h. als Tilger seiner Sünden, in sich aufgenommen. Dadurch konnte er Jesum als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, im lebendigen Glauben erfassen und sich der Til­gung seiner ganzen Sündenschuld bewußt sein.

Das, was dieser Gemeindevorsteher von einem der sieben Geister Gottes an Heilserkenntnis über die Gottesgerechtigkeit und Glaubensgerechtigkeit empfangen und gehört und ihm das Leben in seinem Geiste vermittelt hat, ist das Neue für die Aufwärtsbewegung, die dadurch in der Gemeinde zu Sardes ihren Anfang nimmt. Ohne diese neue Heilserkenntnis könnte die Aufwärtsbewegung in der Gemeinde nicht erfolgen.

Das alles sind Hinweise auf die Werke des Engels der Gemeinde zu Sardes, und zwar auf seine Werke im guten Sinn, an denen der Herr sein Wohlgefallen hat und die er darum auch anerkennt. Wir dürfen wohl annehmen, daß sich dieser fünfte Gemein­devorsteher in Verbindung mit den genannten Werken noch auf mannigfaltige andere Art und Weise im guten Sinn betätigt hat. Doch alle diese Betätigungen einzeln zu nennen und zu erklären, würde an diesem Platz zu weit führen. Es sei hier nur noch daran erinnert, daß er in der Eigenschaft als Vorsteher der fünften Gemeinde von dem neugefundenen Heilsboden aus sich auch innerhalb der Gemeinde eifrig betätigt und auf allerlei Weise im guten Sinn gewirkt hat. Die späteren Ausführungen werden dies noch bestätigen.

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